100 Exemplare in NWM : Was tun bei einem Nandu-Fund?

Du Huhn, ich Nandu. – Ein etwas merkwürdig anmutendes Pärchen fühlte sich auf dem Hof der Familie Geßner allerdings offensichtlich recht wohl.
Du Huhn, ich Nandu. – Ein etwas merkwürdig anmutendes Pärchen fühlte sich auf dem Hof der Familie Geßner allerdings offensichtlich recht wohl.

Eine Familie aus Raddingsdorf hatte bereits mehrfach Kontakt mit den exotischen Laufvögeln.

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14. März 2015, 08:00 Uhr

Nandus sind in unserer Region schon lange keine Unbekannten mehr. Seit Jahren weiten diese wildlebenden bis zu 1,50 Meter großen und bis zu 25 Kilogramm schweren Laufvögel, die eigentlich in Südamerika zu Hause sind, ihren Lebensraum in Nordwestmecklenburg aus. Im Februar wurden einige Exemplare östlich des Schweriner Sees gesichtet. Familie Geßner aus Raddingsdorf hatte bereits mehrfach, am vergangenen Sonnabend eine allerdings auch traurige Begegnung mit einem Nandu.

Am 8. März machte die Familie wegen des herrlichen Wetters eine Radtour von Raddingsdorf über Rieps nach Schlagbrügge. Dabei entdeckten die Kinder Jannic (zehn Jahre) und Yasmin (14) am Straßenrand in einer Feldeinfahrt einen toten Nandu. „Wir kämpften uns durch die Hecke, um den großen Laufvogel mal ganz aus der Nähe zu betrachten“, berichtete Sylvia Geßner (53). „Diese Zuwanderer sind in den letzten Jahren hier ja immer wieder unterwegs und oft sieht man sie auf den Feldern oder sogar über die Straße schlendern. Ich selbst hatte schon einmal einen Fastzusammenstoß mit einem dieser riesigen Vögel. Hier hatte es tatsächlich einen erwischt, sehr schade.“

Bereits im Oktober 2011 war die Familie einer Gruppe Nandus, die zwischen Raddingsdorf und Neschow „frühstückte“, sehr nah gekommen (SVZ berichtete). Die ganz besondere Beziehung der Familie Geßner zu diesen Exoten in unseren Breitengraden allerdings begann bereits im Jahr 2009. „Damals fanden wir im Frühjahr in den Maurinewiesen bei Raddingsdorf drei verwaiste und durchnässte Nandu-Küken. Wir konnten es einfach nicht übers Herz bringen, sie sich selbst zu überlassen. Von dem Nandu-Vater, der sich um die Brut und Aufzucht des Nachwuchses kümmert, war weit und breit nichts in Sicht. Also sammelten wir die drei ein und nahmen sie mit nach Hause. Das ist nicht erlaubt, aber unseren damals noch kleinen Kindern taten die zitternden Küken so leid, dass wir unbedingt helfen wollten“, berichtet Sylvia Geßner. „Zum Glück hatten wir gerade eine Glucke mit Küken, so dass sich die drei Nandu-Küken diesem Trupp anschlossen und von den Küken alles Überlebenswichtige lernten.“

Es sah wohl schon recht merkwürdig aus, wenn die kleinen Hühnerküken mit den großen „Nandu-Geschwistern“ auf dem Hühnerhof unterwegs waren. Vor allem der Größenunterschied nahm rasant zu und es dauerte nicht lange, bis die jungen Nandus über den Zaun lugten. Ein hinzugezogener Züchter holte das Trio eines Tages schließlich ab und freute sich über den plötzlichen Zuwachs.

Wie gesagt: Legal war das es nicht, sondern sogar strafbar. Ärger blieb den tierliebenden Helfern aber glücklicherweise dennoch erspart.

Doch was ist eigentlich zu tun, wenn auch Sie einen verletzten oder aber toten Nandu finden? Frank Philipp, Koordinator der Arbeitsgruppe Nandu-Monitoring: „Da der Nandu nicht unter das Jagdrecht fällt, sind hier die Zuständigkeiten bei der jeweiligen Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. In Nordwestmecklenburg handelt es sich hierbei um das Biosphärenreservat Schaalsee sowie die Untere Naturschutzbehörde. Melden Sie den Totfund zuerst bei der jeweiligen Behörde sowie über das Kontaktformular sowie des Erfassungsformular für Nandusichtungen der Website www.nandu.de. Die toten Tiere werden geborgen und für weitere Untersuchungen konserviert.“.

Vor 13 Jahren waren sechs der flugunfähigen Großvögel einem Züchter entlaufen. Nun breiten sich die Exoten von der Grenzregion immer weiter gen Osten aus. Derzeit gibt es gut hundert Nandus in einem hundert Quadratkilometer großen Brutrevier.

Mehr Infos: Biosphärenreservat Schaalssee: 03885- 3020; Untere Naturschutzbehörde NWM: 03841- 30406635

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