Schlagsdorf : Wildbienen-Paradies am Schaalsee

Bald wieder im Biosphärenreservat: Die Erdhummel, eine der 330 Wildbienen-Arten in Mecklenburg-Vorpommern
Bald wieder im Biosphärenreservat: Die Erdhummel, eine der 330 Wildbienen-Arten in Mecklenburg-Vorpommern

Um dem Insektensterben entgegen zu wirken, entstehen Blühwiesen durchs Biosphärenreservat und Nisthilfen

svz.de von
07. November 2018, 09:00 Uhr

Kornblumen, Klatschmohn und andere Wildblumen werden bald rund um den Schaalsee blühen. „Das Wildbienensterben ist momentan in aller Munde“, erklärt Verena Burkhardt vom Förderverein Biosphäre Schaalsee die Idee dahinter. Förderverein, Stiftung und das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe wollen ein blühendes Band durch das Biosphärenreservat schaffen, um dem Insektensterben entgegen zu wirken und um mehr Wildbienen-Arten anzusiedeln. In MV gibt es 330 verschiedene.

Immer öfter werden ihre Lebensräume zerstört und auch ihr Nahrungsangebot reduziert sich. Denn Wildblumen gelten in der Landwirtschaft als ertragsminderndes Unkraut. Dagegen steuern die Biosphäre-Institutionen mit kostenlosem, regionalem Saatgut. Bei der Auftaktveranstaltung Anfang August waren knapp 100 Bürger und Kommunalvertreter rund um Schaalsee und Umgebung gekommen, um sich die Samen für ihre Gärten, Streuobstwiesen oder öffentliches Grün abzuholen. 30 Kilogramm Saatgut wurden für 30 000 Quadratmeter Fläche ausgegeben. Knapp 40 verschiedene mehrjährig blühende Wildblumen steckten in den Säcken.

Dazu gab es Tipps zu Aussaat und Pflege. Nachdem auf Rohboden ausgesäht wurde, muss einmal im Jahr gemäht werden, damit sich die Blumen neu aussähen können. Beikräuter müssen in Schach gehalten werden. Der Anfangsaufwand könnte abschrecken, weiß Burkhardt.

Dennoch gibt es viele Engagierte. Für das Saatgut im Frühjahr gibt es bereits eine Warteliste. Ob dieses ebenfalls kostenlos oder mit geringem Eigenanteil sein wird, ließ die Projektleiterin offen. Das hängt auch von ihrer aktuellen Spendenaktion ab.

Bis Dienstagabend 18 Uhr konnte online gespendet werden. Gesammelt wurde über die Spendenplattform der Wemag. Zu jeder Spende gab der Energieversorger zehn Euro dazu. Das sollte ein Anreiz zum Spenden sein, denn aus zehn gespendeten Euros wurden 20, sagte Ulrike Müller vom Biosphärenreservatsamt. Ihr Spendenziel von 2500 Euro hatten sie bereits Montagnachmittag erreicht. Der Stand zum Ende der Aktion: XXXXXXX

Neben dem Saatgut soll ein weiterer Teil der Spenden in Nisthilfen gehen, denn „Wildbienen finden nicht mehr genug Nistplätze“, weiß Burkhardt. Natürlich nisten sie in Sandkuhlen oder abgestorbenen Ästen. Diese werden in Holzregalen mit Totholz und Lehmblöcken imitiert. Wildbienenhotels dieser Art haben einige Schaalsee-Bewohner bereits selbst gebaut, so Burkhardt – mit regem Bienenandrang.

Nach der Frühjahrssaat soll zudem eine Karte erstellt werden, auf der alle Blühflächen und noch Fehlende eingezeichnet sind. Auch landwirtschaftliche und kommunale Flächen wie Verkehrsinseln oder Straßenränder sollen mit einbezogen werden, um ein nahtloses blühendes Band von Zarrenthin bis Schlagsdorf zu erschaffen. „Bienen brauchen die Möglichkeit, von Blüte zu Blüte zu kommen“, weiß Ulrike Müller. Daher muss die 310 Quadratkilometer große Fläche vernetzt werden. Zur Bewertung des Projekterfolges wird es zudem ein Wildbienen-Monitoring geben. Dabei wird gemessen, ob die Vielfalt der Wildbienen durch das Projekt gewachsen ist. Das ist das große Ziel. Burkhardt findet: „Jede Art, die ausstirbt, ist ein Armutszeugnis für die Menschheit, die es verschuldet.“

Katharina Golze

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