zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

20. Oktober 2017 | 12:53 Uhr

Wismar : Winterpause für die „Atalanta“

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Wismars ältester Traditionssegler, der im kommenden Jahr 115 Jahre alt wird, wurde jetzt abgetakelt

svz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 12:00 Uhr

„Alles muss von Bord“, hieß es jetzt an Deck von Wismars ältestem Traditionssegler „Atalanta“. Gemeint war das turnusmäßige Abtakeln zur Winterruhe. Damit befindet sich das gesamte stehende und laufende Gut für den Hauptantrieb von mehr als 330 Quadratmetern Segelfläche vor dem Wind wieder im Winterlager. Nur noch Groß- und Schonermast ragen in die Höhe.

Zuvor hievte ein Werftkran die beiden hölzernen Gaffeln noch von Bord. „Die Bäume bleiben diesmal am Mast“, erklärt Bootsmann Klaus Podlech. Bei ihm, dem umsichtigen, guten Geist an Bord, laufen alle organisatorischen Fäden zusammen. Seine Initiative, bereits Tage zuvor sämtliche Segel zu bergen und zu verstauen, zahlte sich aus. „Dadurch hatten wir einen guten, zeitlichen Vorlauf für die restlichen Arbeiten“, so der Bootsmann weiter. Die an Bord verbliebenen Bäume, einschließlich Fockbaum sollen Abdeckplanen tragen, um das Schiffsdeck den Winter über einzuhausen, sprich wetterfest zu verpacken. Die Teilnahme an der vorweihnachtlichen Lichterfahrt sei aber in jedem Fall gewährleistet.

Gegen Mittag deutete sich bereits das nahende Ende der gemeinschaftlichen Aktion an, zu der mehr als 30 Vereinsaktive aus allen Himmelrichtungen angereist waren. Zu ihnen gehörte unter anderem Dr. Klaus Otto aus Bremen. „Natürlich kann man nicht so häufig kommen, aber zu solchen Anlässen schon, um auch seinen Anteil am Vereinsleben einzubringen, zumal Gemeinsinn für den Erhalt des geschichtsträchtigen Seglers verbindet.“

Im konkreten Fall bekennt sich der Unfallchirurg zu einem sehr privaten, überlieferten Familienverhältnis zu diesem Schiff: „Als der einstige Lotsenschoner 1929 ausgemustert wurde, war es mein Großvater Arthur Otto, der ihn erwarb und zur Privatyacht umbauen ließ.“ Außerdem hatte sein Vater Hans-Joachim das Schiff noch gefahren. In den 1930-er Jahren erfolgte der Verkauf und längere Zeit blieb der Segler dem Familienblick entschwunden. Anfang der 1960-er Jahre tauchte der Schoner erstmals in Kiel wieder auf, später immer mal wieder zur Kieler Woche. Doch mehr als ein kurzer Bordbesuch war damals nicht möglich. Es dauerte noch bis zum Jahr 2005, als es hieß: Die „Atalanta“ befindet sich in Wismar. Seitdem ist aus dem ersten persönlichen Kontakt und dank einer Fördervereinsmitgliedschaft endlich ein erlebnisvolles Wiedersehen mit dem betagten Segler geworden. „So war es möglich, mit Bildern aus dem Familienfotoalbum eine geschichtliche Lücke der Schiffschronik zwischen 1929 und 1936 zu schließen“, so der Chirurg.

Gerhard Prante gehört dagegen zu den Atalanta-Freunden der ersten Stunde. „Der geschichtsträchtige schöne Segler und seine engagierten Leute drumherum sind eine lohnenswerte Aufgabe, sich auch weiterhin dafür zu engagieren“, erklärt der fast 80-Jährige. Bevor der Traditionsseglerenthusiast dem Pausenruf folgt, lockert er noch schnell einige Schrauben, bevor die Schonermastgaffel ebenfalls ins Winterlager geht.

Beim abschließenden Mittagsgrillen belohnte Atalanta-Kapitän Lutz Sünkeler dann gemeinsam mit seinem weiblichen Bewirtungsteam ein wenig das Engagement der vielen maritimen Traditionspfleger.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen