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Ein Flüchtling erzählt im Grenzhus Schlagsdorf : Von Damaskus nach Schlagsdorf

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Syrer Hamza Al Jazaeri berichtet im Grenzhus von den Zuständen in seiner Heimat und seiner Flucht nach Deutschland

svz.de von
erstellt am 16.Apr.2016 | 04:45 Uhr

Im August 2015 gelang Hamza Al Jazaeri die Flucht aus Damaskus nach Europa. Heute wohnt der 31-Jährige in Schlagsdorf. Seine Frau und sein 18 Monate alter Sohn leben noch in der syrischen Hauptstadt. Versuche, die Familie legal nach Deutschland zu holen, scheiterten bisher.

Hamza Al Jazaeri stellte sich am Donnerstagabend den Fragen der Besucher im Schlagsdorfer Grenzhus. Hierhin hatten die Betreiber und der Kuhlrader Marcel van der Kooij eingeladen. Er ist Niederländer und fungierte gleichzeitig als Übersetzer, denn sowohl der Syrer als auch der Holländer sprechen perfekt Englisch. Die Neugier war groß. Der Saal des Grenzcafés war bis auf den letzten Stuhl besetzt.

„Ich möchte heute zunächst etwas weiter ausholen und mit der Vergangenheit Syriens anfangen, um meine ganz eigene Geschichte zu erzählen“, sagte Hamza Al Jazaeri, der zuvor in Damaskus Philosophie und Islam studierte. „Viele fragen sich, wie alles angefangen hat. Warum plötzlich so viele Syrer nach Europa wollen“, sagte der 31-Jährige und berichtete von elf Schülern, die 2010 an eine Wand ihrer Schule schrieben, dass sie gegen das Regime von Machthaber Assad seien. Das waren nach Meinung von Al Jazaeri auch viele andere Syrer. Assads Vater allerdings hatte nach einem Aufstand 1982 50 000 Leute erschießen lassen und so wagte es niemand mehr, sich zu erheben. Die elf Kinder wurden inhaftiert und gefoltert, ihnen die Fingernägel herausgerissen, erklärte der Flüchtling, dem bereits Asyl in Deutschland gewährt wurde. „Die Eltern forderten die Freilassung der Kinder, was aber nicht geschah. „Nach und nach haben sich mehr Leute gegen die Diktatur Assads erhoben. Doch immer wieder wurden tausende erschossen oder inhaftiert“, erklärte der Wahl-Schlagsdorfer. Er selbst sei auch auf die Straße beziehungsweise in Moscheen gegangen und haben demonstriert. Dafür wurde er am 24. Juni 2011 inhaftiert und gefoltert. 16 Tage später gehörte er zu einer 100-köpfigen Gruppe die wieder freigelassen wurde. „Man hat von 1000 Gefangenen immer 100 freigelassen und versprach sich von denen, dass sie herum erzählen, es lohne sich nicht, sich aufzulehnen. Doch Hamza Al Jazaeri machte weiter, pendelte zwischen dem von Assad besetzten Damaskus zu Orten der Widerstandskämpfer hin und her. Dann allerdings kam 2014 die Heirat und wenig später die Geburt seines Sohnes. Jetzt wurde ihm die Gefahr zu groß. „Ich musste aus Damaskus raus immer an den Kontrollpunkten vorbei. Wenn die mitbekommen hätten, wo ich war, hätten sie mich auf der Stelle erschossen. Das wollte ich meiner Familie nicht antun“, sagte der 31-Jährige.

Also wagte er trotz allem die Flucht und gelangte zunächst von Damaskus nach Beirut im benachbarten Libanon. Von dort ging es mit dem Flugzeug in die Türkei und schließlich weiter mit dem Schiff nach Griechenland. Die Balkanroute brachte ihn schließlich nach Deutschland und Schlagsdorf.

Nachdem der Asylantrag des Syriers genehmigt wurde, versuchte er seine Familie nachzuholen. Doch Versuche, diese über Dubai nach Deutschland zu holen scheiterten ebenfalls in letzter Minute. „Ich möchte trotzdem der lokalen Bevölkerung danken, für das, was sie für uns getan haben. Die Hilfe ist großartig, es wird sicher alles gut“, sagte Hamza Al Jazaeri, der noch einmal sagte, dass in Syrien etwa 23 Millionen Menschen wohnen. Fünf Millionen seien bereits in Europa, sieben Millionen warten auch jetzt noch in Syrien auf die Flucht. Ein Ende ist nicht abzusehen.

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