Wismar : Verwaltungsbau verschlingt Millionen

<fettakgl>Um eine Lösung </fettakgl> bemüht:  Kreistagsmitglied Martina Tegtmeier. <foto>Michael Schmidt</foto>
Um eine Lösung bemüht: Kreistagsmitglied Martina Tegtmeier. Michael Schmidt

Die Kreisgebietsreform wird für den Landkreis Nordwestmecklenburg ein kostspieliges Unterfangen. So rechnet die Verwaltung mit Investitionskosten in Höhe von acht Millionen Euro für den Verwaltungs-Anbau in Wismar.

svz.de von
01. Juni 2012, 06:37 Uhr

Grevesmühlen/Wismar | Die Kreisgebietsreform wird für den Landkreis Nordwestmecklenburg ein kostspieliges Unterfangen. So rechnet die Verwaltung mit Investitionskosten in Höhe von acht Millionen Euro, um am Kreissitz Wismar einen zweigeschossigen Anbau für 100 Arbeitsplätze zu schaffen. Erste Kritik an diesen Plänen kommt von Mitgliedern des Ausschusses für Bau und Liegenschaften. So erklärte der Sachkundige Einwohner Dietmar Hocke in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung: "Wir sehen weiteren Klärungsbedarf, ob wirklich ein Neubau für 100 Mitarbeiter nötig ist. Es gibt noch kein bestätigtes Personalkonzept", sagte Hocke.

Pro Arbeitsplatz kalkuliert der Landkreis derzeit mit Baukosten von etwa 50 000 bis 70 000 Euro. Das sei mittlerer Standard, betonte Kreis-Fachdienstleiter Burghard Bohm. "Das wären bei 100 Mitarbeitern dann also bis zu sieben Millionen Euro", so Bohm. Nach seinen Angaben ist eine Baugrunduntersuchung am Standort Rostocker Straße in Wismar bereits abgeschlossen. Ergebnis: Das Areal sei bebaubar, Pfahlgründung sei möglich und für Wismar nichts Ungewöhnliches.

Die Planungen für den Verwaltungs-Anbau sollen im Sommer 2013 beginnen. "Anfangen zu bauen wollen wir erst 2015. Wir haben uns extra viel Zeit gelassen für die Planungsphase", sagte Bohm. Eine Kostenkontrolle durch Kreistagsausschüsse sei jederzeit gegeben.

Steuerzahler und Kommunalpolitiker dürften mit Argusaugen auf den geplanten Neubau eines Verwaltungsgebäudes in Wismar schauen. Denn eine mögliche Kreditfinanzierung der Sanierungs- bzw. Anbaukosten in Wismar ist kreisumlagefähig. Mit anderen Worten: Städte und Gemeinden säßen mit im Boot der Geldgeber. Was Kommunalpolitiker noch mehr ärgern dürfte: Mit dem Industriedenkmal Malzfabrik in Grevesmühlen besitzt der Landkreis Nordwestmecklenburg einen Verwaltungsbau, der seines gleichen sucht und der nach wie vor mit Krediten belastet ist. Diese sind nach Angaben des Kreises erst am 1. Januar 2024 abbezahlt. Der Landkreis hatte zuvor etwa zehn Millionen Euro in das Gebäude investiert. Weitere fünf Millionen Euro kostete einst der Kauf der Malzfabrik.

Die Kreisverwaltung will die Malzfabrik auch daher als Verwaltungsstandort erhalten und voll auslasten. Für etwa 300 Mitarbeiter der Kreisverwaltung seien dort optimale Arbeitsbedingungen vorhanden, argumentiert der Kreis. Zoff gibt es dennoch. So fordern Wismarer Sozialdemokraten, dass der Großteil der Verwaltungsmitarbeiter künftig in der Kreisstadt Wismar ihre Aufgaben wahrnehmen soll. Damit gehen sie auf Konfrontationskurs zu SPD-Landrätin Birgit Hesse. Denn für sie ist das keine Option. "Wir müssen zwar den Kreissitz Wismar mit Leben erfüllen aber auch den Verwaltungsstandort Grevesmühlen auslasten", stellte Kreis-Sprecherin Petra Rappen klar. Sie erteilte der Wismarer Forderung damit eine Absage. Ungeachtet dessen werden Landrätin Hesse, Kreistagspräsident Christian Albeck sowie ein Teil der Kernverwaltung Ende des Jahres in das Wismarer Katasteramt ziehen. Für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes sind in diesem Jahr Kosten in Höhe von 800 000 Euro veranschlagt. Das Land stellt insgesamt zwei Millionen Euro für den Kreissitz Wismar zur Verfügung.

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