Naturprojekt : Wasserpegel rund ums Regenmoor

Martin Sterna (r.) setzt die Pegel und prüft den Wasserstand. Fotos: volker Bohlmann
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Martin Sterna (r.) setzt die Pegel und prüft den Wasserstand. Fotos: volker Bohlmann

Schönwolder Moor wird renaturiert / Bodenordnungsverfahren bringen Investitionen

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16. Dezember 2014, 23:44 Uhr

Kreischende Motoren, rotierende Bohrtechnik: Mathias Haack und Martin Sterna vom weltweit operierenden finnischen Dienstleistungsunternehmen Pöyry halten mit Muskelkraft dagegen. Sie führen einen Erdbohrer rund ums Schönwolder Moor in die Tiefe. „Etwas über drei Meter kommen wir“, sagt Sterna und zieht den Bohrer mit tausenden von Jahren alten Erdschichten, Spuren der Eiszeit, Mudde, zersetztem Torf und Erdboden an die Oberfläche – ein Stück Erdgeschichte wird sichtbar.

Ein Kunststoffrohr und Verschluss verschwinden daraufhin im Bohrloch. Minuten später prüft Ranger Paul Neumann die Messstelle. Ein schriller Ton wird hörbar. „Der Sensor spricht an. Wasseranzeige bei 1,98 Meter“, notiert er. Weitere 29 Messstellen folgen. Sie liefern weitere Daten, die Aufschluss über das Wasser im Erdreich rund ums Moor und die Fließrichtung geben.

Das Setzen der Pegel ist Teil einer wissenschaftlichen Arbeit zum Erhalt und zur Renaturierung des Schönwolder Moores. Dabei gibt es klare Zielvorgaben: Keine feuchten Keller bzw. geflutete Wiesen. Darin einbezogen sind die Gemeinden Rögnitz und Krembz sowie die angrenzenden Orte und Landwirte.

Federführend im Projekt sind das Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee und die Stiftung Biosphäre Schaalsee. Sie finanzieren mit Unterstützung aus der Wirtschaft die umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen. Allein Honda stellt laut Biosphäre in diesem Jahr 60 000 Euro für Naturschutzprojekte im Unesco Biosphärenreservat Schaalsee bereit.

In Schönwolde ist das Ziel klar definiert: „Wir wollen den natürlichen Wasserpegel des Moores wieder herstellen“, sagt Projektbetreuer Sven Herzog. Das bedeutet in Zukunft einen erhöhten Regenwasserpegel im Zentrum des Moores. Der Mitarbeiter des Biosphärenamtes begleitet Maßnahmen wie das Setzen der Grundwasserpegel: „Sie befinden sich im Bereich Wodenhof, Schönwolde und Neu Steinbeck. Die dort gemessenen Werte geben Aufschluss über Veränderungen im Schichtenwasser, steigende oder fallende Grundwasserspiegel. “

Eine Beteiligung der Öffentlichkeit wird als notwendig angesehen. „Sämtlichen Maßnahmen geht eine gründliche Planung voraus. Eine Bestandskontrolle des Moores, geohydrologische Gutachten und Gespräche mit den Eigentümern und Gemeinden gehören dazu“, sagt Biosphärenmitarbeiterin Elke Dornblut. Sie wirbt für das Projekt, spricht angesichts des hohen CO2-Ausstoßes trocken gelegter Moore von einem aktiven Klimaschutzbeitrag in der Region. Bei der Klimabelastung handelt es sich regional um Folgen umfassender Landnutzung, Meliorationsmaßnahmen der Nachkriegszeit, die zu einer Entwässerung der Landschaft führten.

Dass sich die Schraube nicht gänzlich zurückdrehen lässt, dessen ist sich Sven Herzog bewusst. Folglich habe man den zentralen Moorkörper im Blick und werde dort, wo notwendig, ein Abfließen des Regenwasser verhindern. „Wir erfassen über ein Jahr die Daten, werten diese aus und entwickeln daraus unsere Maßnahmen.“ Als optimal wird ein Bodenordnungsverfahren inklusive eines Flächentausches mit Investitionen des Landes im Wegebau angesehen. Einen Antrag möchte das Biosphärenamt mit dem Amt Gadebusch und den Gemeinden vorbereiten. Weitere Gespräche sind im Januar auf der Gemeindevertretersitzung Krembz geplant.

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