zur Navigation springen

Verbrennung von Gartenabfällen : Verordnung sorgt für Ratlosigkeit

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die überarbeitete Regelung über die Verbrennung von Gartenabfällen wirft Fragen auf sorgt weiterhin für reichlich Gesprächsstoff

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Darf verbrannt werden oder nicht? Diese Frage beschäftigt seit Monatsbeginn zahlreiche Leser der SVZ, die es gewohnt waren, im Oktober ihren herbstlichen Hecken- und Baumschnitt zu verbrennen. „Was soll ich denn nun machen, ich habe bereits im August Bäume und Sträucher auf meinem Grundstück beschnitten und gelagert und wollte das jetzt verbrennen?“, fragt eine Leserin aus Lützow am SVZ-Telefon. Sie habe auch keinen Anhänger und kein Auto und wüsste nun nicht, wie sie diese Mengen los werden soll.

Hintergrund für die Verunsicherung ist die Novellierung eines Gesetzes, das die Beseitigung von Gartenabfällen regelt, durch das Wirtschaftsministerium MV dieses Frühjahr. Das hat dazu geführt, dass der Landkreis Nordwestmecklenburg als genehmigungspflichtige Behörde sein seit 2015 bestehendes Abfallwirtschaftskonzept zur Beseitigung von Bioabfällen konsequent umsetzt. Darin heißt es: „Der Landkreis sieht in der Regel die Nutzung der Möglichkeiten, wie z.B. die haushaltsbezogene Biotonne oder die Anfuhr an eine Sammelstelle, als möglich und zumutbar an. Das Verbrennen pflanzlicher Abfälle, die auf nicht gewerblich genutzten Gartengrundstücken anfallen, ist damit in der Regel unzulässig. Verstöße können mit einem Bußgeld geahndet werden.“

Da es flächendeckend Biotonne und Annahmestellen gibt, ist nach dieser Lesart ein Verbrennen nicht mehr statthaft. Zumal Biotonne und einige Sammelstellen gefördert werden: „Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises fördert die kommunalen Annahmestellen auf Antrag mit derzeit maximal einem Euro pro Einwohner und Jahr“, teilt Kreissprecherin Petra Rappen auf Anfrage mit.

Trotzdem gibt es nach wie vor Ausnahmen: „Wenn die Entsorgung der pflanzlichen Abfälle über die Abfallentsorgungssysteme der Ämter und Gemeinden und der Entsorgungsunternehmen im außerordentlichen Einzelfall nicht möglich und nicht zumutbar sein sollte...“, könne weiterhin nach den bisherigen Regelungen verbrannt werden, heißt es auf der Internetseite des Landkreises. „Zugegeben, das ist ziemlich schwammig formuliert – wer entscheidet im konkreten Fall, was zumutbar ist?“, ist auch Kreissprecherin Petra Rappen nicht sehr glücklich über die momentane Situation. Rommy Elßner vom Bau- und Ordnungsamt Gadebusch bringt es auf den Punkt: „Das ist wieder das beste Beispiel von fehlender Bürgernähe“, kritisiert die Behördenmitarbeiterin. Als Argumente führt Elßner an, dass zum einen die Situation in ländlichen Gebieten mit überwiegend großen Grundstücken mit der in Städten nicht vergleichbar ist. „Zum Anderen sollten sich die Verfasser solcher Gesetze doch einmal überlegen, wie denn die
CO2-Bilanz aussieht, wenn das alles zu zentralen Sammelstellen gefahren wird“, so die Amtsmitarbeiterin.

Der ehemalige Bürgermeister von Rögnitz, Gerhard Wilk, meint: „Die Frage ist, ob der Kreis einfach die Satzung von Kommunen außer Kraft setzen kann. In Rögnitz ist das Verbrennen von Astschnitt im März und Oktober laut Ortssatzung erlaubt und so etwas sollte auch nur die Gemeinde verbieten können.“ In einer Erklärung vom 1. Stellvertreter der Landrätin, Mathias Diederich, heißt es: „Besonders stark sind die Belästigungen bei der Verbrennung von feucht-nassen Abfällen. Diese gehören wie Blumen- und Staudenschnitt, Kraut, Gras, Laub auf den Kompost oder in die Biotonne. Verbrannt werden darf nur trockener und unbelasteter Baum- und Strauchschnitt von privaten Gärten, welcher nicht zu einer bestehenden kommunalen oder gewerblichen Sammelstelle gebracht werden kann“.

Fazit, um es mit den Worten von Bertolt Brecht zu sagen: Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen