Gadebusch : Windkraft auf dem eigenen Grundstück

Gestern wurde die Anlage zum ersten Mal nach Errichtung im August gewartet.  Fotos: Thomas Stengel
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Gestern wurde die Anlage zum ersten Mal nach Errichtung im August gewartet. Fotos: Thomas Stengel

Bamberger Firma montiert in Gadebusch erste vertikale Kleinwindkraftanlage

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11. März 2015, 00:02 Uhr

In der Gadebuscher Industriestraße steht vor der Firma Nordwest-Vertrieb die zehn Meter hohe Kleinwindkraftanlage – die erste ihrer Art in Norddeutschland. Vertikale Rotoren aus Kunststoff und Aluminium erzeugen grüne Energie für Privatanwender oder kleine bis mittelständische Unternehmen. „Damit können wir bei der Endabrechnung sparen – wenn denn der Wind mitspielt“, sagt Günther Wirth, der sich mit seiner Firma für die autarke Energieerzeugung entschieden hat.

Darauf gestoßen sei der 68-Jährige durch seinen alten Bekannten Franz Popp, der 2009 die Idee für das Windrad mit zwei Rotoren auf vertikaler Drehachse entwickelte. „Damit schaffen wir ein Stück Unabhängigkeit, wenn Private ihre eigene Energie nutzen oder ins öffentliche Netz einspeisen können“, sagt der Bamberger Erfinder.

Als der 62-Jährige die Idee vor zwei Jahren nach Gadebusch brachte, war Günther Wirth sofort begeistert. Nachdem eine Baugenehmigung eingeholt und das Fundament errichtet wurde, ging die Anlage am 29. August des vergangenen Jahres in Betrieb.

„Für uns ist die Region an der Ostsee besonders interessant, weil es hier einfach mehr Wind gibt als bei uns in Bamberg“, so Konstrukteur Popp. So lag die mittlere Windgeschwindigkeit der oberfränkischen Stadt im vorletzten Jahr bei zwei Metern pro Sekunde, in Gadebusch waren es 5,2, wie Franz Popp erklärt. „Egal von wo der Wind kommt, dank der senkrechten Segel dreht sich die Anlage“, sagt Günther Wirth, dessen kleines Windrad auf dem Bürogelände als Demonstrationsanlage dient.

Bis zu drei Kilowatt Strom pro Stunde könne die Anlage erzeugen, je nachdem wie stark der Wind weht. Die Leistung der größeren Aluminium-Flügel – die Savonius Rotoren – und kleineren sogenannten Darrieus Rotoren ist abhängig von der Windgeschwindigkeit. Verdoppelt sich diese, so verachtfacht sich die Leistung, also die daraus gewonnene Energie. Diese physikalische Grundlage nutzt die Kleinwindkraftanlage. Und dennoch: Mehr als drei Kilowatt pro Stunde erzeugt die Gadebuscher Anlage nicht. „Sicherlich ginge auch mehr, aber die Bauweise zielt extra auf langsame Umdrehungen, damit möglichst geräuschlos aus Wind Energie erzeugt werden kann“, sagt der Erfinder.

Ein weiterer Grund, warum sich Franz Popp mit seiner Firma nach Norddeutschland orientierte, liegt in der Gadebuscher ECP Gesellschaft für GFK-Systemlösungen. Mit ihr entwickelte Popp sein Mini-Windrad seit 2009 weiter. „Drei der sechs Segel werden nun aus einem speziellen Kunststoff hergestellt – hier in Gadebusch“, sagt der 62-Jährige. Damit würde die Anlage 50 Prozent effizienter arbeiten als noch das Vorgängermodell mit vollständig aus Aluminium hergestellten Rotoren.

Bei einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde würden Eigenverbraucher mit der Kleinwindkraftanlage im Jahr 3300 kWh Energie erzeugen. Geht man von einem mittleren Preis von 0,30 Euro aus, ergäbe sich eine mögliche Ersparnis von knapp 1000 Euro.

Da Strompreise in der Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit steigen werden – Experten rechnen mit eine Preis von bis zu 60 Cent pro kWh im Jahr 2024 – hielt Günther Wirth die Investition vor seinem Büro für sinnvoll. „Von August bis jetzt lässt sich zwar noch kein Fazit ziehen, wie viel Einsparung die eigene Windanlage bringt, aber im Schnitt macht sich die Technologie nach 15 Jahren bezahlt“, sagt er zuversichtlich.

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