Tierheim Roggendorf : Wilde Katzen nehmen Überhand

<strong>Viel Liebe und Geduld</strong> musste die gelernte Tierpflegerin Eileen Goliath haben, damit die ausgesetzten oder abgegebenen Tiere ihr vertrauen.  <fotos>Marie Boywitt (2)</fotos>
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Viel Liebe und Geduld musste die gelernte Tierpflegerin Eileen Goliath haben, damit die ausgesetzten oder abgegebenen Tiere ihr vertrauen. Marie Boywitt (2)

Es gibt immer mehr wilde Katzen in Deutschland, die entweder in Tierheimen abgegeben oder von Privatpersonen gefüttert werden. "Auch in Nordwestmecklenburg vermehren sich diese Tiere rasant", berichtet Annette Herbing.

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19. März 2013, 11:15 Uhr

Roggendorf | Es gibt immer mehr wilde Katzen in Deutschland, die entweder in Tierheimen abgegeben oder von Privatpersonen gefüttert werden. "Auch in Nordwestmecklenburg vermehren sich diese Tiere rasant", berichtet Annette Herbing, Leiterin des Tierheimes Roggendorf. Aus diesem Grund rät die Tierheimleiterin auch zur Kastration der freilaufenden Katzen. "Ein Mal im Monat kommt eine Tierärztin zu uns, um die Katzen zu kastrieren. Meistens schafft sie 25 bis 30 Tiere am Tag", erzählt Herbing. Die Kosten dafür werden vor allem durch Spenden und eine Pauschale der Ämter getragen. Noch immer rufen jeden Tag aufs Neue drei bis vier Leute an, die bei sich wilde Katzen entdeckt haben und diese ins Tierheim bringen wollen. "Die Leute müssen verstehen, dass man die wilden Katzen nicht einsperren kann. Wir können sie lediglich kastrieren lassen, damit sie sich nicht weiter fortpflanzen", sagt Herbing eindrücklich. Die Tierheime nehmen nämlich nur noch Fundtiere an, denn der ausreichende Platz für mehr Tiere sei einfach nicht mehr vorhanden. "Die Zahl der wilden Katzen nimmt einfach überhand. Unser Tierheim kastriert schon seit 2003 jedes Jahr fast 300 Katzen, die Leute müssen dringend mithelfen, dagegen etwas zu tun", erklärt Herbing.

Auch Tierärztin Inken Höhne verweist auf die Notwendigkeit, wilde Katzen kastrieren zu lassen: "Man muss sich nur mal vorstellen, dass aus einem Katzenpaar innerhalb von zehn Jahren etwa 80 Millionen Katzen entstehen können." Denn eine Katze wirft zwei Mal im Jahr vier bis sechs Junge. Diese können dann bereits nach sechs Monaten wieder werfen. Auch wenn von den Jungen lediglich drei überleben, sei dies unverantwortlich, informiert Höhne. "Deswegen rate ich den Katzenbesitzern auch ihre Haustiere kastrieren zu lassen, damit diese keine wilden Katzen belegen können", so die Tierärztin. Es sei auch nicht wahr, dass eine Katze mindestens einmal Junge geworfen haben müsse, um kastriert zu werden, berichtet Höhne. "Das geht auch gleich nach vier bis fünf Monaten."

Um weiter vorsorgen zu können, bittet Tierheimleiterin Annette Herbing die Bürger um Mithilfe. "Es ist toll, dass Leute die freilaufenden Katzen füttern, aber dann sollten diese auch dafür sorgen, dass die Katzen kastriert werden. Das können sie selbstverständlich bei uns tun", informiert Herbing. Dafür rät sie den Leuten, die Katzen erst ein wenig anzufüttern. Anschließend kann im Tierheim eine Falle abgeholt werden. Um die Tiere zu fangen, müssen die Leute zwei oder drei Tage kein Futter hinstellen. Danach sollten sie wieder eine kleine Ration für die Katzen bereitstellen, um sie anzulocken und einzufangen. Bei Härtefällen kommen aber auch Tierheimmitarbeiter, um beim Einfangen zu helfen. "Wenn alles geschafft ist, können die Leute bei uns einen Termin zur Kastration machen, damit wir vorbereitet sind. Nach dem Eingriff sollten sie die Katzen wieder mitnehmen und am Fundort aussetzen, weil das ihre bekannte Umgebung ist", erklärt Herbing.

Aber nicht nur zum Kastrieren kommt die Tierärztin ins Tierheim, sondern auch, um die Tiere zu impfen oder eben zu heilen. "Es ist Wahnsinn, wie die Tiere manchmal zugerichtet sind, die die Leute zu uns bringen", so Herbing. Der letzte grausige Fall betrifft einen Kater: Dieser wurde mit Schrotkugeln zerschossen abgegeben. 40 bis 50 Eintrittswunden habe der Kater gehabt, die zum Teil schon vereitert waren. "Das zu sehen, war wirklich grauenhaft", sagt Herbing noch immer geschockt. Die Leiterin des Tierheims bittet nun um Mithilfe, damit der Kater nach Hause kann und der Schuldige gefunden wird. Um dies alles zu schaffen, sucht das Tierheim immer wieder freiwillige Mithelfer oder Käufer für die Tiere.

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