NWM: Häusliche Gewalt kein Einzelfall : Wenn das eigene Heim zur Hölle wird

Häusliche Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen - auch Bedrohung und psychische Gewalt sollten sofort gemeldet werden. Foto: Dpa
Häusliche Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen - auch Bedrohung und psychische Gewalt sollten sofort gemeldet werden. Foto: Dpa

Auch wenn häusliche Gewalt längst kein Tabuthema mehr ist, fürchten sich noch zahlreiche Opfer rechtzeitig notwendige Schritte einzuleiten. Oftmals leiden sie jahrelange Qualen, bevor sie sich jemandem mitteilen.

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18. Mai 2012, 06:59 Uhr

Nordwestmecklenburg | Auch wenn häusliche Gewalt eigentlich längst kein Tabuthema mehr ist, fürchten sich noch zahlreiche Opfer rechtzeitig notwendige Schritte einzuleiten. Oftmals leiden sie jahrelange Qualen, bevor sie sich jemandem mitteilen und damit endlich ihr Martyrium beenden.

Gerade erst wurde in Wismar ein Fall öffentlich, der den Beamten die komplette Bandbreite dieser Form vor Augen führte. Gegen 1 Uhr wurden sie zu einem Einsatz gerufen, bei dem der Lebensgefährte seine Frau geschlagen haben soll. Nachdem die Polizeibeamten innerhalb weniger Minuten den Einsatzort erreichten, trafen sie den Beschuldigten im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses am Friedenshof mit einem Atemalkoholwert von 2,34 Promille an. Er teilte den Beamten mit, dass es "einen Streit mit seiner Freundin gegeben hatte". Als diese dann mit stark blutender Nase die Wohnungstür öffnete, wurde ein Krankenwagen gerufen und die 25-Jährige ins Krankenhaus gebracht.

Vorher hatte die Frau bereits ausgesagt, dass der 27-jährige Mann, nachdem er bereits sehr aufgebracht in die Wohnung kam, sie mehrfach mit dem Kopf gegen die Wohnungstür gestoßen und am Hals gewürgt haben soll. Auch wenn keine Würgemale festgestellt werden konnten, wurde Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gefertigt. Zusätzlich schmiss der Täter in der Wohnung mehrere Gegenstände und trat die Badezimmertür ein. Besonders alarmierend ist hierbei, dass das in einem Nebenzimmer schlafende zweijährige Kind der Frau dabei geweckt wurde. Es konnte allerdings durch den leiblichen Vater, der das gemeinsame Sorgerecht besitzt, abgeholt werden.

Aufgrund dieses Vorfalls wurden die Interventionsstelle und das zuständige Jugendamt informiert und, aufgrund der eingetretenen Tür, ebenfalls Anzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. Dem Beschuldigten wurde durch die Beamten zusätzlich ein 14-tägiges Betretungsverbot für die Wohnung ausgesprochen. "Mit diesem Mittel können wir zusätzlich unseren Rahmen ausschöpfen", so André Falke, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit der Polizeiinspektion Wismar, der besonders die hohe Emotionalität und Aggressivität der Betroffenen bei diesen Einsätzen betont.

Dabei steht häusliche Gewalt immer wieder auf der Tagesordnung der Polizei. Mehrfach im Monat werden Beamte zu so einem Fall gerufen, so Falke, der von einer noch viel höheren Dunkelziffer ausgeht. Besonders schlimm seien dabei die Fälle, in denen Kinder anwesend sind, außerdem seien in der überwiegenden Anzahl der Fälle auch der übermäßige Umgang mit Alkohol im Spiel, so Falke. Diese beiden Merkmale wies auch der Fall in Wismar auf und das auf beiden Seiten. So gab das Opfer ebenfalls an, ein Bier und zwei "Mischen" getrunken zu haben.

Besonders kritisch wird es für die Beamten, wenn sich die Fälle mitten im Einsatz ins Gegenteil verdrehen. "Viele Opfer klammern dann am Täter, da sie nicht wissen, wie es weiter gehen soll und wir müssen dann gegen den Willen der Frauen abführen", so Falke. Oft richtet sich die Wut dann auch gegen die herbeigerufenen Beamten.

Doch geht die häusliche Gewalt nicht erst bei handgreiflichen Übergriffen los. "Jede Form der Gewalt, ob offensichtlich, psychisch oder eine Bedrohung sollte gemeldet werden" so Falke, der auch die Nachbarn auffordert Auffälligkeiten zu melden. "Die Polizei wird aktiv, denn diese Form geht jedem Beamten ans Herz", betont Falke.

Aus diesem Grund liegen auch auf allen Dienststellen Informationsbroschüren für betroffene Frauen und auch Männer aus, die umfassend informieren. "Außerdem können die Beamten vor Ort auch in einem persönlichem Gespräch beraten und den Kontakt zu Institutionen, wie Weißer Ring oder Frauen Häusern herstellen, so Falke.

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