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Grüne Woche auch ohne Gadebusch : Unternehmen pfeifen auf Berlin

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Minusrekord: Auf nur noch drei Messeständen präsentiert sich der Nordwestkreis in diesem Jahr auf der Verbraucherschau in Berlin

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Stellen Sie sich vor, es ist Internationale Grüne Woche und niemand will hin. Gibt's doch gar nicht? Gibt's doch! Zumindest was die Aussteller aus Nordwestmecklenburg angeht, ist vom 20. bis zum 29. Januar in Berlin Schmalkost angesagt. Auf nur noch drei Messeständen präsentiert sich der Nordwesten in diesem Jahr den hunderttausenden Besuchern auf der weltgrößten Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau.

Vorbei die Zeiten, als sich die Besucher in der Mecklenburg-Vorpommern-Halle an Käsespezialitäten der Ostseemolkerei Rücker, ausgefallenen Kreationen der Gadebuscher Günter Puttkammer Fleischwaren-Spezialitäten GmbH, edlen Spirituosen aus der Wismarer Hinricus Noyte’s Spirituosen GmbH, Sprudelwasser aus der Hanse Sektkellerei Wismar oder dem Programm des Action Open Air Theaters aus Grevesmühlen (SVZ berichtete) erfreuen konnten. „Die Teilnahme an der Grünen Woche bringt nichts, kostet nur wahnsinnig viel Geld. Das Ganze ist nichts weiter als eine Bespaßung für Rentner und Politiker“, sagt Stefan Beck. Nach Meinung des Geschäftsführers der Hinricus Noyte’s Spirituosen GmbH, die im Vorjahr noch auf der Verbraucherschau vertreten war, würden sich ohne die Beteiligung des Landes Mecklenburg-Vorpommern an den Standgebühren noch weniger Unternehmen die Teilnahme an der Messe leisten können.

Gaumenfreuden und Show vom Restaurant Station Burgsee präsentierte Holger Hempel zuletzt vor drei Jahren.
Gaumenfreuden und Show vom Restaurant Station Burgsee präsentierte Holger Hempel zuletzt vor drei Jahren. Foto: Holger Glaner

In diesem Jahr müssen die Aussteller für den kleinstmöglichen Stand allein 1560 Euro Standmiete zahlen. Dazu kommen Übernachtungen für die Mitarbeiter, Parkplatzgebühren, 359 Euro für ein Werbepaket und je nach Standgröße ein sogenannter AUMA-Austellerbeitrag. Wobei AUMA als Abkürzung für den Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. steht, der die Interessen der in- und ausländischen Aussteller auf dem Messeplatz Deutschland vertritt. Der genannte Beitrag kommt der Tätigkeit des Vereins zu Gute.

Für viele Unternehmen ist das alles allerdings des Guten zu viel. So auch für das Restaurant Station Burgsee im Historischen Bahnhof Gadebusch. „Die Grüne Woche ist wichtig, schafft auch Mehrwert. Aber das können wir uns einfach nicht leisten“, sagt Martin Burtzlaff. Letztmalig war Geschäftsführer Holger Hempel im Jahr 2014 mit einem Köcheteam in Berlin am Start.

Ausgefallene Kreationen der Günter Puttkammer Fleischwaren-Spezialitäten gab es auf der Grünen Woche zuletzt 2015.
Ausgefallene Kreationen der Günter Puttkammer Fleischwaren-Spezialitäten gab es auf der Grünen Woche zuletzt 2015. Foto: Holger Glaner

Ein Jahr länger hat die Günter Puttkammer Fleischwaren-Spezialitäten GmbH aus der Münzstadt Gadebusch durchgehalten. „Das ist so teuer geworden, da machen wir nicht mehr mit“, sagt Andreas Ahrens. 1600 Euro Miete sollte das Gadebuscher Unternehmen allein für eine Abzugsanlage zur Belüftung eines kleinen Bratwurstgrills zusätzlich zu den bereits erwähnten Kosten aufbringen. Da war dann auch für den Vertriebsleiter Schluss mit lustig.

So wird Nordwestmecklenburg in diesem Jahr also nur noch durch den Landkreis, die Fischräucherei „Seeperle“ und den Hanseatischen Köcheclub Wismarbucht auf der Grünen Woche vertreten sein.

Und was sagt das Landwirtschaftsministerium zu den vielen Nordwest-Unternehmen, die sich von der Grünen Woche abwenden? Dr. Till Backhaus: „Daraus lässt sich kein Trend ableiten.“ – Ein Interview mit dem Minister lesen Sie in der morgigen Ausgabe der SVZ.  

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