Gadebusch : Westerntanz im „Kreml“

Die Party in Gadebusch lockte rund 250 Gäste aus ganz Norddeutschland an. Fotos:  Patricia Lösche
1 von 2
Die Party in Gadebusch lockte rund 250 Gäste aus ganz Norddeutschland an. Fotos: Patricia Lösche

Mehr als 250 begeisterte Line Dancer aus Norddeutschland zog es nach Gadebusch.

svz.de von
30. März 2014, 22:30 Uhr

John Travoltas Film „Saturday Night Fever“ war der Vorreiter eines ganzen Musikfilm-Genres. Er brachte auch den im frühen 20. Jahrhundert aufgekommenen Line Dance wieder ins Bewusstsein, einen Gruppentanz, für den man keinen Partner braucht. Das ist lange her, und viele der Tanzenden waren damals noch nicht einmal geboren. Geblieben ist das Tanzfieber, Thema des 1977 gedrehten Films.

Mehr als 250 Tänzer trafen sich im Gadebuscher „Kreml“ zur 16. Line-Dance-Party. Aus Parchim, Scharbeutz, Grömitz, Hamburg, Kiel, Schwerin, Winsen an der Luhe und vielen anderen Städten kamen sie, folgten der Einladung von De Deelenstampers ut Meckelnbörg um Organisatorin Monika Mehner.

Über die Musik herrschte kein anderer als Publikumsliebling DJ Henry, der seit zehn Jahren professionell für Line Dancer auflegt. Im vergangenen Jahr wurde er dafür zum „Line Dance DJ des Jahres“ gewählt. „Auf den Tischen liegen Wunschzettel. Jede Gruppe kann sich einige Tänze wünschen, die ich dann spiele“, erklärt der DJ, selbst begeisterter Line Dancer. Als er den Puruschka Poronja ankündigt, füllt sich die Tanzfläche zum ersten Mal. Es ist im „Kreml“ der traditionelle Eröffnungstanz, da will jeder dabei sein.

Country, Rock, Pop, Funk, Folk – Line Dance ist nicht an Western-Musik gebunden, auch wenn sie einen großen Teil des Programms ausmacht. Was nicht verwunderlich ist, denn schließlich liegen die Wurzeln des Gruppentanzes in den USA. Westernsattel und Strohballen liegen darum dekorativ zu Füßen des DJ-Pultes, Cowboyhüte und Westernboots gehören für viele zum richtigen Outfit. Kurzentschlossene in Sachen Garderobe konnten Stetson, Hemd und Boots sogar noch am Eingang kaufen.

Henry Schwentke aus Wittenberge, alias DJ Henry: „Ich bin zwar Country-Fan, aber für die Tänzer lege ich alles auf.“ Rund 40 000 Tänze gibt es, jeder benannt nach dem Stück, für das er choreographiert wurde. „So viele kann sich natürlich keiner merken“, sagt der DJ, der auch Kurse gibt. „Ich habe 1200 gelernt, von denen vielleicht noch 300 abrufbar sind.“ Für viele liegt darin der Reiz des Tanzes. „Das ist nicht nur Sport für den Körper, sondern auch für den Kopf“, meint Monika Mehner, die seit 1990 dabei ist.

Während im klassischen Tanz Variationen immer gleicher Schritte zu verschiedenen Musikstücken getanzt werden, werden im Line Dance die Schrittfolgen dem Stück auf den Leib geschrieben. „Egal, auf welcher Party getanzt wird, wenn Brand New Day oder Irish Stew angekündigt wird, weiß jeder, was er zu tun hat“, erklärt Schwentke. Wer den Tanz kennt, stellt sich einfach mit in die Reihe. Country-Fan Klaus Rauchfuss aus Winsen erzählt: „Wir haben im letzten Jahr in den USA Urlaub gemacht. Bei Veranstaltungen hätten wir sofort mitmachen können.“ Die festgelegten Schrittfolgen synchronisieren die nebeneinander Tanzenden, was der Art zu tanzen den Namen gab.

Line Dance ist nicht nur ein Länder-, sondern auch Generationen übergreifendes Hobby: Vom Teenager bis zum fortgeschrittenen Rentner ist jede Altersgruppe im Saal vertreten. „Ich bin durch meine Mama dazu gekommen“, erzählt Stefanie Weschmann aus Winsen.“ Ansonsten gilt vor allem eines: „Gleichgesinnte treffen, Spaß haben, Party machen“, bringt es Mandy Förster, mit 34 Jahren die Jüngste der Gadebuscher Gruppe, auf den Punkt.



zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen