Stresdorf : Vier Frauen leben ihren Traum

Gleichstellungsbeauftragte Simone Jürß (Mitte) stellt Coco Radsack, Antje Rabe, Brita Rehsöft und Gertraud Häfner (von links) vor.  Fotos: Patricia Lösche
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Gleichstellungsbeauftragte Simone Jürß (Mitte) stellt Coco Radsack, Antje Rabe, Brita Rehsöft und Gertraud Häfner (von links) vor. Fotos: Patricia Lösche

Gleichstellungsbeauftragte lud zum Pilotprojekt aufs Land

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09. März 2015, 04:00 Uhr

Heute für morgen Zeichen setzen. So lautete das Motto des internationalen Frauentages. Aus diesem Anlass lud die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nordwestmecklenburg, Simone Jürß, am Wochenende auf den Hof der Familie Radsack in Stresdorf. „Ein Pilotprojekt“, so Jürß, das angesichts des Erfolgs großes Fortsetzungs-Potenzial hat. Vier ungewöhnliche Lebensentwürfe wurden den rund 70 Besuchern vorgestellt. „Exemplarisch für alle, die gern ihren Traum verwirklichen würden, aber sich nicht trauen“, sagte Jürß.

Eröffnet wurde der Reigen der vier starken Frauen durch die klare Stimme von Brita Rehsöft. Nach dem Musikstudium in Rostock und Lübeck war sie viele Jahre Mitglied des NDR-Chores in Hamburg. Der gebürtigen Grevesmühlenerin, die heute in Lübeck und Stove bei Carlow eine Musikschule betreibt, war „schon immer“, wie sie sagt, klar, dass Musik ihre Welt ist. Von diesem Weg sei sie nicht einen Tag abgewichen, was sie noch heute als Privileg empfände. Auf ein Genre festgelegt hat sie sich dabei nie. „Meine Instrumente sind meine Stimme und die Gitarre“, sagt Brita Rehsöft, „aber ansonsten bin ich allem gegenüber offen. Musik hat so viele Facetten, bietet so viele verschiedene Möglichkeiten.“ Gern kombiniert sie Stile, lässt sich auf Klangexperimente ein und setzt im Sinne des Frauentag-Mottos heute ihr Zeichen für morgen, indem sie Jugendliche darin bestärkt, ihre Stimme zu schulen, wie drei ihrer Schülerinnen a cappella bewiesen.

Auch Coco Radsack ist sich treu geblieben. Die Hausherrin ist Goldschmiedin, nennt sich selbst Metallgestalterin. „Wir haben hier unseren Lebenstraum verwirklicht“, gesteht sie, und man sieht es der 54-jährigen an. Die glückliche Zufriedenheit und Vitalität eines authentischen Lebens sprechen aus ihr. Vor knapp 30 Jahren bezog sie mit ihrer Familie den Hof, der in den hunderten Jahren zuvor im Besitz einer einzigen Familie gewesen war. Mann, drei erwachsene Kinder, Enkelkinder, Lehrlinge, Praktikanten gehören heute zur ungewöhnlichen Hof-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft, ein ungeplant gewachsenes, eigentlich ausgestorbenes Mehrgenerationen-Modell, bei dem die Kinder in die Fußstapfen der Eltern traten.

Historisch ist auch ihre Arbeitstechnik, das Ziselieren auf einer Kittunterlage, hergestellt nach Original-Rezept. Schon vor Tausenden von Jahren haben die Ägypter ihren Schmuck genau so hergestellt. „Eine perfekte, kaum noch praktizierte Methode“, schwärmt Coco Radsack. Ihre Familie habe einen Gen-Defekt, sagt sie augenzwinkernd. „Die Goldschmiede-Tradition in meiner Familie lässt sich bis zum Dreißigjährigen Krieg zurück verfolgen.“ Noch heute arbeitet sie mit dem Werkzeug ihres Großvaters.

Ganz so gerade war der Weg der in Halle geborenen Antje Rabe nicht. Erst nach ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester begann sie mit Ende 20 ihre Töpferlehre und entdeckte ihre Leidenschaft für Objekte aus Ton, die heute ihr Lebensmittelpunkt sind. „Sie reflektieren meine Einstellung und meine Umwelt.“ Rabe hat sich der alten japanischen Raku-Brennweise verschrieben. „Sie ist mobiler und flexibler als die herkömmliche Holz-Brennweise.“ Der extrem schamotthaltige Ton prägt die raue, lavaähnliche Oberfläche ihrer Objekte, die ihre schwarze Farbe durch das Abräuchern in Sägespäne erhalten. Oft werden sie ergänzt durch die Einarbeitung von geschmiedetem Metall. Im Kontrast zur rauen Oberfläche steht die klare, schlichte Linienführung. „Bis zu einem dreiviertel Jahr vergeht zwischen Idee und Fertigstellung“, verrät die Keramik-Künstlerin.

Vierte im Bunde war die schwäbische, heute in Selmsdorf lebende Puppenspielerin Gertraud Häfner. „Ich war todunglücklich, als ich mit der Pubertät aufhören musste, zu spielen“, erzählt sie. Über den Umweg der Heilpädagogik entdeckte sie später ihr Puppenspiel wieder, arbeitete lange im Lübecker Puppentheater, bis sie sich mit ihrem „Theater Zaunkönig“ selbständig machte.

Mit Themen wie Zivilcourage, Toleranz, Mut und Angst ist sie der Heilpädagogik allerdings bis zu einem gewissen Grad treu geblieben.

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