Rehna : Vereinsfest statt Gartenarbeit

Feier mit Blick auf das Naturschutzgebiet Radegasttal, Kuhmoor und Dornröschenwald Fotos: Patricia Lösche
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Feier mit Blick auf das Naturschutzgebiet Radegasttal, Kuhmoor und Dornröschenwald Fotos: Patricia Lösche

Die Mitglieder der Rehnaer Kleingartensparte „Mittelkrug rechts“ waren in Feierlaune

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27. Juli 2014, 23:18 Uhr

Dort, wo Rehna aufhört, beginnen die Gärten. Ein Feldweg umrundet den Kleingartenverein „Mittelkrug rechts“, folgt dabei ein Stück der Radegast, die hier das Naturschutzgebiet Radegasttal durchfließt. Mit rund 58 582 Quadratmetern Fläche ist der „Mittelkrug rechts“ der größte der vier Kleingartenvereine Rehnas.

Alle zwei Jahre wird hier gemeinsam gefeiert, am Wochenende war es wieder so weit. Die Kleingärtner fanden sich ein unter dem Dach des Partyzeltes, Sponsoren hatten Tombola- und Glücksradgewinne gestiftet. Nach Kuchen und Kaffee hing der Duft von Grillfleisch über den Gärten, während die Abendsonne das Panorama aus Radegasttal, Kuhmoorweide und dahinter liegendem Dornröschenwald in ein warmes Licht tauchte. Gegründet wurde die Anlage noch vor dem Ersten Weltkrieg, Hochzeit der Schrebergarten-Bewegung.

Vereinsvorsitzender ist seit einigen Monaten Reinhard Lange, der vor sechs Jahren hier seine Parzelle pachtete: „Der Verein in dieser Form existiert seit 1993. Mit 85 Mitgliedern bewirtschaften wir 107 Parzellen. Einige wenige sind noch frei.“

Günther Holst, ältester Pächter und bis vor einem Jahr Vorsitzender des Vereins: „Wir haben unseren Garten 1952 von den Eltern übernommen, die ihn davor ebenfalls schon lange hatten.“ Zu DDR-Zeiten, so Holst, war es ein Privileg, mit eigenem Gemüse und selbstgezogenen Hühnern, Enten oder Kaninchen den Speiseplan bereichern zu können. Auch Schweine wurden damals gehalten, Futtergetreide angebaut.

Viele der oft fantasievollen Gartenhäuser zeugen von der langen Geschichte dieser Schrebergarten-Anlage. Teils vor Jahrzehnten begonnen, wurden sie im Laufe der Jahre durch Um- und Anbauten ergänzt.

Die Schweine sind verschwunden, doch trotz gefüllter Supermärkte ist für die Schrebergärtner das Selbstversorgerprinzip geblieben. „Das Gemüsejahr fängt im April mit dem Spargel an und endet im Dezember mit Rosen- und Grünkohl“, so der 81-jährige Holst, der mit seiner Frau Elvira (79) den größten Teil des Tages auf seinem Stück Land verbringt, noch immer Hühner und Kaninchen hält. „Was soll man sonst machen, das hält beweglich.“ Im Nachbargarten tummeln sich Perlhühner und Enten. Eine Parzelle weiter steht hohes Gras. „Kaninchenheu“, erklärt Holst.

Obwohl heute der Ziergarten breiteren Raum einnimmt, ist gerade zu Zeiten des Bio-Booms Selbstgezogenes aus dem Garten im Trend. Entsprechend interessieren sich wie in den Anfängen der Bewegung auch jüngere Familien wieder für einen Kleingarten, vor allem mit Kindern. „Für mich gibt es nichts Schöneres, als frisch geerntete Kartoffeln und Gemüse aus dem Garten“, bringt es Schatzmeister Hans Kraus auf den Punkt.

Die meisten Mitglieder bewohnen Mietswohnungen in den Neubaugebieten. Nicht so der stellvertretende Vorsitzende Andreas Kirsten und seine Frau Anke. Mit Haus und Vorgarten wuchs der Wunsch nach Selbstgezogenem. Bald reichte die erste Parzelle nicht mehr aus, eine zweite kam dazu. „Wir bewirtschaften inzwischen 900 Quadratmeter“, so Kirsten, „Es ist viel Arbeit, aber auch Freude, man weiß, was drin ist im Gemüse. Und schließlich rechnet es sich auch.“

Rund 100 Euro kostet die Parzelle mit Strom und Wasser, nicht pro Monat, sondern im Jahr. Geld, das angesichts der Preise für Bio-Produkte schnell wieder herausgewirtschaftet ist.


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