Schönberg : Veilchen aus Papier erstaunen

Schon seit frühester Kindheit fertigt Dietrich Voß Scherenschnitte an. Jetzt zeigte er Beispiele seiner Kunst im Schönberger Volkskundemuseum.  Fotos: Maik Freitag
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Schon seit frühester Kindheit fertigt Dietrich Voß Scherenschnitte an. Jetzt zeigte er Beispiele seiner Kunst im Schönberger Volkskundemuseum. Fotos: Maik Freitag

Schönberger Dietrich Voß zeigt 300 Jahre alte Scherenschnitttechnik und beteiligt sich an Ausstellung im Volkskundemuseum

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13. November 2017, 21:00 Uhr

Wenn Dietrich Voß eine kleine Handarbeitsschere zwischen die Finger nimmt, gleitet die Spitze behutsam und wohlbedacht über das kleine Stück Papier in seiner anderen Hand. Einige wenige Schnitte später, manchmal auch etwas mehr, entfaltet der 75-Jährige das zuvor zusammengekniffene Stück und es ist ein Veilchen oder eine andere seiner vielen Scherenschnittmotive zu sehen. Seit mehr als 60 Jahren demonstriert er seine Kunst und beteiligt sich derzeit an einer im Schönberger Volkskundemuseum zu sehenden Ausstellung. „Scharf geschnitten!“ heißt diese und ist noch bis zum 27. Januar zu sehen. Außer von Dietrich Voß und seiner Familie sind Arbeiten von Rosemarie Dröscher, Elisabeth Szesny und dem Wossidlomuseum Ausspanne Walkendorf zu sehen.

„Ich habe diese Kunst schon als Kind von meinem Vater und der von seinem Vater mit auf den Weg bekommen. Wir haben hier Schnitte ausgestellt, die schon viele Jahrzehnte auf dem Papier haben“, erklärte der 75-Jährige. Eigentlich habe er Tischler gelernt und mit seinen riesigen Händen Tische und Stühle gebaut. Jetzt schneide er mit einer winzigen Schere Papier, erklärte Dietrich Voß. Davon, wie ruhig und gewissenhaft er die Schere einsetzt, konnten sich am Sonnabend auch die Besucher der Ausstellungseröffnung überzeugen, denn hier führte er seine Kunst vor. „Derzeit arbeite ich viel an verschiedenen Blumenmotiven. Ich stelle sie vor mir hin und schneide danach das Muster“, erklärte er. Auch für seine Frau Magdalena habe er zahllose Motive gefertigt. „Meine Frau ist Leiterin der Schönberger Seniorentanzgruppe. Ich glaube, alle Mitglieder haben schon so ein Motiv. Manche verschenken es dann zu verschiedenen Anlässen auf eine Karte geklebt“, sagte Dietrich Voß. Zur Weihnachtszeit eignen sich natürlich Sterne als Motiv, aber auch Winterliches sei oft dabei, erklärte er.

Zu sehen sind im Volkskundemuseum selbst Schnitte der Familie Voß aus dem 19. Jahrhundert. Die 1863 geborene Helene Voß schnitt genauso wie Martin Voß (1900 bis 1971) oder die geborene Voß, Elisabeth Szesny (Jahrgang 1935).

Die aus einer Pastorenfamilie stammende Helene Voß wuchs im Kreis von sieben Geschwistern auf und vermählte sich später mit dem mecklenburgischen Pastor Friedrich Voß. Aus dieser Ehe stammte Sohn Martin, an den die Mutter die Kunst des Scherenschnittes weiter gab. Gleiches galt auch für Tochter Elisabeth Szesny, die auf ihre häufigen Krankheiten folgenden Erholungsphasen für die Scherenschnitte nutzte.

Der Scherenschnitt entstand in Deutschland im 17. Jahrhundert und wurde für Schattenrisse und Silhouetten genutzt. Das ölige Papier, ähnlich dem heutigen Pergamentpapier, wurde an die Fensterscheibe gehalten und die zu schneidende Person auf der anderen Seite soweit vom Fenster entfernt, dass der Schatten auf das Papier passte und nachgeschnitten werden konnte. Das war vor gut 300 Jahren und hat sich bis heute gehalten.

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