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Schulsporthalle in Gadebusch : Versiffte Duschen und Risse im Beton

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Sporthallendrama in Gadebusch nimmt kein Ende. Eltern üben Druck auf Land aus

von
erstellt am 11.Feb.2017 | 04:45 Uhr

Wer Duschen mit Entspannung verbindet, der liegt für gewöhnlich richtig. Der Besuch der Sanitärtrakte in der Sporthalle in der Heinrich-Heine-Schule Gadebusch erinnert dagegen an Szenen bekannter Horrorklassiker wie „Saw“. Mag sein, dass dies ein wenig zugespitzt erscheint. Zumindest lässt die Gadebuscher Kulisse Vergleiche für derartiges Genre beinah perfekt und ebenso menschenunwürdig erscheinen. Feuchte Luft, Schimmelansätze, defekte Abwasserkanäle, der Duft von Urinstein werfen jedenfalls reichlich Fragen auf. „Sieht so das Kinderland Mecklenburg-Vorpommern aus?“, fragt sich der Gadebuscher Bürgermeister Ulrich Howest in Anspielung auf die von SPD-Landesvater Erwin Sellering ausgerufene Regierungs-Maxime für MV.

Seit 2013 bemüht sich Gadebusch um eine Sanierung bzw. einen Ersatzbau für die in den 1980er-Jahren erbaute Halle. Doch vergeblich: Die knappe Haushaltslage der Stadt lässt das nicht zu. Defekte Fenster, veraltete Nachtspeicheröfen, teils undichte Dachflächen und Betonsäulen, die starke Risse vom Erdboden bis unter das Dach aufweisen, verdeutlichen die Misere. „Eine Sanierung macht hier keinen Sinn. 100 000 Euro und mehr wären zum Fenster rausgeschmissen“, sagt Howest.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung in Gadebusch teilt diese Ansicht. Bauamtsleiterin Rommy Elßner: „Die Sporthalle fliegt uns um die Ohren.“ Spätestens dann, wenn die Förderrichtlinien des Landes nicht zügig an die real existierenden Gegebenheiten angepasst werden. Grund: Während das Land die Errichtung von Schulgebäuden entsprechend fördert, fallen Sporthallen unter den Sportstättenbau mit geringerer Stützung. „Wie sollen wir als Stadt die Pflichtaufgabe Schulsport meistern?“, so Howest. Darüber hinaus habe das Bildungsministerium die Intensivierung des Schulsports gefordert. Das stehe im Widerspruch.

Dem Antrag auf Förderung eines Ersatzbaus vom 16. Januar folgte ein Brief des Schulelternrates. Dieser ist an zehn Landesstellen – vom Finanzministerium bis zum Landkreis Nordwestmecklenburg – gerichtet und listet sämtliche Missstände auf. Bezug nehmend auf den langwierigen und nicht im Sinne der Kinder geführten Prozess schreibt Schulelternratsvorsitzende Nicole Kunz: „Ich denke sogar, dass eine Gesundheitsgefährdung billigend in Kauf genommen wird.“ Sport, Spaß und Freude als soziale Beziehung gebe es hier nicht mehr. Ihre Forderung gegenüber Land, Kreis und Stadt: „Wir bestehen auf ein Treffen vor Ort.“

Deutliche Worte, die man gerne von den Landespolitikern hören möchte. 2016 interessierten sich Martina Tegtmeier (SPD) und Dietrich Mohnstadt (CDU) für die Problematik. Außer Hinweise auf die ohnehin kompliziert gestrickten Förderrichtlinien passierte nichts. Nun hat Simone Oldenburg (Linkspartei) das Sporthallendrama als kleine Anfrage im Landtag thematisiert: „Ich möchte Auskunft über Fördermöglichkeiten und die Gründe für die aktuelle Förderpraxis erhalten.“ Es sei doch klar, dass mehr Geld in den Bildungssektor gehöre.

An Geld, so Howest, dürfte es nach Aussagen des Landes nicht mangeln: „Die Überschüsse belaufen sich auf 253 Millionen Euro, abzüglich 190 Millionen Euro Schuldentilgung blieben 60 Millionen für Fraktionsvorschläge. Warum nicht vier Millionen Euro für eine Sporthalle in Gadebusch?“

Statt dessen vertiefen sich die Risse im Gadebuscher Beton. Die Zeit drängt und die Geduld der Eltern ist begrenzt. Zum Wohle der Kinder erwarten sie vom Land „eine aussagekräftige Rückantwort bis zum 20. Februar 2017.“  

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