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Diskussionsrunde im Grenzhus Schlagsdorf : Unterschiede Ost-West bleiben

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Fachleute diskutieren im Schlagsdorfer Grenzhus 28 Jahre nach der Wiedervereinigung über die Unterschiede im Land

svz.de von
erstellt am 31.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Wie sich Ost- und Westdeutschland auch 28 Jahre nach der Wende noch unterscheiden, diskutierten jetzt Journalisten, Fotografen und Fachleute zusammen mit zwei Dutzend Gästen im Schlagsdorfer Grenzhus. Leiter Dr. Andreas Wagner hatte dazu den Kunstwissenschaftler und Fotografen Ulrich Rudolph, Schriftstellerin Birgit Lohmeyer, den ehemaligen Landesbeauftragten für Stasiakten, Jörn Mothes, Journalist Nick Vogler und Fotograf Sönke Dwenger eingeladen.

Die seit einigen Monaten im Grenzhus ausgestellten Fotografien Dwengers bildeten den Anlass der Diskussionsrunde. Der 57-Jährige war einst selbst Journalist und arbeitet auch heute noch als Presseoffizier der Bundeswehr. Er widmete sich vor zehn Jahren ausschließlich seiner Leidenschaft, der Fotografie. Schon vor der Wende drückte er als Bad Segeberger auf der westdeutschen Seite auf den Auslöser und sorgte mit seinen Motiven kurz nach der Wende nun für ausgiebigen Gesprächsstoff. „Schon vor dem Mauerfall war ich in Lübeck und habe viel erlebt und fotografiert. Das spiegelt sich hier wieder, und ich kann von meinen Erfahrungen berichten“, erzählte Dwenger. Das tat auch der Testorfer Ulrich Rudolph. Der bei Zarrentin wohnende Rudolph war einst der Geschäftsführer der Bürgerbewegung „Neues Forum“ in Gadebusch und verfolgte den Mauerfall zur Zeit der friedlichen Revolution in der DDR von einer ganz besonderen Seite. Ihm war besonders der Besuch zweier Journalisten aus dem Dithmarschen in Erinnerung geblieben, die seine Partei mit dem Druck der viermalig erschienen Zeitung „Guten Morgen!“ halfen, die Nachrichten der Partei entsprechend zu verbreiten. „Sie fragten mich, wie sie helfen könnten, und ich antwortete, sie können die Zeitung drucken lassen. Das taten sie auch. Das war fantastisch“, erklärte Rudolph. Die Unterschiede zwischen Ost und West seien seiner Meinung nach noch deutlich zu sehen, sagte er.

Journalist Nick Vogler berichtete von seinen Erfahrungen aus beiden deutschen Teilen. In Berlin geboren, später in Rostock und Grevesmühlen arbeitend, habe ihn sein Werdegang bei der Zeitung später nach Lübeck geführt. „Ich sah und sehe mich hier auch als Bindeglied zwischen Ost und West. Ich werbe immer dafür, bei der Behandlung von Themen bei der Zeitungsentstehung verschiedene Perspektiven einnehmen zu können“, erklärte Vogler. Die Gesellschaft habe aber– zum Beispiel mit dem Wandel des Arbeitslebens in die digitale Welt – längst andere entscheidende Wendepunkte erreicht.

Einen tiefen Einblick in viele ostdeutsche Vergangenheiten bekam einst Jörn Mothes, ehemaliger Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen (1998-2008). Er sei derzeit oft in Vorpommern unterwegs und berichtete von eklatanten Wissenslücken von Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren. „Sie verweigern sich regelrecht, über gesellschaftliche Prozesse nachzudenken. Lehrer haben mir in Gesprächen erklärt, sie hätten längst aufgegeben“, sagte Jörn Mothes. Seiner Meinung nach müsse dort viel mehr für die Bildung getan werden.

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