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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

17. Dezember 2017 | 14:55 Uhr

Groß Salitz : Wasser bedroht Existenzgrundlage

vom

Familie Gerhardus aus Groß Salitz steht das Wasser knöcheltief. Das Regenwasser der vergangenen Wochen hat sich auf ihrem Hof gesammelt. Dabei Haus und Ställe in Mitleidenschaft gezogen. Die Versicherung zahlt nicht.

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erstellt am 18.Jan.2012 | 07:13 Uhr

Groß Salitz | In ihren blauen Gummistiefeln watet Sandra Gerhardus durch Schlamm und Wasser, um die kleine Weide zu erreichen, auf der jetzt eigentlich ihre zwei Pferde stehen sollten. Doch hier steht das Wasser knöcheltief. Rinnsale laufen in Richtung Straße, hinterlassen eine Schlammwüste, wo ursprünglich einmal Rasen war. Ohne Gummistiefel kann die Hausfrau und Mutter von sechs Kindern ihren Garten nicht mehr betreten. Auch die Ställe, in denen die Tiere der Familie - zwei Pferde und vier Schweine - untergebracht sind, waren bis vor wenigen Tagen noch überflutet. "Das Wasser kommt vom Grundstück der Kirche, das über unserem liegt", sagt Sandra Gerhardus und zeigt auf ein kleines Wäldchen, in dessen Mitte ein Teich ist. "Von diesem Teich aus fließt es auf die Koppel nebenan und dann, durch das Gefälle, über unseren Hof runter zur Straße." Durch die großen Mengen Regen, die in den vergangenen Wochen fielen, hätte der kleine Teich auf dem Kirchenland das Wasser wohl nicht mehr aufnehmen können, spekuliert die Hausfrau.

Die Folge: Anfang Januar entdeckt Sandra Gerhardus, dass ihr Schweinestall komplett unter Wasser steht. Doch damit nicht genug, auch die noch unsanierte Doppelhaushälfte der Gerhardus zieht bereits Feuchtigkeit. "Wir haben starke Bedenken, dass durch das Wasser schon die Substanz angegriffen ist", sagt Michael Gerhardus und zeigt auf feuchte Wände, an denen sich schwarze Schimmelflecken ausbreiten. Risse durchziehen die Wände und auch die Böden haben sich zum Teil bereits gehoben. Geschätzter Schaden: Zirka 55 000 Euro. Doch die Versicherung der Familie zahle nicht "weil das Wasserproblem nicht von uns verursacht wurde", sagt Sandra Gerhardus.

Ihrem Mann bereitet die derzeitige Lage schlaflose Nächte. "Das haut einem richtig den Boden unter den Füssen weg - unsere Existenz steht auf dem Spiel." Und das nicht zum ersten Mal: Die achtköpfige Familie ist erst 2009 aus der Eifel nach Groß Salitz gezogen, um sich eine neue Existenz aufzubauen. In ihrer alten Heimat haben sie ihr erstes Haus bereits durch einen Brand verloren. "Wir wollen nun nicht auch noch das neue Haus durch Wasser verlieren", sagt der gelernte Koch.

Doch gegen die Unmengen an Wasser, die über ihr Land rinnen, kommen die Gerhardus nicht mehr an. In ihrer Verzweiflung haben sie sich an den Bürgermeister der Gemeinde, den Wasser- und Bodenverband und auch an den Grundstückseigentümer, die evangelische Kirche, gewandt. Ohne Erfolg. "Keiner fühlt sich zuständig", sagt Sandra Gerhardus frustriert. "Unser Grundstück säuft ab und alle sagen: ,Das ist nicht unser Problem. Aber uns hat man beigebracht: Eigentum verpflichtet."

Zunächst erklärte der Landessuperintendent des Kirchenkreises Wismar, Dr. Karl-Matthis Siegert, in einer E-Mail an Sandra Gerhardus, dass nach Auskunft des Oberkirchenrates die Kirche in dieser Angelegenheit nicht zuständig sei. Christian Meyer, Pressesprecher der mecklenburgischen Landeskirche räumte nun ein, dass es sich bei dem an das Land der Gerhardus grenzenden Wiesengrundstück, durchaus um Eigentum der örtlichen Kirche handle. Zudem bestätigte Meyer: "Generell gelten für Eigentümer bestimmte Pflichten, die allerdings bei Naturgewalten ihre Grenze haben." Der Landwirt, der das betreffende Grundstück von der Kirche gepachtet habe, hätte zudem bereits Maßnahmen ergriffen, um den derzeitigen Wasserabfluss zu verbessern.

"Wir haben natürlich Verständnis für den Ärger der betroffenen Familie", so der Sprecher der Kirche. "Unabhängig von Zuständigkeiten gab und gibt es deshalb unsererseits Gespräche unter anderem mit der für die Gemeinde Groß Salitz zuständigen Amtsverwaltung und dem Wasser- und Bodenverband." Auch ein Kontakt mit der Unteren Wasserbehörde sei vorgesehen. Nach Durchsicht der Akten sei das Wasserproblem in Groß Salitz jedoch erstmalig aufgetreten, so Meyer.

Dennoch sei die "Kirche als Eigentümer der verpachteten Fläche daran interessiert, unabhängig von dem akuten Fall, dass es künftig eine generelle Lösung für die Entwässerung im Ort Groß Salitz gibt." Auch der Bürgermeister der Gemeinde Krembz, Werner Guschewski, hat Hilfe zugesagt: "Ich habe der Familie wie auch der Kirche angeboten, dass das Wasser abgeleitet und an die Kanalisation angeschlossen werden kann." Dies jedoch sei nur eine kurzfristige Lösung und die anfallenden Kosten dafür könne die Gemeinde nicht tragen.

So lange, bis die Zuständigkeiten geklärt und langfristige Lösungen gefunden worden sind, werden Sandra und Michael Gerhardus also wohl weiterhin in Gummistiefeln über ihr Grundstück waten müssen. Das Ehepaar ist enttäuscht. Sie hätten sich eine Sofort-Hilfe von Seiten der Kirche gewünscht. Nun bliebe ihnen kein anderer Weg mehr, als diese zu verklagen, sagen sie.

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