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Gadebusch : „Weiße Pracht“ auf Straßen und Wegen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Stadt verstößt gegen Umweltschutz und ruft Landesamt auf den Plan. Städtischer Bauhof wollte mit Streusalz Unkraut bekämpfen

Gadebusch ergrünt, doch eine im Mai auf öffentlichen Straßen und Wegen unübersehbare ausgebrachte „weiße Pracht“ sorgt für Stirnrunzeln bei den Münzstädtern.

So wie bei Björn Hildebrandt. Der SVZ-Leser ist in dieser Woche im Stadtgebiet Am Prull und in der Johann-Stelling-Straße unterwegs und sieht Mitarbeiter des städtischen Bauhofes, wie sie weißes Granulat verstreuen. Kristalle, die sogar an Baumscheiben ausgebracht worden sein sollen. Sein Verdacht: Streusalz wird zur Unkrautbekämpfung eingesetzt. „Ich erinnere mich, wie bereits im vergangenen Jahr Hunde in der Bahnhofsstraße allergisch auf weißes Granulat reagierten und Vergiftungserscheinungen zeigten“, sagt der Gadebuscher am Heißen Draht der SVZ. Er ist alarmiert und schaut hin.

Statt Löwenzahn und Quecke mit Hacken und Schabern zu beseitigen, griff der Bauhof nun anscheinend erneut zum Streusalz. „Das kann nicht sein. In anderen Kommunen ist Streusalz ganzjährig verboten“, sagt Hildebrandt. Er dokumentiert die gestreuten Flächen und nimmt Proben.

Ein Blick in die städtische Satzung „zum Schutz der Bäume“ und „Straßenreinigungssatzung“ bestätigt seinen Verdacht auf ein Fehlverhalten: Demnach ist das „Ausgießen von Salzen, die unsachgemäße Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, Streusalzen und Auftaumitteln“ als „verbotene Maßnahmen“ deklariert - klare Formulierungen finden sich auch zur Wildkräuterbeseitigung an den Straßenrändern.

„Ich war am Rathaus, wollte Antworten, aber die Türen waren verschlossen“, sagt Hildebrandt. Mittlerweile ermittelt das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei. Marcus Hahn, zuständiger Sachbearbeiter in Schwerin: „Streusalz ist als Pflanzenschutzmittel nicht zugelassen. Darüber hinaus darf das Deutsche Pflanzenschutzgesetz nicht aufgeweicht werden.“

Aber genau das passierte anscheinend. Auf Weisung des Bauhofes hat sich die Stadt über ihre eigenen Richtlinien hinweggesetzt. Folglich registrierte das Landesamt die Fundstellen. Am Donnerstag nahm eine Mitarbeiter Proben vom weißen Granulat. Hinzu kommt: Der Regen in den zurückliegenden Tagen hat das Salz in die Kanalisation gespült. Folglich gelangten die Stoffe in den naturnahen Fluss Radegast, ein Naturschutz- und FFH-Schutzgebiet. Aus Sicht von Björn Hildebrandt hat „die Stadt somit von ihrer Vorbildfunktion einiges eingebüßt“.

Der Gadebuscher Bauhofchef Uwe Tews findet die öffentliche Debatte wenig erfreulich und verweist auf die Problematik Wildkräuter: „Es war ein Versuch der Lage Herr zu werden. Vor Jahren hatten wir ausreichend Personal. Heute haben wir keine Technik und Leute, um das Unkraut mechanisch auf den öffentlichen Flächen zu entfernen.“ Antworten auf die Frage, warum Streusalz die erste Wahl war, die finden sich nicht. Bürgermeister Ulrich Howest macht deutlich: „Das kommt nicht wieder vor.“

Wer und vor allem wie die mit Natursteinen gepflasterten städtischen Straßen künftig von Löwenzahn & Co frei gehalten werden, bleibt vorerst offen.

 

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erstellt am 28.Mai.2016 | 04:45 Uhr

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