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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 13:15 Uhr

Kulturtage Dechow : Von irdischen Realitäten

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Sigrid Dettlof, Dagmar Dreke und Alexandra Neelmeyer berührten Dechow mit ihrer Real-Satire „Über Mütter“

So etwas wie Sonntagabend hatten die „Kulturtage Dechow“ schon lange nicht mehr auf der Dorfbühne: modernes Theater von der ergreifendsten Sorte. Und das in wahrhaft minimalistischer Form mit drei Schauspielerinnen in Alltagskleidung, sieben weißen Quadern als Kulisse, einem Stuhl und ein paar Kissen.

Da letztere in ihrer naturgegeben handgreiflichen Wandelbarkeit mal als himmlisches Gewölk, heimeliger Baby-Hort, Traum- oder Tränenfänger aber auch widerstandsloses Objekt von Wut und Verzweiflung herhielten, konnten Sigrid Dettlof, Dagmar Dreke und Alexandra Neelmeyer um so hemmungsloser ihren Gefühlen Ausdruck geben. Mit schier überwältigender Körpersprache, sparsamsten Musikeinspielungen jedoch um so punktgenauer treffenden Worten nach der kanadischen Erfolgsvorlage „Mom’s the world“ setzten sich die drei Vollblut-Miminnen (und Mütter) ihre Real-Satire „Über Mütter“ so anschaulich in Szene, dass sich die Dechower Zuschauer – und zwar Frauen und Männer gleichermaßen – angesprochen und mitgerissen fühlten.

Was als leichtsinnig feilschendes Gedankenspiel dreier „Engel“ auf ihrer Wolke zur „Vermehrung der Schöpfung“ begann, entwickelte sich in teilweise grotesk überzeichneten Situationen zu einem extrem verkürzten Abbild jahrzehntelanger Lebenswirklichkeit, welche das Publikum teils mit angehaltenem Atem, aber auch mit unaufhaltsamen Lachsalven nacherlebte.

Da wurden gefühlt gar keine der drastischen Alltagsprobleme des Mutter-, Kind, Teenager- aber auch Partnerseins ausgespart und manchmal auch versöhnt, wie folgende Kostprobe eines Hilferufs zeigt: „Du lebst ja nicht den ganzen Tag im Mutter-Kind-Land! Aber es würde die Eingeborenen sehr beeindrucken, wenn du dich wenigstens bemühen würdest, ihre Sprache zu lernen.“ Nachdem sich der Bogen in gut zwei Theaterstunden von den „Freuden“ der Geburt über Kita- und Schulprobleme sowohl des Nachwuchses als auch der Eltern bis hin zum Frust über sich partout abnabeln wollende Teenager spannte, blieb dem „Himmel“ bei alledem das größte Wunder am Kinderkriegen rätselhaft „dass die Menschen es trotzdem immer wieder machen. Unter überschäumendem Applaus verkündeten die drei Damen vom Lübecker „Theater Combinale“ ihren Wunsch, in der nächsten Spielzeit wieder nach Dechow zu kommen. Denn „es war ja so schön hier“.



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