Welterbestadt Wismar : Werbung in eigener Sache

Passt so einParkhaus in den geschützten Alten Hafen von Wismar?
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Passt so einParkhaus in den geschützten Alten Hafen von Wismar?

Welterbestätten im Land wollen Öffentlichkeitsarbeit verbesser. Wismar profitiert von steigenden Gästezahlen

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05. April 2018, 05:00 Uhr

Welterbe – das klingt beeindruckend. Das klingt anspruchsvoll. Das klingt groß. Und auch vier Orte in Mecklenburg-Vorpommern dürfen sich Unesco-Welterbe nennen: die Hansestädte Wismar und Stralsund und die Buchenwälder in Jasmund und Serrahn. Ihnen kommen immaterielle Vorteile zugute und sie werden finanziell unterstützt, um ihre Einzigartigkeit zu erhalten. Aber sie unterwerfen sich auch den Ansprüchen, die ein Welterbe mit sich bringt.

Um dem gerecht zu werden, hat die Hansestadt Wismar mit Norbert Huschner einen Welterbebeauftragten. Er diskutierte gestern mit den Koordinatoren der anderen Welterbestätten im Land darüber, wie sie zukünftig noch besser zusammenarbeiten können. In regelmäßigen Abständen setzen sich die Beauftragten an einen Tisch und tauschen sich über geplante Aktivitäten aus und wie sie gemeinsam Werbung in eigener Sache machen können. „Ressourcen bündeln“ heißt das. Tenor der Veranstaltung: der Titel ist eine Auszeichnung für die Stätten, doch mit mehr Geld ließe sich vielleicht auch mehr daraus machen.

Norbert Huschner hob zunächst einmal die Vorteile für Wismar hervor. Im vergangenen Jahr ließen Touristen 105 Millionen Euro in der Stadt. Drei Millionen Tagesgäste besuchten Wismar und die Zahl der Übernachtungen versechsfachte sich. „Wir wissen zwar nicht genau, welchen Anteil das Welterbe daran genau hat, aber er ist gewaltig“, sagt Huschner. Auch die anderen Stätten schauen auf so eine positive Entwicklung.

Zudem bekam die Hansestadt Wismar aus dem Investitionsprogramm Nationale Welterbe 22 Millionen Euro. Damit wurde das stadtgeschichtliche Museum Schabellhaus saniert, auf der Georgenkirche eine Aussichtsplattform gebaut und das Welterbehaus restauriert. Doch der Titel Weltkulturerbe erzeugt auch Reibungen. Das zeigte der Bau eines Parkhauses im Alten Hafen von Wismar. Zu groß, an der falschen Stelle, passt nicht in die Umgebung, monierten Einwohner. Aber, sagt Norbert Huschner, die Touristen müssten auch irgendwo ihr Auto abstellen, wenn sie sich die Altstadt von Wismar anschauen möchten. Der Welterbebeirat der Stadt beriet über das Projekt und veränderte den Standort. Mittlerweile ist das Parkhaus kurz vor der Fertigstellung.

Für die Zukunft haben die Welterbe-Koordinatoren beschlossen, ihre Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. „Wir wollen mit dem Landesmarketing in Kontakt kommen“, formuliert Karl-Reinhard Titzck, Referatsleiter im Bildungsministerium, ein konkretes Ziel. Immer mal wieder werden Veranstaltungen der Welterbestätten vom Landesmarketing beworben. Das soll mehr werden.

Zudem soll die Deutsche Stiftung Welterbe bekannter gemacht werden. Wismar und Stralsund hatten sie vor ein paar Jahren gegründet und unterstützen damit Entwicklungsländer auf ihrem Weg, Welterbe zu werden oder diese zu erhalten. Beispielsweise finanzierte die Stiftung die Sanierung von Skulpturen in Nepal. Das Vorhaben soll ausgebaut werden und dafür sollen neben Wismar, Stralsund und seit 2016 auch Schwerin mehr Mitglieder geworben werden. „Denn wir hätten gerne mehr materiellen Hintergrund“, sagt Norbert Huschner. Ein weiteres Ziel ist die gemeinsame Präsentation der Stätte bei Veranstaltungen in Deutschland und Europa. In diesem Punkt sollen die gemeinsamen Aktivitäten abgesprochen werden. Doch aus der Runde kam auch der vorsichtige Wunsch nach mehr finanzieller Unterstützung für diese Bemühungen.

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