Unfallprävention : Wir wohnen doch nur um die Ecke

Die sechsjährige Leni Müller war eines von sechs Vorschulkindern der Gadebuscher Kita „Am Burgsee“, die gestern in Nordwestmecklenburg zum Start der landesweiten Aktion „100 % geschnallt?!“ Strafmandate aus Kinderhand an Eltern verteilten, die selbst oder aber deren Kinder im Auto nicht angeschnallt waren. Fotos: holger glaner
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Die sechsjährige Leni Müller war eines von sechs Vorschulkindern der Gadebuscher Kita „Am Burgsee“, die gestern in Nordwestmecklenburg zum Start der landesweiten Aktion „100 % geschnallt?!“ Strafmandate aus Kinderhand an Eltern verteilten, die selbst oder aber deren Kinder im Auto nicht angeschnallt waren. Fotos: holger glaner

Sechsjährige verteilten Strafmandate an Eltern, die sich selbst oder aber deren Kinder nicht angeschnallt hatten

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26. März 2015, 01:29 Uhr

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Und weil das so ist, gaben Vorschulkinder der Gadebuscher Kindertagesstätte „Am Burgsee“ gestern gemeinsam mit Polizei und Verkehrswacht bereits am frühen Morgen im Nordwestkreis den Startschuss zur Verkehrssicherheitsaktion „100 % geschnallt?!“.

Mehr als die Hälfte aller jährlich im Straßenverkehr verunglückten Kinder waren im Auto ihrer Eltern unterwegs, sagt die Statistik. Und Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren, die kleiner als 1,50 Meter sind, dürfen nur in einem zugelassenen und für das Kind geeigneten Kindersitz mitgenommen werden, sagt die Straßenverkehrsordnung. Doch auch bei uns halten sich nicht alle Eltern daran.

„Wir wohnen doch nur hier um die Ecke“, so die Ausrede einer Mutter, die weder sich selbst noch ihr Kind auf dem – wenn auch kurzen Weg zur Kindertagesstätte – angeschnallt hatte. „Was für eine unmögliche Ausrede“, schimpfte die Präventionsberaterin der Polizeiinspektion Wismar, Angelika Becker. „Es ist doch völlig egal, wie kurz oder lang der Weg ist. Passieren kann doch immer etwas.“ Und so gab es für die junge Mutti eine ernst gemeinte Verwarnung in Form eines Strafmandats aus Kinderhand. Auf diesem Handzettel wird nochmals eindringlich auf die Notwendigkeit der Gurtpflicht für Fahrer und deren minderjährige Insassen hingewiesen.

Über eine Rose aus den Händen der Vorschulkinder freuen durften sich hingegen all jene Fahrzeugführer, die vorschriftsmäßig angeschnallt den Weg zur Kita angetreten hatten. „Damit wollen wir die Autofahrer belobigen, die sich und ihre Kinder vorschriftsmäßig anschnallen und so im Fall der Fälle schlimme Verletzungen verhindern helfen. Kinder gehören grundsätzlich bei jeder Fahrt angeschnallt und in richtige Kindersitze“, fordert Sibylle Runge von der Verkehrswacht Wismar. Die landesweite Verkehrssicherheitsaktion „100 % geschnallt?!“ sei eine echte Präventionsmaßnahme, so die 53-Jährige weiter.

Gut 50 Fahrzeuge wurden gestern zwischen 7 und 8.30 Uhr vor der Kita in Gadebusch kontrolliert. Bis auf zwei Ausnahmen gab’s durchweg Blumen für die Eltern. „Einerseits sind wir mit dem Ergebnis zufrieden. Aber andererseits ist jeder nicht angeschnallte Fahrzeuginsasse einer zu viel“, sagte Sibylle Runge.

Noch immer gibt es Kinder, die im Auto ungesichert oder falsch gesichert mitfahren. Trotz der Sicherungspflicht in Deutschland. Trotz eines Bußgeldes bei Zuwiderhandlung. Trotz der Tatsache, dass ungesicherte Kinder bei jeder Fahrt in Lebensgefahr schweben und in MV jedes Jahr etwa 150 Kinder bis zehn Jahre als Mitfahrer verunglücken.

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