zur Navigation springen

Investition in ganzow : Wasser knackt selbst härtesten Stein

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Familienunternehmen investiert 400 000 Euro in neue Maschine

Durch die Keramikplatte geht der Wasserstrahl wie das Messer durch die weiche Butter. Norbert Meylahn hat seit Kurzem eine neue Maschine in seiner Halle stehen. Eine Wasserstrahl-Schneidemaschine, deren Düse sich um fünf Achsen ( hoch, seitlich, tief , um die eigene Achse und schräg) drehen kann. Bei Meylahn Naturstein aus Ganzow können sie damit nun sehr harte Werkstoffe wie Quarzkomposit oder Keramik oder Carbon in praktische jede Form bringen. „Das ist vor allem für dünne, spröde Materialien“, sagt Norbert Meylahn. Wird beispielsweise Keramik auf herkömmlichen Maschinen mit Diamantsägeblättern bearbeitet, bricht der Werkstoff. Das kann nun nicht mehr passieren. Außerdem hinterlässt das Wasserstrahlschneiden keine Spuren wie beispielsweise das Fräsen und es entsteht keine Wärme, durch die sich der Werkstoff verformen kann.

Viele Maschinen wie seine aus Italien gibt es in der Branche nicht, sagt Meylahn. Das Verfahren funktioniert vereinfacht so: Der Wasserdruck wird auf 4200 bar erhöht. Zum Vergleich: Ein Autoreifen hat ungefähr zwei bar Druck. Dieses Wasser wird dann durch eine Düse auf die Platte geschossen. Dazu wird noch ein roter Spezialsand aus Australien gemischt. Er ähnelt dem auf Schleifpapier. „Er hat eine extrem kleine Körnung und kann nicht mehr gespalten werden“, erklärt Norbert Meylahn. Wasserdruck und Sand zerschneiden dann den Stein. Das Wasser wird hinterher wieder verwendet, der Sand muss entsorgt werden. Damit die Maschine aber überhaupt in Betrieb gehen konnte, musste Meylahn erstmal eine neue Stromleitung legen. „Sonst hätte das ganze Dorf im Dunkeln gesessen“, sagt der Chef. Rund 400 000 Euro hat die Firma investiert. „Aber es gibt keine Alternative dazu“, sagt Norbert Meylahn. Wer sich auf dem Markt behaupten will, muss investieren und sich spezialisieren. Das haben die Ganzower in den vergangenen Jahren getan. Sie produzieren vor allem für den Innenausbau. Für eines der Schiffe der Meyerwerft in Papenburg bauten sie einen Tresen für den VIP-Empfang, für die Kantine von Airbus in Hamburg die Tresen, ein Café in der Hamburger Mönckebergstraße statten sie ebenfalls aus. Aber auch Waschtische, Küchenarbeitsplatten oder Treppen fertigen sie. 300, 400 Tonnen Naturstein werden jedes Jahr verarbeitet. Die Platten kommen aus aller Herren Länder: Norwegen, Brasilien, Indien, aus dem Iran. „Das hat trotz Sanktionen schon immer gut funktioniert“, sagt Norbert Meylahn. Was nicht so gut funktioniert, ist die Suche nach einem neuen Mitarbeiter. Betonwerk-Steinmechaniker sollte er sein. Zehn Mitarbeiter sind in Ganzow schon beschäftigt, ein elfter sollte hinzukommen. „Wir haben richtig Probleme, jemanden zu finden“, sagt der Senior.

Eine anderes Problem hingegen ist geklärt: In vier Jahren will sich Norbert Meylahn aus dem Unternehmen zurückziehen. Dann übernimmt Sohn Paul die Geschäfte. Er ist heute bereits für die Produktion verantwortlich. Am 2. Juni kommt Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) bei Meylahn Naturstein in Ganzow vorbei. Er will auch mal einen Blick auf die neue Maschine werfen.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen