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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. November 2017 | 06:55 Uhr

Gedenken : Verneigung vor den Opfern

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gadebusch, Rehna, Dragun erinnern an Kriegsende vor 70 Jahren. Pastor: Gedemütigte Frauen erhielten keine öffentliche Genugtuung

von
erstellt am 08.Mai.2015 | 23:55 Uhr

In zahlreichen Kommunen haben Menschen mit Kranzniederlegungen und Schweigeminuten an das Kriegsende vor 70 Jahren erinnert. Sie gedachten der Millionen Toten und warnten vor neuerlicher Fremdenfeindlichkeit.

In Gadebusch hielt die Linkspolitikerin Luise Krüger die Gedenkrede. Sie erinnerte an die Zeit, als zunächst die Amerikaner, dann die Engländer und dann die Rote Armee nach Gadebusch kamen. Es gab Hausdurchsuchungen, zahlreiche Flüchtlinge in der Stadt – und Kinder verunglückten beim Spielen mit Munition. „Mein Bruder Kurt (9) versuchte damals mit noch einem Jungen Zündplättchen von Handgranaten auseinander zu nehmen. Das ging schief und so fehlten Kurt nach der Explosion je ein Stück Daumen und Mittelfinger der linken Hand.“ Das Gesicht des anderen Jungen war mit Splittern übersät.

Die Krügers mussten auf Anweisung der Roten Armee ihre Wohnung in der Bahnhofstraße im Juli 1945 räumen. Mit zwei Pferdefuhrwerken – beladen mit Bettzeug, Kleidung, Kinder- und Ehebetten – machten sie sich damals auf zum Großvater nach Schönwolde.

An der gestrigen Gedenkveranstaltung in Gadebusch nahm auch der Zeichner, Maler, Schreiber und Kulturpreisträger des Landes MV, Joachim John, teil. Er hatte das Kriegsende vor 70 Jahren als Zwölfjähriger in Nordböhmen miterlebt. „Damals rief jemand in den Garten: ,Hitler soll tot sein’. Mein Großvater, ein alter Gärtner, rief zurück: ,Das glaube ich nicht. Unkraut vergeht nicht oder kommt wieder...’“, sagte John und fand mahnende Worte.

Mit Glockengeläut und einer Kranzniederlegung wurde in Rehna an das Kriegsende vor 70 Jahren erinnert. Eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte sei damals zu Ende gegangen, sagte der Rehnaer Pastor Andreas Ortlieb in seiner Rede. Unvorstellbares Drangsal hätten die Menschen erleiden müssen. Schätzungen zufolge seien während des Zweiten Weltkrieges mehr als 65 Millionen Menschen getötet worden. Es kamen mehr Zivilisten um als Soldaten bei Kampfhandlungen. Andreas Ortlieb erinnerte aber auch an die Zeit danach: „Die Siegermächte feierten und nahmen sich, was sie brauchten. Die Schreie der geschändeten Mädchen und jungen Frauen schallten allabendlich durch die Orte. Mecklenburg war besonders schwer von den Schandtaten betroffen. Schrecklich auch, dass diese zutiefst gedemütigten Frauen niemals öffentliche Genugtuung erhielten.“

Eine Kranzniederlegung gab es gestern Abend auch am Denkmal in Dragun. Der Kultur- und Sportverein Dragun gedachte dort mit Vertretern der Gemeinde und der Kirche der Opfer des Zweiten Weltkrieges.

 

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