Abschied aus Gadebusch : Vertretungspastor freut sich auf neue Gemeinden

„Kleinvieh macht auch Mist“, meint Pastor Dr. Hartwig Kiesow und präsentiert allen Besuchern des Kirchenbüros das Sparschwein zur Förderung der Orgel-Restaurierung...
„Kleinvieh macht auch Mist“, meint Pastor Dr. Hartwig Kiesow und präsentiert allen Besuchern des Kirchenbüros das Sparschwein zur Förderung der Orgel-Restaurierung...

Dr. Hartwig Kiesow war Vertretungspastor in Gadebusch und beantwortet heute die zehn Fragen der SVZ

svz.de von
12. Februar 2018, 21:00 Uhr

Gut ein Jahr war Dr. Hartwig Kiesow als Vertretungspastor und Kurator des Pfarrsprengels Gadebusch-Roggendof und Groß Salitz tätig. Nach seinem Abschied beantwortet er heute die zehn Fragen der SVZ.

Was hat Sie in Ihrer Zeit in Gadebusch besonders beeindruckt?
Ich denke gern an viele gute und tiefe menschliche Begegnungen. Die Menschen sind für mich immer das Wichtigste. Ein echter Höhepunktwar der gemeinsame Gottesdienst zum 500. Reformationsjubiläum, wo Christen aus Schweden und von hier mitwirkten.

Wo ist Ihr Lieblingsort in Nordwestmecklenburg?
Ich habe zwei Lieblingsorte. Der eine ist meine Badestelle im Dutzower See. Die verrate ich aber nicht der Zeitung, sonst müsste ich mir doch noch eine Badehose kaufen. Der andere ist die Landbasilika und der Friedhof in Groß Salitz.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als Hilfspfleger in den Sommerferien auf dem Michaelshof in Rostock, einer diakonischen Einrichtung für Menschen mit geistigem Förderbedarf.

Wofür haben Sie das Geld ausgegeben?
Für eine Tramptour mit fünf Freunden nach Tschechien. Ich war damals erst 15 Jahre alt und die Elternhäuser waren von dieser Idee nicht begeistert. Aber ich konnte die Erlaubnis zu Hause erkämpfen. Natürlich endete die Tour so, wie es unsere Eltern befürchtet hatten: mit einem Fiasko. Der einzig volljährige aus dieser Gruppe war schon einmal dort in Böhmen gewesen. Er wollte uns eine Stelle im Böhmischen Wald zeigen, wo man nach Österreich schauen konnte. Mehr nicht. Abhauen wollten wir wirklich nicht. Nur eine Sehnsucht stillen. Dabei gerieten wir in das Grenzgebiet, wurden verhaftet und eine Nacht lang vom Geheimdienst verhört. Schließlich zu unerwünschten Personen in der damaligen CSSR erklärt, mussten wir innerhalb von 36 Stunden das Land verlassen. Und unsere Eltern waren in ihrer Prophezeiung bestätigt. Ich durfte ein Jahr lang nicht mehr allein in den „Ostblock“ reisen.

Was würden Sie gerne können?
Immer damit zufrieden sein, dass ich vieles nicht kann.

Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges gemacht?
Ich habe einen Witz erzählt, in dem wir Pastoren nicht gut wegkommen ...

Welchen Musiker würden Sie gerne einmal live erleben?
Diejenigen, die ich besonders gern mag, sind entweder schon verstorben oder im Seniorenalter, wo sich natürliche Grenzen zeigen. Ansonsten liebe ich Vokalmusik von Heinrich Schütz. Ich vermute, dass die himmlischen Chöre der Engel sie singen. Eine schöne Aussicht, finde ich.

Haben Sie besondere Pläne für die Zukunft?
Ich freue mich auf die neuen Gemeinden und Menschen, für die ich arbeiten darf. Ich habe ja die sehr interessante Pfarrstelle eines Wanderpredigers, wie ich es immer gern nenne „pastoraler Notdienst“. Und ich werde dafür sogar bezahlt, habe eine eigene Wohnung. Die evangelischen Wanderprediger in der Reformationszeit waren schlechter dran.

Welches Buch lesen Sie gerade?
„Karte der Wildnis“ von Robert Macfarlane.

Wohin verreisen Sie am liebsten?
Ich mag es, neue Gegenden und Länder kennen zu lernen und verändere die Ziele. Eine Pilgerweisheit lautet, niemals denselben Weg zurück zu gehen. Sehr gern war ich auf den Spuren meines großen Vorbildes St. Columba auf einer Fahrradtour allein von Irland nach Schottland über Wochen unterwegs. Das keltische Christentum fasziniert mich. Auf die Äußeren Hebriden will ich aber noch ein zweites Mal.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen