Gadebusch : Willkommenskultur auf Prüfstand

In Kleinstädten wie Gadebusch werden die Asylbewerber bis zum Verfahrensabschluss wohnen.
In Kleinstädten wie Gadebusch werden die Asylbewerber bis zum Verfahrensabschluss wohnen.

Landkreis versorgt Asylbewerber dezentral. Luise Krüger fordert stärkeres Engagement auch in Kommunen

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16. März 2015, 00:06 Uhr

Krieg, Verfolgung, Armut, Not und Hunger - die insgesamt angespannte Lage in Europa und der Welt sorgt für weitere Zuwächse bei den Flüchtlingen und Asylbewerbern im Nordwestkreis und seit wenigen Tagen auch in Gadebusch. „In unserer Stadt werden drei Familien mit insgesamt elf Personen untergebracht“, bestätigte Bürgermeister Ulrich Howest auf Anfrage der SVZ. Zuständig für deren Unterbringung und Versorgung ist der Landkreis. Der setzt auf Grund der ausgeschöpften Kapazitäten in der zentralen Anlaufstelle Haffburg Wismar auf die dezentrale Unterbringung der Asylbewerber. Gadebusch gehört dazu.

Trotz der vor Ort über die Wohnungsgesellschaften angemieteten Wohnungen soll es nach Aussagen von Stadtvertreterin Luise Krüger (Linkspartei) zu einer möglichen Unterversorgung der Menschen gekommen sein. Knackpunkt war ihren Angaben zu Folge die Kommunikation zwischen Kreis, Amt Gadebusch und der Stadt. „Die fehlenden Querinformationen haben dazu geführt, dass die Menschen ohne Betreuung waren. Sie investierten anscheinend ohne Kenntnis über die Angebote ihren Versorgungssatz in Teller, Pfannen und Besteck. Am Ende fehlte das Geld für Lebensmittel“, so Krüger weiter.

Beim Versuch in der Kleiderbörse Shirts und Hosen für Kinder zu erwerben, endete die Einkaufstour an der Kasse: kein Geld. „Das muss nicht sein. Wir verfügen über verschiedene soziale Einrichtungen wie die Möbel- und Kleiderbörse. Mit entsprechenden Informationen im Vorfeld, hätten wir uns um die Menschen persönlich gekümmert“, moniert Krüger. Dass es während des laufenden Asylverfahrens nur eine Minimalausstattung gebe, sei verständlich. Dennoch wäre es hilfreich, den Menschen zweisprachige Einkaufslisten zur besseren Orientierung in die Hand geben zu können. Eben darüber hätten ihrer Meinung nach die Familien aus Afghanistan, Ghana und Mazedonien nicht verfügt. „Wir brauchen eine andere Willkommenskultur damit die Akzeptanz bei den Menschen vor Ort wächst“, betont Krüger.

In Folge möglicher Komplikationen in Gadebusch soll es nach SVZ-Informationen bereits eine auf Gadebuscher Initiative emotional geführte Debatte zwischen dem Amt Gadebusch und der Kreisverwaltung gegeben haben. Über den Gesprächsinhalt habe man Stillschweigen vereinbart, so Amtsleiter Andreas Lausen gegenüber der SVZ. Lausen weiter: „Es gab und gibt Probleme. Wir arbeiten an einer Lösung.“

Landrätin Kerstin Weiss (SPD) spricht gegenüber der SVZ von einem Lernprozess und verweist auf die Informationskette. In einem Antwortschreiben an die SVZ heißt es: „Im November 2014 wurden die Amtsverwaltung und Bürgermeister über die dezentrale Unterbringung informiert.“

Nach SVZ-Informationen kamen die Asylbewerber möglicherweise bereits Ende Februar in Gadebusch an. Die Vorabinformation des Kreises vom November bestätigte die Stadt Gadebusch. Howest weiter:„Am 2. März folgte der konkrete Zuweisungshinweis schriftlich.“

Der womöglich um eine Woche verspätete Brief traf anscheinend nicht in der Amtsverwaltung ein. Darüber hinaus verfügte der Landkreis Ende Februar nur über einen Mitarbeiter zur Betreuung der dezentral wohnenden Asylbewerber. „Zum 1. März nahmen zwei weitere Sozialarbeiter ihre Tätigkeit auf. Eine weitere Stelle steht zur Besetzung an. Soweit es zu anfänglichen Schwierigkeiten in der tatsächlichen Betreuung der Asylbewerber gekommen sein kann, ist dies schnellstmöglich behoben worden“, teilt die Kreisverwaltung mit.

Klar geregelt ist nun der Informationsfluss. Kerstin Weiss: „Die Ämter sind die Schnittstellen. Sie werden von uns informiert und geben die Daten an die Kommunen weiter.“ Sie persönlich sehe in der dezentralen Unterbringung eine höhere Chance der Integration. Genau in diesem Punkt wollen Städte wie Gadebusch die Arbeit des Kreises unterstützen.

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