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Gadebusch : Verschuldete Gemeinden: Kommt die Pferdesteuer?

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ex-Landtagsabgeordneter Hermann Bollinger will Pferdefreunde in den Kommunen zur Kasse bitten

von
erstellt am 15.Okt.2014 | 00:03 Uhr

Die zunehmende Verschuldung von Kommunen lässt den Ruf nach neuen Steuern und Einnahmen lauter werden. Dabei prescht der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Hermann Bollinger aus Raddingsdorf voran und fordert die Einführung einer Pferdesteuer. Seinen Vorstoß begründet Bollinger mit diesen Worten: „Es ist Luxus, heute noch ein Pferd zu halten. Sie werden nur noch zum Spaß benötigt“, sagte Bollinger am „heißen Draht“ der Gadebusch-Rehnaer Zeitung. Gegenwind von Pferdehofbetreibern, Reitvereinen und Züchtern nimmt Bollinger mit seiner provokanten Forderung dabei in Kauf.

Als einen verfrühten Aprilscherz stuft Karl-Heinz Gabriel vom Pferdesportverein Boltenhagen die Forderung Bollingers ein. „Der Herr sollte sich mal kundig machen, wie viele Arbeitsplätze es auf Reiterhöfen gibt. Sie stellen einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor dar“, sagt der Vereinsvorsitzende Garbriel. Er hegt zudem Zweifel daran, dass eine Pferdesteuer zu wesentlich mehr Einnahmen in Kommunen führen könnte.

Der Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht lehnt eine derartige Steuer ebenfalls strikt ab und verweist auf eine entsprechende Petition. Dabei leisteten bundesweit mehr als eine halbe Million Pferdefreunde ihre Unterschrift, um gegen eine solche Steuer zu protestieren. Sie weisen u. a. darauf hin, dass der weitaus größte Teil der Pferde für gemeinnützige Zwecke der Vereinsarbeit eingesetzt werde – beispielsweise als Therapie-, Schul- und Voltigierpferde. Gemeinnützige Reitvereine und Reiterhöfe könnten eine Pferdesteuer in Kommunen daher als Affront auffassen.

Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest steht einer Pferdesteuer ebenfalls skeptisch gegenüber. „Wer eine neue Steuer einführen will, sollte sich dies drei Mal überlegen“, sagt Howest trotz der finanziell angespannten Situation der Stadt. Derzeit liegt die Pro-Kopf-Verschuldung in Gadebusch bei 776 Euro (Stand 31.12.2013). Sie stieg damit gegenüber dem Jahr 2012 um 169 Euro. Der Schuldenstand der Stadt insgesamt erhöhte sich laut Statistischen Landesamt binnen eines Jahres von 3,4 auf 4,2 Millionen Euro. Verschuldet ist in Nordwestmecklenburg nach wie vor die Mehrheit der Gemeinden (SVZ berichtete).

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