zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. November 2017 | 14:11 Uhr

Gadebusch : Was der Mindestlohn wert ist

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Auch nach Erhöhung der Arbeitnehmergehälter herrschen in der Bevölkerung Uneinigkeit und Unzufriedenheit.

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Seit Januar dieses Jahres ist der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde Pflicht. Doch die meisten Betroffenen werden davon vor Monatsende noch nichts im Geldbeutel spüren. Trotzdem schlägt sich die Veränderung der Gehälter schon jetzt auf Arbeitgeber sowie -nehmer nieder.

Jens Bütow, Inhaber des Grillstübchens in Gadebusch, beispielsweise zahlt seinen Angestellten bereits seit September den Mindestlohn und ist der Meinung: „Der ist gerecht, denn man sollte von seinem Lohn leben können. Es kann nicht angehen, dass man vollzeitig beschäftigt ist und trotzdem aufstocken muss.“ Das finanzielle Wohl seiner Mitarbeiter liegt dem 50-Jährigen am Herzen, auch wenn dies für ihn negative Auswirkungen hat. Die Öffnungszeiten seines Geschäfts hätte er verkürzen müssen, da es andernfalls zu teuer geworden wäre. „Und jetzt arbeite ich noch mehr als vorher. Meinen letzten freien Tag hatte ich am 1. Januar“, klagt Bütow. „Ich sehe ein, dass Arbeit wertgeschätzt werden muss, aber nicht, wenn es auf dem Rücken der kleinen Betriebe ausgetragen wird“, so Bütow. „Ich überlege auch manchmal, ob ich mich nicht wieder irgendwo anstellen lasse.“

Auch Ingrid Pietsch sieht im Mindestlohn nicht nur Chancen. „8,50 Euro sind auf jeden Fall ein Anfang, aber da gibt es noch viel Platz nach oben. Ich finde es generell gut, dass die Tätigkeit der Arbeitnehmer mehr wertgeschätzt wird, aber gerade für kleine Betriebe könnte das auch hart werden“, so die Rentnerin.

Der 29-jährige Bastian Beier ist direkt betroffen. Der Gadebuscher arbeitet als Zeitarbeiter im Bereich Abfallentsorgung und Recycling. Von seinem Mindestlohn habe er noch nichts gesehen, der käme erst Ende des Monats. „8,50 Euro die Stunde sind auf jeden Fall schon besser als die bisherigen 7,85 Euro. Es könnte aber mehr sein“, erklärt er, „und gerade für die nicht so schönen Jobs sollte der finanzielle Anreiz eigentlich noch größer sein. Es besteht also noch großes Verbesserungspotenzial.“

Kritiker wie Udo Hirsch aus Rehna sehen im Mindestlohn nur einen Gewinn für die Politik. „Man sollte es den Unternehmern überlassen, wie viel sie zahlen können, oder nicht. Und der Arbeitnehmer verdient am Ende auch nicht mehr als vorher“, so der 62-Jährige, der im Landhandel tätig ist.

Auch Hartwig Meyer, der im März in Rente gehen wird, spricht sich offen gegen den Mindestlohn aus. „Ich sehe ihn als Zeichen der Inflation. Denn dadurch werden die Preise höher und mehr Arbeitnehmer werden entlassen. Ich bin da klar gegen eine staatliche Einmischung.“ Eine Preissteigerung ist ihm bisher vor allem beim Friseur aufgefallen. „Und die ist wahrscheinlich nur der Anfang.“ Auch bei Hartz-IV-Empfängern wird sich der Mindestlohn im Alltag niederschlagen. Denn nach und nach wird alles teurer. Zwar nicht schlagartig, dafür aber an vielen Ecken.

Welche Auswirkungen – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne – der Mindestlohn tatsächlich haben wird, muss sich erst zeigen. Auch, ob der Mindestlohn einen angemessenen Schutz vor der Niedriglohnspirale bietet, wird frühestens 2017 ausgewertet. Dann wird auch entschieden, ob der Betrag weiter erhöht wird. Die Entscheidung darüber haben allerdings die Tarifpartner in den Mindestlohn-Kommissionen zu fällen. 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen