Arbeitskampf in Gadebusch : Warnstreik verärgert Unternehmer

Lautstarker Protest für den Abschluss eines Flächentarifvertrags.
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Lautstarker Protest für den Abschluss eines Flächentarifvertrags.

Betriebsrat und IG Metall wollen bei Fertigungstechnik Nord in Gadebusch einen Flächentarifvertrag erzwingen

svz.de von
09. Februar 2018, 21:00 Uhr

Die Zeichen bei der Fertigungstechnik Nord GmbH in Gadebusch stehen auf Sturm. IG Metall und Betriebsrat wollen das Unternehmen zur Anerkennung eines Flächentarifvertrags zwingen. Um diesem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, hatte die Gewerkschaft heute zu einem zweistündigen Warnstreik vor den Werkstoren aufgerufen. Mit Trillerpfeifen, lauter Hard-Rock-Musik sowie Bockwurst und heißem Kaffee stimmten sich Arbeitnehmer und deren Vertreter für die am Montag stattfindende nächste Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber ein.

Das sind die zentralen Forderungen der Streikenden: Anerkennung des Flächentarifvertrags in der Metall- und Elektroindustrie bei gleichzeitiger Beibehaltung von zwei derzeitigen Zulagen. Dabei handelt es sich einerseits um die Beibehaltung der Zahlung eines Weihnachtsgeldes in Höhe von 60 Prozent des Monatseinkommens und andererseits um die Weiterzahlung von Nachtzuschlägen in Höhe von 25 Prozent. Das stößt der Arbeitgeberseite bitter auf. „Wenn wir uns schon tariflich binden, dann doch bitte komplett. Man kann sich doch von Arbeitnehmerseite nicht nur die Rosinen herauspicken“, sagt Steffen Timm, der geschäftsführende Werksleiter bei der Fertigungstechnik Nord.

Denn sowohl Nachtzuschläge als auch Weihnachtsgeldzahlungen liegen in dem Gadebuscher Unternehmen über den flächentariflich vereinbarten. Bei Abschluss eines Tarifvertrags fallen diese auf das niedrigere Tarifniveau zurück.

Für die Nachtzuschläge in Höhe von 25 Prozent wurde vom Betriebsratsvorsitzenden Torsten Kusch im Mai vergangenen Jahres vor dem Arbeitsgericht Schwerin sogar ein entsprechender Vergleich ausgehandelt. Interessant daran: Dieser enthält eine Klausel, wonach sich beide Parteien ohnehin darüber einig sind, dass die Regelung zur Zahlung der höheren Nachtzuschläge nur so lange gilt, bis sie durch eine tarifvertragliche Regelung ersetzt wird.

Doch das scheint die Arbeitnehmervertreter nicht zu interessieren. „In den bisherigen zwei Verhandlungsrunden war nichts weiter als Kaffee und Gelaber. So geht es nicht weiter. Entweder wir kommen am Montag voran oder wir fahren stärkere Geschütze auf“, erklärt Stefan Schad. Nach Aussage des Geschäftsführers der IG Metall Rostock-Schwerin sei die Gewerkschaft in dem Gadebuscher Werk gut organisiert und habe daher kein Problem damit, in einen wie auch immer gearteten Arbeitskampf zu gehen.

„Überzogene Forderungen sind kontraproduktiv und vernichten langfristig Arbeitsplätze. Wenn Gewerkschaft und Betriebsrat weiterhin utopische Ziele verfolgen, müssen wir die Produktion notgedrungen eben nach Polen verlagern“, warnt Steffen Timm. Bis zu sieben Millionen Euro wolle das Unternehmen bis 2019 in sichere Arbeitsplätze in der Münzstadt investieren. Im Zweifel müsse dies dann eben woanders geschehen. Steffen Timm: „Gewerkschaft und Betriebsrat sollen sich mit uns an einen Tisch setzen, um sachlich und vernünftig miteinander zu reden. Diese Diskussion gehört nicht auf die Straße.“

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