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Sturmflut in Wismar : „Wir haben noch mal Glück gehabt“

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Menschen helfen sich in der Nacht der größten Sturmflut seit zehn Jahren und beginnen nur wenige Stunden danach mit den Aufräumarbeiten

von
erstellt am 05.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Die Hansestadt am Morgen nach der großen Flut: Hausbesitzer kehren den Dreck auf der Straße zusammen, den das Wasser zurückgelassen hat. Einzelhändler, Gastronomen und Hoteliers im Hafenviertel machen wieder Klar Schiff. In der Nacht überflutete und gesperrte Straßen werden wieder für den Verkehr freigegeben und mit Wasser vollgelaufene Keller werden von der Feuerwehr leergepumpt. Motto: Hochwasser – na und? Mit mecklenburgischer Gelassenheit gehen die meisten Wismarer an die Beseitigung der Spuren, die das nächtliche Hochwasser hinterlassen hat.

In der Frischen Grube 5 beginnt auch Martina Czwikla mit den Aufräumarbeiten im Erdgeschoss ihres Hauses. „Wir haben noch mal Glück gehabt. Alles ist trocken geblieben“, sagt die 59-Jährige. Noch am Morgen nach der ersten Flut, die die gebürtige Berlinerin in ihrem neuen Heim erleben musste, stapeln sich die Sandsäcke vor dem kleinen Häuschen in unmittelbarer Nähe der St. Nikolaikirche. Eine über 600 Jahre alte sogenannte „Bude“ von außerordentlicher stadtgeschichtlicher Bedeutung. Erst im Juni vergangenen Jahres war das Haus nach umfangreicher Sanierung bezugsfertig geworden. Als die Sturmflutwarnung herausgegeben wurde, hatte sich die Hausbesitzerin sofort um Sandsäcke zum Schutz vor eindringenden Wassermassen gekümmert und zu deren Transport im Eisenwarengeschäft um die Ecke eine Sackkarre gekauft.

Inhaber des traditionsreichen Geschäfts in unmittelbarer Hafennähe ist Jan Innecken. Den hatte es allerdings schlimmer erwischt. Mehr als dreißig Zentimeter hoch drückten die Wassermassen der Ostsee in den Abendstunden an die Schaufensterscheiben. 200 Sandsäcke, kräftige Pumpen und etliche freiwillige Helfer waren mehrere Stunden im Einsatz, um das Schlimmste zu verhindern. „Ich bin so dankbar, Freunde zu haben, die mir in der Nacht so sehr geholfen haben“, sagt Jan Innecken. So stand das Wasser am Ende lediglich vier Zentimeter hoch in seinem Laden, der nach dem Großreinemachen gestern sogar wieder öffnen konnte.

Aufatmen ein paar Ecken weiter auch bei Ingrid Tews-Gördes. Die Geschäftsführerin des Traditions-Gasthauses „To’n Zägenkrog“ ist gebürtige Hamburgerin, als solche sturmfluterprobt und hatte gemeinsam mit ihrem Mann die gesamte Nacht vor Ort Wasserwache gehalten. „Wir hatten alles mit Sandsäcken abgesichert. Nur ein paar Tropfen Wasser haben es bis in den Keller geschafft“, sagt die 63-Jährige, die sich insbesondere über die schnelle und umsichtige Unterstützung durch die Kameraden der Feuerwehr gefreut hatte. Als kleines Dankeschön hatte sie die Helfer mit Süßem, Heißgetränken und einer eiligst gekochten Hühnersuppe versorgt. Ingrid Tews-Gördes. „Das ist doch selbstverständlich. Das macht man nun mal so.“

 

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