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Pilzexperte aus Rehna warnt : Vorsicht bei der Champignonsuche

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Aktuell sprießt vor allem der giftige Vertreter dieser Pilzgattung aus dem Boden und tritt dabei in Massen auf – Verwechslung droht

svz.de von
erstellt am 08.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Der Pilzsachverständige Torsten Richter hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun – regelmäßig kommen die Pilzsammler zu ihm, um den Inhalt ihrer Körbe auf Ungiftigkeit absichern zu lassen. „Dabei kommt es nicht selten vor, dass das komplette Sammelgut aus Giftchampignons besteht“, berichtet Torsten Richter, der den Pilzverein in der Klosterstadt leitet. Seine Erklärung: Das komme daher, dass die Pilzsammler denken, die guten, essbaren Wiesen- oder Anischampignons kommen in Massen vor und brauchten nur einfach so abgeerntet zu werden. Tatsächlich sei das aber in der heutigen Zeit fast nur noch beim Giftchampignon so.

Korb voller Giftchampignons.
Korb voller Giftchampignons.
 

Dabei ist der Giftchampignon, der auch den Beinamen Karbolpilz trägt, fast der einzige unter den 37 bei uns vorkommenden Egerlingsarten, der giftig ist. Nur der Perlhuhn-Champignon ist es ebenfalls, dieser ist jedoch äußerst selten. „Die Vergiftungserscheinungen, die durch den Karbol-Champignon auftreten, sind für gesunde Erwachsene im Normalfall zwar nicht tödlich, können aber zu schweren Magen- und Darmbeschwerden führen“, erklärt Torsten Richter, der als Biologielehrer an der Regionalschule Rehna tätig ist. Diese Beschwerden können seiner Aussage nach erst Tage nach dem Verzehr auftreten und würden dann oft nicht als Vergiftungserscheinung erkannt. Dabei sei eine Behandlung in jedem Fall notwendig, vor allem wenn Kinder und ältere oder durch Krankheit geschwächte Menschen davon betroffen sind. Richter erinnert sich an einen Fall vor zwei Jahren, als eine sechsköpfige Urlauberfamilie aus Schleswig-Holstein hier in der Region gesammelte Giftchampignons gegessen hatte. „Die Familie lag bereits komplett im Krankenhaus in Kiel und die Polizei kam zu mir mit Pilzresten, die von der Familie zum Glück aufgehoben wurden, damit ich ihnen sage, welche Pilze das sind“, so der Pilzkundler. Deshalb rät er allen, immer und in jedem Fall immer etwas von den gesammelten Pilzen zurückzubehalten. Vor allem dann, wenn man sich vielleicht doch nicht hundertprozentig sicher ist.

Der Weiße Anis-Champignon.
Der Weiße Anis-Champignon.

Dabei ist die Identifizierung des Giftegerlings nach Meinung des Biologielehrers relativ leicht. „Unabhängig von seiner äußeren Gestalt, denn die ist äußerst variabel, gibt es zwei Erkennungsmerkmale: Erstens verfärben sich Hut und Stiel, vor allem die Basis, wenn man daran reibt und sie aufrauht, sofort chromgelb. Das tut es zwar auch beim Anis-Champignon, doch zweitens riecht der Pilz, wie der Name schon sagt, unangenehm nach Karbol oder Tinte, besonders beim Kochen oder Braten“, erklärt der Pilzkenner. Und trotzdem gehört dieser Pilz zu denjenigen, der für die häufigsten Pilzvergiftungen sorgt.

Fatal ist in Richters Augen die Verwechslung von Champignons mit den Knollenblätterpilzen. Derzeit liegt eine Familie aus dem Raum Sternberg nach dem Genuss des Grünen Knollenblätterpilzes im Krankenhaus. „Normalerweise erkennt man diese Pilzgattung bereits an ihrem knollig verdickten Stielende. Falls aber nicht: Die Blätter an der Hut-Unterseite sind weiß. Das sind sie bei Champignons nie. Außerdem riecht auch der Knollenblätterpilz unangenehm.

Torsten Richter empfiehlt, im Zweifel immer einen Pilzsachverständigen um Rat zu fragen.

 

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