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Zwischen Rehna und Lützow : Viele Schulen nicht barrierefrei

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Integrativer Unterricht für körperbehinderte Schüler an vielen Bildungseinrichtungen der Region kaum möglich

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Die Regionalschulen in Gadebusch, Rehna, Lützow, Mühlen Eichsen und Schlagsdorf können von einer barrierefreien Einrichtung nur träumen: „Wir sind eine sportliche Schule, bei uns erklimmen Schüler und Lehrer vorne und hinten die vorhandenen Treppen“, scherzt Schulleiterin Sybille Schläger aus Mühlen Eichsen. Die Schule sei bisher nur einmal teilsaniert worden, zu mehr sei die Gemeinde als Schulträger bisher finanziell nicht in der Lage gewesen. Allerdings bestünde bisher auch kein Bedarf in dieser Richtung, so die Schulleiterin.

Ein bisschen neidisch blickt sie in das nicht weit entfernte Bad Kleinen. Die Regionale Schule dort erhält dieses Jahr eine notwendige Brandschutzsanierung. Im Zuge dessen wird auch ein Fahrstuhl an der Außenfassade angebracht, um körperbehinderten Kindern, insbesondere Rollstuhlfahrern, den Schulbesuch hier zu ermöglichen. Kosten der Baumaßnahme insgesamt: 2,1 Millionen Euro, wovon 1,3 Millionen durch das Land gefördert werden. „Ich denke, dass wir mit dem Anbau des Fahrstuhls dann ein Alleinstellungsmerkmal im Hinblick auf die Regionalen Schulen in der Umgebung haben“, ist sich Bürgermeister Joachim Wölm (Die Linke) sicher. Gerade im Ringen um Schülerzahlen sei das ein weiterer Pluspunkt.

Damit können auch die Schulen in Lützow und Schlagsdorf nicht dienen. „Wir haben einen Schüler in der Grundschule, der sich mit Gehstützen fortbewegt. Da haben wir das so gelöst, dass er nur im Erdgeschoss unterrichtet wird“, erklärt Lützows Schulleiterin Kristin Kalkhorst. Ihre Kollegin in Schlagsdorf, Marion Rohde, hat derzeit zwar keinen Bedarf, trotzdem baut die Schule zumindest schon personell vor: „Baulich haben wir aktuell schlechte Voraussetzungen für körperlich behinderte Kinder. Aber wir haben derzeit vier Kollegen in Weiterbildung zu Inklusionslehrern“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin. Das Schulgebäude sei 2010 lediglich energetisch saniert worden.

Etwas besser sieht es diesbezüglich in Rehna aus. „Das Thema barrierefreie Schule war zwar bei der Sanierung vor zehn Jahren noch kein Thema und auch der Inklusionsunterricht nicht absehbar, aber wir haben zumindest die Voraussetzung, so einen Fahrstuhl anbauen zu können, wenn denn der Bedarf besteht“, erklärt Schulleiter Thomas Barsch. Bei der Grundschule sei dies aber nicht möglich.

Gleiches auch bei der Heinrich-Heine-Schule in Gadebusch. „Wir sind keine barrierefreie Schule und wir haben derzeit auch nicht den Bedarf dafür. Grundsätzlich wären solche Umbauten hier aber möglich. Nur nicht so einfach am Gebäude der Grundschule, denn das steht unter Denkmalschutz“, erklärt Schulleiterin Iris Lehmann.

Hinter vorgehaltener Hand war von einigen zu hören, dass solche Kinder generell wohl doch eher in der Körperbehindertenschule Schwerin aufgehoben seien. Dort hätten sie alle Voraussetzungen.

Das sieht Jutta Stüber, Vorsitzende vom Behindertenverein Gadebusch e.V. etwas anders. „Öffentliche Einrichtungen sollten generell barrierefrei sein, also auch Schulen“, so die Interessenvertreterin. In diesem Zusammenhang verweist sie auf die Gadebuscher Kita am Burgsee als gutes Beispiel für Barrierefreiheit.

Im Gymnasium Gadebusch ist das ebenfalls der Fall. Hier wurde schon beim Bau des Gebäudes an entsprechende Einrichtungen gedacht. „Wir haben zwar aktuell keinen Rollstuhlfahrer. Aber wir haben einen Fahrstuhl. Dieser wird auch benutzt, wenn jemand ein Gipsbein hat, was öfter mal vorkommt“, sagt Heiko Helms, stellvertretender Schulleiter. Auch eine behindertengerechte Toilette befinde sich im Haus. Somit ist allein diese Schule in der Region barrierefrei.

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