neues buch : Von Huren, Henkern und Hexen

Die Fotokursschüler der Medienwerkstatt im Filmbüro MV haben sich verkleidet und gingen auf Suche nach historischen Details durch die Stadt.
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Die Fotokursschüler der Medienwerkstatt im Filmbüro MV haben sich verkleidet und gingen auf Suche nach historischen Details durch die Stadt.

In der Kreisstadt Wismar wird in Kürze ein neues Buch vorgestellt. Es handelt von Huren, Henkern und Hexen.

svz.de von
30. März 2014, 22:13 Uhr

Mit einem ungewöhnlichen Thema hat sich Wismars Stadtarchivar Dr. Nils Jörn beschäftigt. Der Historiker schreibt im zweiten Band zur Wismargeschichte aus dem Archivverein über die Wismarer Hexen, Huren und Henker.

Ein dummer Zufall ist schuld, dass Nils Jörn ausgerechnet zu diesem Thema im Archiv gestöbert und geforscht hat. Er ist vor Jahren – damals als recherchierender Gast in Wismar und im Archiv – aus Versehen in der falschen Pension abgestiegen. In Hafennähe. Er sorgte für Verwunderung, als er ein Zimmer gleich für drei Nächte wollte. Mit Frühstück. Er wunderte sich dann selbst über die Geräusche und den „Publikumsverkehr“ morgens um 2 Uhr.

Bei den Kollegen im Archiv sorgte die Geschichte für Erheiterung, bei Nils Jörn für die Erkenntnis, dass es in einer Hafenstadt auch solche Etablissements gibt. Also hat er – ganz der Historiker – zu den Huren in der Wismarer Geschichte geforscht. Und damit das Buch nicht ganz so schlüpfrig wird, auch gleich mit den Hexen und Henkern als weitere „Randgruppe“ im historischen Ständesystem für einen schmissigen Buchtitel gesorgt.

„Man kann davon ausgehen, dass die Huren zu den Ureinwohnern einer Hafenstadt gehörten. Das zieht sich durch die Geschichte. Die Frage war immer, wie reguliert man das Geschäft, ächtet man es oder versucht man es einzudämmen.“ Dass eine Ächtung in einer florierenden Hafenstadt nicht funktionieren würde, war den Stadtoberen in der Wismarer Geschichte klar. „Im 19. Jahrhundert wurden den Wismarer Huren Straßen zugewiesen – da waren die Häuser komplett an Prostituierte vermietet.“ Nah genug am Hafen aber nicht zu zentral, um negativ aufzufallen. „Die Schatterau und die Wallstraße waren das beispielsweise.“

Im Archiv finden sich oft die Bittschriften von betroffenen Damen. „Wenn man die liest, sind das die züchtigsten Blümchen, erst wenn man das mit anderen Quellen vergleicht, kriegt man raus, dass da doch was war“, schmunzelt Nils Jörn.

Vergleichsweise ruhig war es um die Hexen in Wismar bestellt. „Die Mecklenburger Hexen hatten es nicht so richtig drauf, die schafften es, dass ein Huhn mal zwei Tage kein Ei legt“, lacht Nils Jörn. Wer seinen Schreibstil kennt, weiß, dass er die historischen Fakten mit vielen aktuellen Bezügen und noch mehr Humor verknüpfen kann und trotzdem die historische Korrektheit wahrt. Er erklärt, wieso es in dieser Region zum Glück nicht zur Hexenhysterie kam: „In den schwedischen Territorien war die Hexenverfolgung verboten, wenn hier eine Frau der Hexerei beschuldigt wurde, hat das Tribunal klug gehandelt und die üble Nachrede heraus gestellt.“ Statt der Hysterie mit Verbrennungen gab es Urteile, dass die Ankläger den Mund zu halten hatten und sich entschuldigen sollten.

Über die Henker in Wismar könnte Nils Jörn mehrere Bände schreiben. Beispielsweise über den, der fast seine Hand verlor, weil er den Kopf nicht „mit einem Streich“ abbekam. „Scharfrichter war ein unehrlicher Beruf, die bringen andere Menschen für Geld um. Man nahm sie nicht als Taufpate, sie wohnten nicht am Markt.“ Dabei war die Aufgabe der Henker wichtig. Sie waren die Gesundheitspolizei einer Region, sammelten „krepiertes Vieh“ von den Straßen, leerten die Latrinen, bestatteten Selbstmörder und erschlugen herrenlose Hunde auf den Straßen.

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