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Martin Burtzlaff in Gadebusch : Vom Pizzafahrer zum Stationschef

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der Amerika-Fan beantwortet heute die zehn Fragen der SVZ

svz.de von
erstellt am 23.Apr.2017 | 21:00 Uhr

Als Pizzafahrer hat er sein erstes Geld verdient. Die Rede ist von Martin Burtzlaff. Inzwischen ist der 42-Jährige Geschäftsführer der Station Burgsee in Gadebusch und beantwortet heute die zehn Fragen der SVZ.

Was würden Sie als Bürgermeister sofort ändern?
Die touristische Ausrichtung der Stadt professionalisieren und die in Hülle und Fülle vorhandenen Geschichten auf mehreren Kanälen den potenziellen Gästen zugänglich machen. Dazu gehört die Einbindung touristisch attraktiver Punkte wie zum Beispiel die Museumsanlage, das Schlachtfeld von 1712, der wiedereröffnete Historische Bahnhof, die Märchenstraße etc. in eine marktgerechte Gesamtkonzeption.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Nordwestmecklenburg?
Wenn ich den verrate, wird es der Lieblingsplatz von allen und das wäre schade. Aber Nordwestmecklenburg ist nicht ohne Grund eine der attraktivsten Urlaubsregionen in ganz Deutschland. Wir vergessen das viel zu oft und nutzen nicht das Potenzial.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als Pizzafahrer in Schwerin. Das Geld ging komplett für Tuningteile für mein damaliges Auto drauf.

Was würden Sie gerne können?
Ich würde gerne günstiger tanken können. Es ist schon sportlich, was gegenwärtig vom verdienten Geld abgeführt werden muss, da sollte man in einer sogenannten Auto-Nation mal kräftig über den Steueranteil beim Benzin nachdenken. Außerdem wäre ich gern in der Lage, alte Fahrzeuge zu erhalten.

Wer ist Ihr persönlicher Held?
Zuallererst mein Vater. Er hat sein früheres Berufsleben als technischer Offizier bei der DSR in der ehemaligen DDR verbracht und hatte sich trotz mehrfachen Aufforderns erfolgreich dagegen gewehrt, in die SED einzutreten. Ich war jedes Mal aufgeregt, wenn er von Reisen nach Hause kam und Bilder gezeigt hat oder tropisches Obst mitbrachte.

Außerdem hat mich der ehemalige Präsident Uruguays, José Mujica, während seiner Amtszeit fasziniert. Sicher waren hin und wieder einige Ansichten nicht ganz so, wie man es sich vorstellt, aber sein Verzicht auf (fast) alle Privilegien, die Politiker normaler weise bei Amtsantritt erhalten, sowie sein Verzicht auf den größten Teil seines Gehaltes sollte ein leuchtendes Beispiel für viele andere Volksvertreter sein. Mujica brauchte weder monströse Fahrzeuge noch Unmengen an Geld. So eine Einstellung hat meines Erachtens reale Politik zum Resultat und keinen unbezahlbaren Steuerirrsinn.

Auf Grund meiner sportlichen Vergangenheit ist außerdem Carlo Thränhardt nach wie vor ein großer Held für mich. Bei ihm kam es schon mal vor, dass er vor Wettkämpfen auf dem Aufwärmplatz lieber eine geraucht hat, als übermäßig viele Aufwärmübungen zu machen. Als Weltklassesportler prägte er dadurch ein bisschen das wilde Image der damaligen Hochspringer.

Welches Buch lesen Sie gerade?
„Das Kartell der Kassierer“. Das Buch handelt vom gesamtdeutschen Bankensystem und beleuchtet vor allem die Mechanismen, wie das System versucht, an unser Geld zu kommen, unerheblich ob der Normalkunde dabei mitverdient oder nicht. Meistens, so die Darstellung, verliert der Kunde. Ich persönlich beschäftige mich recht viel mit den Mechanismen der Banken und der verschiedenen Börsen und beobachte selbst, wie blauäugig teilweise mit schwerverdientem Geld umgegangen wird.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Wirklich regelmäßig schaue ich mir MareTV an.

Wen würden Sie gerne treffen?
Harald Schmidt. Als einer der wenigen hat er sich nie den Mund verbieten lassen und auch Themen kabarettistisch verarbeitet, über die man in der Öffentlichkeit sich allgemein nicht zu sprechen traute. Größten Respekt habe ich auch vor Helmut Schmidt. Wir bräuchten dringend wieder genau solche klugen Köpfe, wie er einer war, die sich nicht zu schade sind, ungeschminkte Meinungen auszusprechen.

Was war Ihr bislang größtes Abenteuer?
Ich durfte eine Zeitlang für einen meiner Arbeitgeber Bildungsarbeit im europäischen Ausland aufbauen und vertiefen. Hierfür war ich in Gesprächen mit spanischen Botschaftern und Regierungsbeamten, schwedischen Lokalpolitikern und polnischen Entscheidungsträgern. Zu sehen, dass eine Idee im Bildungssektor im europäischen Ausland nach weiten Wegen und viel Durchhaltevermögen Früchte trägt, war ein toller Moment und der schönste Lohn für wirklich viel Arbeit.

Wohin möchten Sie gerne einmal reisen?
Vor allem möchte ich die US-Bundesstaaten Maine und New Hampshire besuchen, weil die New England Region für mich das ursprüngliche Amerika ausmacht. Außerdem möchte ich mir die Wüstenstadt Petra in Jordanien anschauen. Ein Kindheitswunsch, der übrigens von den Fotos und Erzählungen meines Vaters herrührt.

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