Wismar : Widerstand gegen „Spaziergang“

Gegen vermeintlichen Asylmissbrauch machen Kritiker mobil -nicht ohne selbst Gegenwind zu bekommen.
Gegen vermeintlichen Asylmissbrauch machen Kritiker mobil - nicht ohne selbst Gegenwind zu bekommen.

Pegida-nahe Bewegung hat für den 5. September eine Demo in Wismar angemeldet: Gegenveranstaltungen sind ebenfalls geplant.

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22. August 2015, 08:00 Uhr

Nun wird in Wismar tatsächlich „spaziert“. Die Initiatoren einer Facebookseite, auf der gegen Flüchtlinge und Asylbewerber gehetzt und der vermeintliche Asylmissbrauch von ihnen angeklagt wird, haben für Sonnabend, 5. September eine Demonstration in der Hansestadt angekündigt. Eine Gegendemo ist ebenfalls für diesen Tag angemeldet. Beides bestätigte der Landkreis Nordwestmecklenburg gestern auf SVZ-Nachfrage, wollte aber zu den möglichen Strecken der beiden Veranstaltungen noch nichts sagen. In der nächsten Woche werde es dazu beratende Gespräche geben, sagte Kreissprecherin Petra Rappen.

Im Internet wird seit Mitte des Jahres Stimmung gegen den angeblichen Asylmissbrauch gemacht (wir berichteten). Dafür wurde die Seite „Wismar gegen Asylmissbrauch“ online gestellt. Die Initiatoren erklärten, dass sie eine Demo anmelden, wenn 2000 Besucher der Facebookseite diese für gut befinden. Diese Grenze wurde in den vergangenen Tagen erreicht.

In der Hansestadt laufen nun parallel die Vorbereitungen für Gegenveranstaltungen. Es soll viele einzelne Veranstaltungen geben. An ausgesuchten Orten wollen sich Initiativen wie der Flüchtlingsrat, Parteien, Vereine und Verbände positionieren. Die Betreiber von „Pro Asyl Wismar“ wollen noch nicht viel von ihrer Planung preisgeben. Allerdings wolle man in Sicht- und Hörweite der Demo stehen, sagte sie gestern.

Wismar wirbt mit der Initiative „neugierig, tolerant, weltoffen“ für die Stadt. Für Bürgermeister Thomas Beyer ist die Sache klar: „Wismar ist heute die Heimat so vieler Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, gerade aktuell kommen auch viele Flüchtlinge in die Stadt. Diese Menschen sind hier willkommen, sie integrieren sich, arbeiten gerne und schließen hier Freundschaften.“

An die Adresse der Asylhetzer adressiert, sagt er: „Wismar ist eine weltoffene Stadt, daran ändert sich auch nichts, wenn ein paar Leute meinen, eine Demonstration zu veranstalten, die sich gegen diese Weltoffenheit richtet.“

Die Betreiber von „Wismar gegen Asylmissbrauch“ bekennen sich zur Nähe von Pegida. Diese Initiative „spazierte“ wochenlang durch Dresden und fürchtete eine angebliche Islamisierung des Abendlandes. Internetseiten wie die für Wismar sind auch für andere Städte in ganz Mecklenburg-Vorpommern, beispielsweise für Güstrow, Parchim und Schwerin ins Netz gestellt worden. Offiziell dulden die Betreiber keine rassistischen, diskriminierenden oder gewaltverherrlichenden Kommentare. Wie sich das mit der Hetze gegen Asylbewerber verträgt, bleibt ihr Geheimnis. Eine Diskussion ist sowieso nicht gewollt. Kritische Kommentare werden gelöscht, einzelne Personen wie Tino Schwarzock von den Grünen gleich gesperrt.

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