Biosphärenreservat Schaalsee : Weihnachtsvogel brütet im Schnee

Ein Fichtenkreuzschnabel im Schnee.
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Ein Fichtenkreuzschnabel im Schnee.

Im Biosphärenreservat Schaalsee gibt es nur selten Beobachtungen des in ganz Deutschland verbreiteten Fichtenkreuzschnabels

svz.de von
24. Dezember 2016, 04:45 Uhr

Ich habe mir überlegt, über welches Tier man am 24. Dezember berichten könnte. Gibt es ein Tier, das wir Menschen in besonderem Maße mit Weihnachten in Verbindung bringen? Kulinarische Beziehungen scheiden natürlich aus, Gans und Karpfen kommen also nicht in Frage. Ja, es gibt ihn tatsächlich, den Weihnachtsvogel, der mit richtigem Namen Fichtenkreuzschnabel heißt.

In manchen Gegenden Deutschlands ist er so häufig, dass ihn der Volksmund mit zahlreichen Synonymen bedacht hat: Wintervogel, Weihnachtsvogel, Christvogel sind nur einige davon. Auch Tannenpapagei nennt man ihn und diesen Namen finde ich, rückblickend auf meine einzige Begegnung mit den farbenfrohen Vögeln, sehr passend. Während eines Winterurlaubes im Bayerischen Wald konnte ich einen ganzen Schwarm von Fichtenkreuzschnäbeln beobachten, die lärmend in den verschneiten Bäumen turnten und die Samen aus den Zapfen pickten.

Die Zapfen von Nadelbäumen sind der Lebensmittelpunkt des Fichtenkreuzschnabels. Wo diese reichlich wachsen, ist er zu Hause. Selbst die Brutbiologie des Vogels richtet sich nach den Zapfen. Haben diese in den Wintermonaten den optimalen Reifegrad erreicht und sind besonders nährstoffreich, erfolgt die Brut und die Jungenaufzucht. In den Nadelwäldern der europäischen Mittelgebirge und in den Alpen brütet der Fichtenkreuzschnabel deshalb bevorzugt im Dezember und Januar, was den Namen Winter- oder Weihnachtsvogel erklärt. Während der Brutzeit darf das Weibchen ihr gut isoliertes Nest nicht verlassen, denn bei teilweise zweistelligen Minustemperaturen würde das schon nach wenigen Minuten zum Verlust des Geleges führen. Es wird während dieser Zeit vom Männchen mit vorverdauter Nahrung gefüttert.

Im Biosphärenreservat Schaalsee ist der Weihnachtsvogel sehr selten, da im Norden Deutschlands natürlicherweise Laubwälder dominieren. Weil aber aus wirtschaftlichen Gründen auch dort Fichtenwälder gepflanzt worden sind, wo sie gar nicht hingehören, gibt es in besonders guten Zapfenjahren auch im Biosphärenreservat Schaalsee hin und wieder Beobachtungen des Fichtenkreuzschnabels. Im Röggeliner Wald konnte er vor einigen Jahren sogar als Brutvogel nachgewiesen werden.

An den gekreuzten Spitzen seines kräftigen Schnabels kann man ihn gut erkennen. Mit diesem Spezialwerkzeug klaubt er die Samen zwischen den Schuppen der Nadelholzzapfen heraus. Diesen sehr speziellen Schnabel hat der Vogel der Legende nach von Jesus persönlich erhalten, als Dank für seine Bemühungen, Jesus vom Kreuz zu befreien. Auch wenn der Vogel in Norddeutschland selten ist, global gesehen geht es der Art gut. Der Vogel ist in der ganzen Welt verbreitet und sein Bestand wird auf 30 bis 60 Mio. Individuen geschätzt. Auch in Deutschland gilt der Weihnachtsvogel nicht als gefährdet – und das ist doch mal eine gute Nachricht.

Das gesamte Team des Biosphärenresevatsamtes Schaalsee-Elbe wünscht allen Lesern ein schönes und friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr!


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