Gadebusch : Verein gibt nach 17 Jahren auf

Die letzten Salutschüsse für die Gefallenen der Schwedenschlacht von 1712.
Die letzten Salutschüsse für die Gefallenen der Schwedenschlacht von 1712.

Frank Rohmann verkündet das Ende des Kulturhistorischen Vereins

svz.de von
01. November 2015, 17:20 Uhr

Nach 17 Jahren unermüdlicher Forschung über die Schlacht der Schweden gegen die dänischen und sächsischen Truppen im Jahre 1712 in Wakenstädt ist für den Kulturhistorischen Verein 1712 e. V. Schluss. Am Freitagnachmittag gab das Lützower Freicorps auf der Gedenkstätte in Wakenstädt zu Ehren der Gefallenen zum letzten Mal drei Kanonenschüsse ab. Der Vorsitzende Frank Rohmann erklärte das Aus für den engagierten Verein. Zerwürfnisse mit Mitarbeitern der Kreisverwaltung und mangelnde Unterstützung der Stadt Gadebusch machte Rohmann dafür verantwortlich. Dem Gadebuscher Jobcenter hingegen dankte Rohmann ausdrücklich für die jahrelange gute Zusammenarbeit.

Einige Wakenstädter Einwohner wohnten der Zeremonie am Freitagnachmittag bei. Sie hatten dem Kulturhistorischen Verein zu verdanken, dass der Errichtung eines Windparks auf dem ehemaligen Schlachtfeld Anfang des Jahres die Zustimmung verweigert wurde.

„Wir sind ganz froh darüber, dass es den Verein zu diesem Zeitpunkt gab. Somit war der Kampf gegen den Windpark um einiges leichter, als in anderen Kommunen“, sagte Anwohner Wolfgang Schröder. Der Vorsitzende des Vereins, Frank Rohmann, sah das ähnlich, ärgerte sich aber zugleich auch über die Art und Weise, wie sowohl der Kreis als auch die Stadt Gadebusch mit dem Verein umgegangen sei. „Bis 2012 haben wir immer eine kleine Förderung von der Stadt erhalten, seitdem bekommen wir nicht mal mehr eine Antwort auf unsere Anträge“, erklärte der 71-Jährige.

Auch vom Kultur- und Bildungsausschuss des Landkreises sei er enttäuscht. „Wir haben 2012 eine Regionalkonferenz um die Schwedenschlacht einberufen. Hier wollten wir alle an einen Tisch holen, die etwas darüber erforscht hatten“, sagte der Gadebuscher. Das Protokoll dieser Konferenz liege dem Verein als Ausrichter bis heute nicht vor. Schlimmer noch, sagte Rohmann, so habe die Uni Greifswald anschließend ein Buch herausgegeben, indem der Kulturhistorische Verein nicht ein einziges Mal erwähnt werde. „Wir haben mit den Landrätinnen Frau Hesse und Frau Weiss zusammen gesessen. Beide versprachen, zu vermitteln. Doch passiert ist nichts“, erklärte Frank Rohmann.

Jetzt hat Rohmann die Nase voll und dem Verein den finalen Stoß versetzt. „Es geht nicht mehr. Uns fehlt die Unterstützung und ich denke, man arbeitet an mehreren Stellen gegen uns. Vielleicht auch, weil wir erfolgreich gegen den Windpark gekämpft haben“, sagte der Vereinsvorsitzende.

Neun Mitglieder hatte der Verein bis zuletzt. Den Höhepunkt erlebte dieser im Jahr 2012, als sich aus Anlass des 300. Jahrestages der Schwedenschlacht 350 Akteure vor gut 5000 Gästen aus ganz Europa eine nachgestellte Schwedenschlacht auf dem originalen Schlachtfeld lieferten.

Jetzt geht das Grundstück der Gedenkstätte zurück an die Stadt Gadebusch. Die hatte laut Rohmann nicht einmal Interesse an den Ausstellungsstücken aus der Blockhütte auf dem Gedenkgelände. „Wir haben nun alles selbst ausgeräumt und übergeben alles besenrein, wie man so schön sagt“, erklärte Frank Rohmann. Da es auch keinen Nachfolger für den 71-Jährigem gibt, ist der Verein damit nach 17 Jahren Geschichte.

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