zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 01:55 Uhr

Rehna : Wechsel in der Familien-Tankstelle

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Nach 27 Jahren Pachtzeit geht die Total-Station von Wolfgang Hoffmann auf seinen Sohn André über

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2015 | 23:33 Uhr

„Ich glaube, in den letzten 27 Jahren bin ich nur an 100 Tagen nicht in der Tankstation gewesen“, sagt Wolfgang Hoffmann rückblickend über seine zum Teil auch gefährliche Zeit als Tankstellen-Pächter in der Rehnaer Gletzower Straße. Ab heute ist das Geschäft offiziell in den Händen seines Sohnes André. „Ich bin mit dem Tankstellen-Geschäft aufgewachsen und möchte es jetzt genauso gut weiterführen, wie mein Vater es tat“, sagt der 35- Jährige.

Nachdem Senior-Chef Hoffmann im März 1987 die Genehmigung für die Pacht der Tankstelle bekam, konnte sie als Minol-Station, als Teil des Tankstellen-Netzwerkes der DDR, am 1. August eröffnet werden. Später erwarb der gelernte Elektroinstallateur noch zusätzlich das fast 900 Quadratmeter große Grundstück und baute 1991 seine Tankstelle um. „Damit waren wir bei der Neueröffnung ein Jahr später die erste Minol-verwaltete Tankstelle in MV“, zeigt sich der 65-Jährige stolz.

Seit 1996 läuft die Marke weiter als Total-Tankstelle, doch das Tankwesen hat sich geändert. „Tankstelle bedeutet heute nicht Benzin, sondern auch Waschanlage und Backshop“, erklärt Hoffmann junior. Regelmäßig besuche er dafür Seminare, um das von der Tankgesellschaft gewünschte Konzept auch in Rehna in die Tat umzusetzen. „2010 gab es ein komplett neues Kassensystem – seit dem Tag weiß ich, dass mein Sohn in meine Fußstapfen treten wird“, so Hoffmann. Was als Aushilfe 2006 für den eigentlichen Gas-Wasser-Installateur begann, entwickelte sich bis heute mit einer Umschulung und zahlreichen Lehrgängen und Seminaren zu seinem Spezialgebiet. „Andere deutschlandweite Pächter kontaktieren mittlerweile meinen Sohn, um von ihm über das neue Kassensystem zu lernen“, erzählt Wolfgang Hoffmann stolz.

Die Option, die Tankstelle in Familienhand weiterzugeben, hielt sich Hoffmann schon bei der Unterzeichnung des Pachtvertrages 1987 offen. „Es ist geregelt, dass meine Familienmitglieder, wenn sie die Qualifikation dafür mitbringen, den Pachtvertrag übernehmen können.“ Und jetzt ist es soweit.

Wolfgang Hoffmann blickt auf eine ereignisreiche Zeit als Tankstellenpächter zurück. „Für mich ist das Schönste an diesem Beruf die Selbstständigkeit, die man hat. Zwar gibt es immer wieder Anforderungen der Mineral-Gesellschaften, aber die umzusetzen macht einfach Spaß“, freut er sich. Doch im nächsten Moment verzieht der 65-Jährige die Mundwinkel, sein Blick senkt sich. „Und dann gibt es die schlimmsten Momente, die Einbrüche “, sagt er mit gedämpfter Stimme. Das Familienoberhaupt erzählt, auf welche unglaubliche Art und Weisen bereits in seine Tankstelle eingebrochen wurde: Einmal fuhr ein Auto direkt in die Frontscheibe des Ladens oder mit Brennern wurde das Panzerglas geschmolzen. „Insgesamt 14 Einbrüche habe ich miterlebt und einmal bin ich dabei selbst verletzt worden.“ Es war 2005, schätzt er, als er Einbrecher auf frischer Tat ertappte. „Wir wohnen ja nur 200 Meter entfernt und nachts habe ich gehört, wie sich da jemand zu schaffen machte. Als ich hinrannte, wurde ich sofort mit Steinen beworfen. Dabei wurde meine Schienbein zerschmettert“, erzählt er. Doch die Täter gingen noch weiter, denn einer versuchte Wolfgang Hoffmann mit einer Schaufel zu schlagen. „Der Schlag ging daneben – zum Glück. Hätte er mich getroffen, wäre mein Brustkorb wahrscheinlich durch gewesen.“

27 Jahre hat Wolfgang Hoffmann das Tankstellen-Geschäft gelebt. Dass es in Familienhänden bleibt, freut ihn . „So hab ich vielleicht mehr Freizeit – für Ackerbau, meinem Garten, Hühner, Enten, Gänse“, meint er. Die Tankstelle und seinen Sohn wird er dennoch so oft wie möglich besuchen.

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen