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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 03:53 Uhr

Gadebusch : Wildplakatierern auf der Spur

vom

Michael Topp ist gut gerüstet. Mit Handschuhen, einem Tritt, seinem Fünf-Liter-Eimer, dem Spachtel und mehreren Sprühflaschen mit Lösungsmitteln rückt der Mitarbeiter des Bauhofs derzeit der Aufkleberflut zu Leibe.

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erstellt am 24.Feb.2012 | 08:09 Uhr

Gadebusch | Michael Topp ist gut gerüstet. Mit Handschuhen, einem Tritt, seinem Fünf-Liter-Eimer, dem Spachtel und mehreren Sprühflaschen mit Lösungsmitteln rückt der 44-jährige Mitarbeiter des Bauhofs derzeit der Aufkleberflut in der Innenstadt Gadebuschs zu Leibe. Und sie kleben einfach überall, die kleinen bedruckten Bildchen: Auf Laternenmasten, Stromkästen, Fallrohren und besonders auf Straßen- und Verkehrsschildern.

Neben der Tatsache, dass wildes Plakatieren generell als Sachbeschädigung gilt, ist das größte Problem des Bauhofs, dass die Täter mit den Aufklebern Straßen- und Verkehrsschilder zum Teil bis zur Unkenntlichkeit bekleben. "Dabei kann es sich, je nach Art des Schildes, um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr handeln", sagt André Falke, Pressesprecher der Wismarer Polizei. Als Strafe für die Täter könne - abhängig vom richterlichen Ermessen - eine Geldbuße oder sogar eine Freiheitsstrafe verhängt werden, informiert er.

Seit etwa einem viertel Jahr treten die Aufkleber in großer Menge auf, hat Jürgen Flotow vom Amt Gadebusch beobachtet. "Es waren auch vorher schon Aufkleber da, aber nicht so massiv", sagt er. In etwa wisse er, woher die Täter kämen, sagt Flotow. So habe er auch bereits persönlich versucht, Kontakt zu der Szene aufzunehmen, in der er die Täter vermutet. Bisher ohne Erfolg. Stetig würden die Aufkleber mehr, sagt Uwe Tews der Leiter des Gadebuscher Bauhofs, der die Aufkleberflut bereits seit einem halben Jahr beobachtet.

Bis zu 15 der bunten Bildchen klebten manchmal an den Masten, sagt Michael Topp. Dreimal musste er seinen Fünf-Liter-Eimer, in dem er die abgekratzten Schnipsel sammelt, schon ausleeren. "Das meiste sind Hansa Rostock-Aufkleber, dann sind einige vom Suptras- Aufklebersortiment dabei und viele Aufkleber gegen Rechts", so der Mitarbeiter des Bauhofs. Teilweise überlagern sich die Bildchen sogar mehrfach. "Da hat man gut zu kratzen", sagt Topp. Doch er hat eine Methode entwickelt, mit der er den Aufklebern erfolgreich zu Leibe rückt: Zuerst sprüht der 44-Jährige die Bildchen mit Lösungsmittel ein. "Dann lass ich den Industriereiniger einwirken und rubbel die Aufkleber mit dem Spachtel ab", sagt er. "Das Abspachteln ist aber nicht das dollste, da leidet der Lack", so Topp. Der Lack leidet aber auch, wenn die Aufkleber zu fest sitzen, dann löst er sich oft ebenfalls mit ab, sagt der Bauhofmitarbeiter.

15 Stunden lang hat sich Michael Topp bisher schon der Aufgabe gewidmet, die selbst klebenden Bildchen aus Papier oder Plastik zu entfernen. Seine Tour führte ihn bisher in die Lübsche Straße, auf den Markt und in die Steinstraße. Doch noch liegt ein gutes Stück Arbeit vor ihm. "Wenn ich die Pfähle und Schilder in der ganzen Innenstadt reinige, bin ich sicherlich noch die ganze nächste Woche dabei", schätzt Michael Topp.

Uwe Tews, der Leiter des Gadebuscher Bauhofs und Arbeitgeber Topps, rechnet sogar mit noch mehr: "Das werden wohl wenigstens 50 bis 100 Arbeitsstunden sein, bis alle Aufkleber entfernt sind", sagt er. Und Zeit ist bekanntlich Geld: Die Kosten dafür muss der Bauhof tragen. Diese würden sich auf mindestens 500 Euro belaufen, schätzt Tews, zuzüglich der Kosten für die Reinigungsmittel. "Normalerweise müssen die Verursacher die Kosten tragen", sagt Uwe Tews. Derzeit sind diese jedoch noch nicht gefunden. "Aber wir haben Anzeige erstattet und die Polizei ist mit dem Fall beschäftigt," so Tews.

Michael Topp wartet die Ermittlungen nicht ab. Er schnappt sich wieder den Tritt, seinen Eimer und den Spachtel. Die restliche Steinstraße will er heute noch von den Bildchen entfernen, dann geht es in die Färberstraße. Auch hier sind Straßenschilder, Masten und Verkehrsbeschilderung beklebt.

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