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Nordwestmecklenburg : Vom Azubi zum Unternehmer 2015

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Frank Wobser aus Warin Unternehmer des Jahres in Nordwestmecklenburg

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 23:00 Uhr

Die Überleitung zum Unternehmer des Jahres hätte kaum besser sein können: Philipp Schulz und Maximilian Lau vom Schönberger Gymnasium musizierten auf HT-Rohren, die eigentlich für Abwasserleitungen in Gebäuden verwendet werden. 36 Stück mit einer Gesamtlänge von knapp 60 Metern hatten sie zusammengefügt, das längste Rohr drei Meter lang für den tiefsten Ton, das kürzeste 25 Zentimeter, um auf drei Oktaven zu kommen. Bei dem Rednex-Hit „Cotton Eye Joe“ klatschten die Teilnehmer am Unternehmerempfang des Landkreises Nordwestmecklenburg am Mittwochabend in der Remise von Schloss Hasenwinkel kräftig mit und erhielten am Ende ihre Zugabe. Landrätin Kerstin Weiss waren die beiden Jungs, die Schlagzeug gelernt haben, aufgefallen, als sie mit dem originellen Instrument bei einem Weihnachtskonzert auftraten.


Firma musste nie Kurzarbeit anmelden


Solche HT-Rohre, die hier zweckentfremdet zum Einsatz kamen, verbaut die Horst Jeske Sanitär- und Heizungsbau GmbH aus Warin täglich. Und zu der leitete die musikalische Einlage über, denn ihr Inhaber und Geschäftsführer Frank Wobser ist – wie gestern kurz gemeldet – Unternehmer des Jahres 2015 im Nordwestkreis. Die Landrätin machte es in ihrer Laudatio spannend, nannte den Namen erst zum Schluss. Zuvor hatte sie
Wobser, „ein bodenständiger Mecklenburger“, Leistungskraft, Innovation, Engagement und soziale Kompetenz bescheinigt, wie seinen Vorgängern bei der Ehrung. Und er besitze „eine beispielhaft ausgeprägte kaufmännische Seele“. Mit Zahlen operieren und daraus die richtigen Schlüsse ziehen, verstehe er perfekt. Wobser habe sich in dem Handwerksbetrieb für
eine Ausbildung als Industriekaufmann entschieden und dann 17 Jahre Zeit gehabt, seinem Chef und späteren Ziehvater über die Schulter zu schauen, so die Landrätin. Mit 33 sei er selbst Chef und der von 130 eigenen Arbeitnehmer sowie weiteren 40 bis 60 – je nach Auftragslage – geworden. Die meisten kämen aus dem Umkreis von 25 Kilometern. Der Firmenchef habe bisher nie Kurzarbeit anmelden müssen und die Belegschaft stets ganzjährig beschäftigen können. „Ob Gewerbe- und Industriebauten, Krankenhäuser und Pflegeheime, Schulen und Wohnhäuser – die Großbaustellen finden sich entlang der gesamten Ostseeküste, in Hamburg, Lübeck, Kiel oder Berlin. „Am liebsten hinterlässt die Firma jedoch Spuren in der eigenen Region. Das spart Kosten sowie den Mitarbeitern Kilometer und Zeit“, sagte die Landrätin. Die Handwerkerschaft Wismar schätze das Wariner Unternehmen auch als Ausbildungsbetrieb. Und als Sponsor unterstütze der sportlich-dynamische Firmenchef gern den Sportverein in der Stadt und Anker Wismar. Seine Leidenschaft gehöre dem Wurftaubenschießen.

Die Auszeichnung habe ihn „ein bisschen überrascht, vielleicht auch nicht“, sagte Wobser in seiner kurzen, erfrischenden Rede. Eigentlich hatte er an dem Tag ein Vertragsgespräch weit entfernt, „und Arbeit geht vor“, doch ihm sei „sehr nahe gelegt“ worden, zum Unternehmerempfang zu kommen. „Da habe ich was geahnt, denn ich war schon öfter bei dieser Veranstaltung“, verriet der 41-Jährige später im SVZ-Gespräch.

Sein erster Dank nach der Ehrung galt Unternehmensgründer und Ausbilder Horst Jeske. Dieser habe damals im Einstellungsgespräch zu ihm gesagt, „Schrauben zählen kannst du schon, das hast du im Betriebspraktikum bewiesen, und den Rest bringe ich dir auch noch bei“. Im dritten Lehrjahr habe er eigenständig die Buchhaltung in der Firma geführt, ein Verdienst von Lehrmeister und Hauptbuchhalter Jochen Busch, wie Wobser erklärte. Horst Jeske habe ihn in alle wichtigen unternehmerischen Belange und Entscheidungen einbezogen. Es habe sich „ein sehr persönliches und starkes Vertrauensverhältnis“ entwickelt. „Ich würde sagen, wie zwischen Vater und Sohn“. Nach leichtem Schlaganfall des Chefs und Genesung habe ihn dieser zum Prokuristen ernannt. Bei der ersten Auftragsverhandlung im Sommer 2000 sei es um acht Millionen D-Mark bei der Sanierung von 320 Wohnungen der Wobau Wismar gegangen. „Ich wurde in das kalte Wasser geschmissen und musste einfach nur schwimmen oder absaufen.“ Da sei er erst 25 Jahre alt gewesen. Die Firma habe den Auftrag erhalten. 2008 seien alle Gesellschaftsanteile durch Kaufvertrag und die Geschäftsführung auf ihn übergegangen, so Wobser. Und das „zu einmaligen Bedingungen, die es deutschlandweit wohl kaum ein zweites Mal gibt“. Heute führe er die Firma, „wie Horst Jeske es mir vorgelebt hat“. Freizeit verbringe er noch oft mit ihm.

Bedanken wolle er sich auch bei seiner Familie, die ihm den Rücken frei halte, den Angestellten, „denn jeder gute Kapitän ist nur so gut wie seine Mannschaft“, sowie beim „Freund und Rechtsanwalt, Unternehmensberater, Personaltrainer, Mentalcoach, Skilehrer, Privatkoch usw. Frank Joachim Klöckl“ aus Bibow.


Es kommen nicht genug Fachkräfte nach


Der Wariner ist seit 20 Jahren in festen Händen und hat einen 19-jährigen Sohn, der Groß- und Außenhandelskaufmann lernt. Er solle erst einmal woanders berufliche Erfahrungen sammeln. „Dann werden wir weitersehen“, so der Unternehmer des Jahres. Gedanken mache er sich aber schon jetzt, dass in naher Zukunft jährlich sechs bis acht Mitarbeiter in Rente gehen und nicht genug Fachkräfte nachkommen. Statt 20 Lehrstellenbewerber wie vor Jahren seien es jetzt etwa drei – und diese müssten die Ausbildung dann auch schaffen. In fünf, sechs Jahren könnte das Problem akut werden, rechnet Wobser.

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