zur Navigation springen

Diskussionen in und um Gadebusch : Windkraft bleibt weiter Thema

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Wenig Freude über Windparkpläne. Interessengemeinschaft „Gemeinsam gegen den Wind“ will Bürgerstimmen mehr Gewicht geben

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Die aktuell veröffentlichten Entwürfe des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg zur Ausweisung neuer Gebiete zum Errichten von Windkraftanlagen (wir berichteten) sorgen in Gadebusch für reichlich Gesprächsstoff. Insbesondere die Interessengemeinschaft „Gemeinsam gegen den Wind“ sieht in der Manifestierung des eigentlich schon tot gelaubten Projektes – auf 154 Hektar zwischen 10 und 15 neue Windräder zu errichten – einen Affront. Konkret geht es dabei um die Beeinträchtigung der kulturhistorischen Flächen der Schwedenschlacht von 1712 bei Wakenstädt.

Die Sprecherin der Initiative, Silke Hansen, zeigte sich gegenüber der SVZ wenig erfreut: „Ende 2014 gab es ein Gespräch mit dem Ministerpräsidenten und die klare Aussage: Bodendenkmale sind keine Eignungsgebiete.“ Einen ähnlichen Wortlaut enthält der Brief aus dem Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung, „dass die in Rede stehende Fläche für eine Windenergienutzung nicht geeignet ist“. Der nun im Entwurf ausgewiesene Eignungsraum Gadebusch widerspricht aus Sicht der Interessengemeinschaft den Äußerungen.

Im aktuellen Entwurf zum Eignungsgebiet wurde die denkmalgeschützte Fläche zwar nicht einbezogen. Dafür befindet sie sich in unmitelbarer Nachbarschaft. So soll sich die Eignungsfläche vom Moosbauerngehöft über die B 104 bis zur Bahnlinie erstrecken. Das wiederum bliebe nicht ohne optische Beeinträchtigung für das Schlachtfeld.

Aber auf das Schlachtfeld und seine weitere touristische Nutzung konzentrieren sich die Planungen der Stadt Gadebusch. „Mit der Auflösung des Kulturhistorischen Vereins von 1712 sind wir als Kommune in der Pflicht die Entwicklung des Areals voranzubringen“, so Howest gegenüber der SVZ. Bereits am 7. März soll die Stadtvertretung den für ein touristische Projekte notwendigen Bebauungsplan beschließen. Dabei schwingen die Befürchtungen mit, das übergeordnete Gremien derartige Beschlüsse als Verhinderungsplanung zum Windkraftgebiet einstufen und kassieren könnten. Für das Projekt sprechen das jahrelange Engagement und die internationale Tagung anlässlich 300 Jahre Schwedenschlacht.

Unabhängig von den Planungen will die Interessengemeinschaft „Gemeinsam gegen den Wind“ in Gadebusch mobil machen. „Wir werden die aktuelle Lage jetzt beraten. Geplant sind Infogespräche mit Bürgern an den Einkaufszentren in Gadebusch“, so Hansen. Man wolle den Bürgern deutlich machen, dass sie sich persönlich an den Planungsverband wenden müssen. „Dabei geht es nicht allein um eine reine Meinungsäußerung. Die Menschen müssen Fakten mitteilen, die gegen einen Windpark sprechen“, so Hansen. Über die Durchführung der Aktionstage will die Interessengemeinschaft in den kommenden Tagen informieren und ebenso Flyer verteilen.

Dass eine starke Konzentration von Windkraftanlagen nicht ohne Auswirkungen auf Menschen und Natur bleiben, machten jetzt Giesela und Heinz-Ingram Rudolph aus Stöllnitz deutlich. Das Paar spricht sich gegen einen weiteres Windeignungsgebiet bei Stöllnitz aus (wir berichten). Rudolph macht ebenso deutlich: „Seit der Windpark Badow sich in Betrieb befindet, hat sich das Verhalten der Tiere verändert. Früher gab es Fledermäuse auf unserem Anwesen. Heute keine mehr.“ Aus Sicht des Weidmanns sind das möglicherweise Auswirkungen des Infraschalls, der sich nach Angaben des Paars ebenso auf ihre Lebensqualität auswirke.

Das Land MV geht weiter von einer großen Akzeptanz von Windkraftanlagen aus. Laut repräsentativer Umfrage TNS Emnid im Auftrag des Schweriner Energieministerium stehen 80 Prozent der Bürger hinter der Energiewende. Allerdings sprechen sich heute nur noch 41 Prozent der Befragten statt 49 Prozent in 2013 für einen Ausbau von Windrädern aus.

Das Aktionsbündnis „Freier Horizont“ hat Zweifel an der Akzeptanz der Bürger bezüglich der Energiewende in MV. „Unsere Wahrnehmung ist eine völlig andere. Es wird Politik mit und nach Umfragen gemacht“, sagt Norbert Schumacher vom Aktionsbündnis Freier Horizont.

Bislang werden in MV 0,7 Prozent der Fläche für Windenergieanlagen genutzt, angestrebt werden soll die doppelte Fläche.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen