Gadebusch : Westmänner trotzen der Kälte

In Holzsandalen und unter einer Plane lebte es sich trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gut. Ein kleines Feuer, eine warme Suppe und heißer Kaffee machten das Leben erträglich für die Mitglieder des Indianistikclubs Gadebusch.
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In Holzsandalen und unter einer Plane lebte es sich trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gut. Ein kleines Feuer, eine warme Suppe und heißer Kaffee machten das Leben erträglich für die Mitglieder des Indianistikclubs Gadebusch. Fotos: Maik Freitag

Mitglieder des Indianistik-Historik-Clubs Gadebusch verbringen Osterwochenende an der Ellerbäk in Zelten und Holzhütten.

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03. April 2018, 05:00 Uhr

Mit dem Fell eines Bisons deckte sich Ute Tielmann in ihrem Tipi die Nacht über zu. Während draußen Temperaturen um die Null Grad Celsius herrschten, war es allerdings auch unter dem Fell nicht wirklich viel wärmer. Trotzdem wollte sich die Hobby-Indianerin dem Wetter aussetzen und beim österlichen Camp an der Gadebuscher Ellerbäk dabei sein.

„Die Indianer damals hatten auch nicht viel mehr und haben den Winter überlebt. Aber ich habe wirklich die ganze Nacht über gefroren. Aber nach vier Tagen kann ich dann ja wieder ins warme Bett“, erzählte die Kielerin. Sie ist seit Jahren begeistertes Mitglied des Indianistik-Clubs Gadebusch und setzt sich trotz aller Widrigkeiten der Kälte aus. Ganz anders sah das hingegen „Leidensgenossin“ Susanne Kreft. Auch sie hat sich seit Jahren der Indianistik verschrieben und stellt eine Irokesin dar. „Ich finde das gut. Für mich kann das gar nicht kalt genug sein. Mir macht das nichts aus“, erzählte sie.

Etwas komfortabler hingegen wohnte Town-Marshal Claus Kasten. Der 60-Jährige hatte sich eine eigene Holzhütte gebaut, die er mit einem kleinen Ofen beheizen konnte. „Ich mache das seit 18 Jahren und bin bestimmt sieben bis acht Mal im Jahr unterwegs, um meiner Leidenschaft als Marshal nachzugehen“, erzählte der Kieler. Sogar ein großes geräumiges Bett auf Holzplatten baute sich Claus Kasten. Schafsfelle sorgen für die nötige Wärme in der Nacht. Denn dann brennt der Holz nicht mehr und es wird kalt.

„Wir waren sogar Silvester hier und haben gefeiert. Das war auch eine tolle Zeit. Die Kälte ist kein Problem“, sagt er. Für ihn sei es wichtiger, sich mal wieder auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren. Dinge wie Wasser und Wärme auch schätzen zu lernen. „Das Wasser kommt hier nicht aus der Leitung, Strom nicht aus der Steckdose. Natürlich sind das tolle Errungenschaften, doch hin und wieder möchte ich mich zusammen mit Gleichgesinnten auch einmal an den Ursprung erinnern“, sagte der 60-Jährige.

Genauso sah das auch Sigrid Hammann. Die Trapperfrau stellte vor allem den Gemeinschaftssinn in den Vordergrund und freute sich auf die vielen gemeinsamen Stunden. „Gemeinsam geht alles besser. Ob es das Ostereierrollen am Ostersonntag oder das Hufeisen- und Axtwerfen seien, sie wolle diese Art des Zusammenseins nicht missen. Selbst die mitreisenden Kinder hätten viel Spaß an den Tagen. Sie vermisse allerdings die Einheimischen im alten Indianercamp. „Schade, dass keine Gadebuscher, die das hier mal aufgebaut haben, mehr mit dabei sind. Wir würden uns freuen, wieder welche aus der Stadt begrüßen zu können“, erklärte sie.

Das nächste Mal können sich Interessierte wieder im Sommer an Ort und Stelle mit der Indianistik vertraut machen. Vom 3. bis 5. August sowie im Herbst vom 3. bis 7. Oktober werden die Indianer, Trapper und ihr Marshal wieder vor Ort sein, um ihrem Hobby nachzugehen.

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