Serie: naturnah : Vitaminreiches wächst immer

Zutaten für einen Grünen Smoothie gibt es schon jetzt im Garten.
Zutaten für einen Grünen Smoothie gibt es schon jetzt im Garten.

Vogelmiere und Knospen passen gut in einen Grünen Smoothie

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09. März 2019, 05:00 Uhr

„Das frühlingshafte Wetter lässt es in den Fingern kribbeln- Kleine Knospen sind schon an den Bäumen und Sträuchern zu sehen, also, rein in die Gummibotten, ran an den Spaten!“ Das schrieb gerade die Eschenhof-Vorsitzende Nicole Bowe in ihrer Rundmail. Ein kleiner Spaziergang über den Hof lässt schnell erkennen, dass überall aufgeräumt werden muss: In der Obstplantage, zwischen den Folientunneln und darin, auf den Pflanztischen und darunter. Denn wir wollen demnächst einen kleinen Biomeiler bauen, um auf ökologische Weise ein wenig Wärme für zarte Winter- und Frühlingsgemüse zu zaubern. Ich schlendere durch die Folientunnel und sehe: Dort wächst bereits erstes Frühlingsgemüse – war unsere Biogärtnerin Marie Runge schon aktiv? Gut geschützt unter einem Vlies gedeihen frostverträgliche Blattgemüse wie Spinat, Asiasalate, Postelein, Feldsalat und jede Menge Vogelmiere – wahre Teppiche entfalten sich über den Boden, ein grünes Gewoge, durchsetzt mit zarten, weißen, minifeinen Sternblüten!

Die Vogelmiere ist weltweit verbreitet und findet sich eben auch bei uns. Aufgrund der starken Vermehrung und der frühzeitigen Samenbildung – sie wächst schnell und üppig und bringt im Jahr sage und schreibe bis zu sechs Generationen hervor – wird sie häufig als lästiges Unkraut betrachtet. Nicht so bei uns auf dem Eschenhof. Das liegt vor allen Dingen an Marie, die für fast jede Pflanze noch ein Herz hat. So haben wir beizeiten auch den Umgang mit unerwünschtem Pflanzenmaterial und das respektvolle Wörtchen „Ackerbegleitkraut“ kennengelernt. Von ihr erfahren wir, dass die Vogelmiere ein Kompliment für die Bodenpflege ist. Denn die dichten, flachen und langen Ausläufer schützen den Boden im Sommer vor Austrocknung und wirken im Winter vor direkter Kälteeinwirkung allgemein erosionsmindernd. Ihr Nutzen ist also nicht zu unterschätzen.

Oft wird die Vogelmiere auch als „Tausendsassa-Kraut“ bezeichnet, da könnt ihr gerne mal unsere „Kräuterkönigin“ Astrid Schröder fragen: Seit Hildegard von Bingen wird das Kraut in der Naturheilkunde vielfältig angewandt, ist wohlschmeckend und reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Daher ein besonderer Tipp von unserer Heilpraktikerin für den grünen Smoothie! In ihrem Kräuterkurs „Keimlinge und Sprossen“ haben wir neulich unter anderem an den Bäumen die ersten zarten, nahrhaften Knospen abgeknabbert und dabei unsere eigenen Geschmacksknospen zum Erblühen gebracht. Am beeindruckendsten fand ich persönlich das Geschmackserlebnis von der Johannisbeere: Schon die Knospen schmecken intensiv nach Cassis – wer hätte das gedacht! Natürlich sollte man nicht alles wegnaschen, sonst wachsen ja im Sommer keine Beeren...

Die Saison auf dem Hof geht los. Die Eschenhof-Gärtner legen los. Und so räumen wir gemeinsam auf und räumen weg, säubern, flicken, reparieren, ölen Geräte und schneiden Äste. Klar, auch im März kann es noch bitterkalt werden, aber an milderen Tagen setzen wir die Astschere an. Denn es herrscht noch Saftruhe und Frostschäden sind jetzt eher unwahrscheinlich. Erst wenn die Pflanzen „bluten“, sind die Pflanzsäfte wieder in Wallung und das Gehölz erwacht zu neuem Leben. Auch die eingetrockneten Früchte in den Obstbäumen entfernen wir, damit sie Krankheitserregern nicht als Unterschlupf dienen.

Ja, der Frühling hat sich vor seiner Zeit mit großen Schritten genähert und der Boden ist längst aufgetaut. Da heißt es, Augen aufhalten! Denn Nacktschnecken überwintern gern im Boden und es ist die ideale Gelegenheit, sie loszuwerden. Ich stelle also meine Adleraugen scharf und fokussiere den Untergrund: Sehe ich da nicht eins von diesen gefräßigen Tierchen über den Boden krauchen?

Oje, ihr seht – die Nacktschnecke ist schnell und rennt so schnell wie die Zeit! Und es gibt noch viel vor dem offiziellen Saisonstart zu tun. Der Gang über das Gelände wird zur spannenden Frage: Sollen die Hochbeete neu aufgebaut werden? Wie sieht der Kompost aus? Was zuerst? Und zeitgleich – bevor das Gartenjahr richtig los geht – machen sich einige von uns viele Gedanken zur nächsten Ackersaison: Gibt es neue Ideen? Haben sich neue Mitglieder angemeldet? Und vor allem: Welche Gemüsekulturen und Kartoffeln wollen wir auf unserer Ackerfläche anbauen? Kräuter, Erbsen, Bohnen, Mangold, Kürbis, Salat, Spinat ... Zwiebeln, Möhren, Fenchel, Zucchini, Sellerie, Zuckerhut ... die Liste an Wünschen ist lang. Und die Vorfreude auf den Frühling reicht bis in den Sommer hinein: Wenn in den Folientunneln wieder schmackhafte Tomaten, knackige Gurken, süße Melonen und feurige Paprika stehen.

Doch zunächst verabschieden wir den Winter und holen als letzten Gruß Schwarz- und Grünkohl vom Feld und ein paar eingelagerte Möhren und Pastinaken aus der Erdmiete – sie duften immer noch!

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