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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 22:51 Uhr

Wismar : Was treiben Kapitäne im Winter?

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der Wismarer Kapitän im Ruhestand Gerhard Zamzow nutzte die kalten Monate für sein kreatives Modellbau-Hobby

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2017 | 11:50 Uhr

Das große Rahsegel mit dem leuchtenden Wismarwappen gibt es nur einmal. Und zwar im Original in Gestalt der Kogge „Wissemara“ und jetzt auch im Kleinen, in der guten Stube von Gerhard Zamzow. „Für meine Poeler Kogge hat der Saisonstart jetzt schon begonnen“, konstatiert mit einem verschmitzten Lächeln ihr Schöpfer.

Damit ist der Wismarer Kapitän im Ruhestand und passionierte Modellbauer dem großen Original Wochen voraus. Denn für die segelnde Botschafterin der Hansestadt kommt erst ab dem 25. März, dem Tag des Auftakelns, richtiges Lebens ins Schiff. Auch er ist dann an Bord präsent, als Mitglied des Koggen-Fördervereins. Zuvor wollte er der großen Schwester und deren Besatzung ein kleines Denkmal setzen. Zeit genug boten dafür die Wintermonate. Noch im halbfertigen Zustand schaute er sich mehrmals vor Ort um, verglich seine Schöpfung mit dem Original, immer im Bestreben nach bestmöglicher Detailtreue im Nachbau. Das ist ihm ganz offensichtlich während gut dreimonatiger Bauzeit gelungen. Auch wenn der Vergleich hinkt, so sei dennoch erwähnt, dass die Replik im Hafen mehr als fünf Jahre wachsen musste.

Wie jeden Winter, nutzte der gestandene Seefahrer, der 1994 seine aktive Seefahrt beendete und im kommenden Jahr die 80 ansteuert, auch diesmal die kühle Jahreszeit für eine sinnvolle Beschäftigung. So entstanden über die Jahre etliche große und kleine Schiffsmodelle. Die interessantesten zieren Regalreihen. Hinzu kamen im Laufe der Zeit etliche Buddelschiffe.

Sein Lieblingsplatz fürs Filigrane bleibt nach wie vor die vertraute Bastelecke im maritimen Traditionszimmer seiner Wohnung. Dort genießt er zur Ablenkung immer mal den direkten Blick zur Straße. Die groben Arbeiten bleiben der Kellerwerkstatt vorbehalten.

Inzwischen hält er ein neues Projekt in den Händen. „Ein Baltimore Clipper, daher das stilechte Material aus tropischem Mahagoniholz“, so die weitere Erklärung. Da sich auch diese Modell-Dimensionen in Grenzen halten, sei die Materialbeschaffung erschwinglich. Dazu zertrennt er ausgediente Zigarrenkisten erlesener Marken. Gerade eben hat er eine weitere Miniplanke am Heck des neuen Modells verleimt.

Respekt kommt beim Zuschauen auf, wie jemand, der sein Leben lang in der Seefahrt kräftig zupacken musste, mit Geschick, Feinfühligkeit und enormer Ausdauer, filigrane Arbeitsgänge ausführt. Eine über Jahre antrainierte Therapie gegen die Einsamkeit? So die Frage an ihn. Mit der Antwort zögert der sturmerprobte Seemann mit der gutmütigen Seele einen Moment und seine Augen beginnen zu glänzen: „Alleinsein möchte ich niemandem wünschen, doch es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine solche Situation sinnvoll mit Leben zu erfüllen.“ Das bedeutet für ihn, trotz Verlustes seiner lieben Frau, den Kontakt mit Freunden und Bekannten pflegen. Gerhard Zamzow hat es bisher geschafft, zumindest soweit es möglich war, manch gesundheitliches Leid nach Seemannsart abzuschütteln.

Da waren dann noch die 13 Jahre als Hafenmeister und ehrenamtlicher Segelbetreuer, die möchte er nicht missen. Als Wismarer „Seglervater“ war er für hunderte Freizeitkapitäne und deren manchmal noch recht junge Crew der hilfsbereite, gute Geist an den hansestädtischen Liegeplätzen. Oftmals ging sein Engagement dabei weit hinaus über die gebotenen Aufgaben. Insbesondere, wenn es darum ging, in Notfällen zu helfen. Im Jahr 2009 erhielt er die Bürgermedaille der Hansestadt Wismar.

 

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