Protest : Wakenstädter fürchten Windpark

Diese Einwohner von Wakenstädt machen sich Sorgen um ihre Heimat. Sie trafen sich , um über einen möglichen Windpark bei Gadebusch zu sprechen.
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Diese Einwohner von Wakenstädt machen sich Sorgen um ihre Heimat. Sie trafen sich , um über einen möglichen Windpark bei Gadebusch zu sprechen.

Neue Studie belegt: Greifvögel gehören zu den häufigsten Opfern von Windkraftanlagen / Naturschutzbund warnt vor Bankrotterklärung

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12. November 2014, 07:30 Uhr

Nur wenige Stunden vor einer Finanzausschuss-Sitzung der Gadebuscher Stadtvertretung haben sich in Wakenstädt Einwohner des Ortes zu einer eigenen Inforunde getroffen. Sie diskutierten über Gadebuscher Windpark-Pläne und stehen einem solchen Vorhaben kritisch gegenüber. Sie hoffen heute Abend auf neue Fakten, wenn ein Planer der Naturwind GmbH Schwerin im Finanzausschuss zu Gast ist. Er will dort über Möglichkeiten der Gewinnung von erneuerbaren Energien informieren. Beginn dieser öffentlichen Ausschuss-Sitzung ist heute um 19 Uhr im Gadebuscher Rathaus.

Für zusätzlichen Diskussionsstoff könnte eine gestern veröffentlichte und vom Bundesumweltministerium finanzierte Studie des Michael-Otto-Instituts, der BioConsult SH und des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung sorgen. Demnach gehören Greifvögel weltweit zu den häufigsten Opfern von Windkraftanlagen. Vor allem Rotmilane und Seeadler seien es, die in den Rotoren verunglücken.

Der Nabu MV warnt daher davor, einen von Experten empfohlenen Mindestabstand zwischen Seeadler-Horsten und Windkraftanlagen von 3000 auf 2000 Meter in MV reduzieren zu wollen. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich dahinter der Versuch verbirgt, das planwirtschaftlich gesteckte Ziel zum Ausbau der Windenergie in Mecklenburg-Vorpommern auf mindestens ein Prozent der Landesfläche auf Kosten des Artenschutzes erreicht werden soll“, sagt Ulf Bähker vom Nabu MV. Er spricht von einer Bankrotterklärung, wenn in MV ein Entwurf mit reduzierten Mindestabständen auf den Weg gebracht würde.

Der Naturschutzbund fordert stattdessen die Landesbehörden auf, den Empfehlungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW) zu folgen, die seit 2007 in Form des „Helgoländer Papiers“ eine fundierte fachliche Grundlage zu bundesweit definierten Mindestabständen darstellen. Das Papier wurde bereits in gerichtlichen Auseinandersetzungen mehrfach als wissenschaftsbasierter Maßstab herangezogen.

Zahlreiche Wakenstädter fürchten, dass auch ein möglicher Windpark bei Gadebusch einen erheblichen Eingriff in die Natur bedeuten könnte. Darüber hinaus könne das geschäftliche und touristische Leben beeinträchtigt werden, so besorgte Einwohner.

Planer regen derzeit den Bau von acht bis neun Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 27 Megawattstunden bei Gadebusch an (SVZ berichtete). Potenzielle Investoren waren bereits bei der Agrar Aktiengesellschaft. „Uns liegen sechs Projekte vor. Wir haben uns zu keinem dieser Projekt bisher bekannt“, sagte Jörg Haase von der Agrar AG. Er möchte die Akzeptanz von Windkraftanlagen erhöhen und Ängste abbauen. „Günstigere Strompreise, Beteiligungen und Vorteile für die Stadt könnten ein Umdenken bewirken“, hofft Haase.


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