Tischlereien zwischen Lützow und Rehna : „Unter zwölf Euro läuft nichts“

Tischlereien suchen dringend Fachkräfte. Das geht nur über die Bezahlung. Dabei gehen die Vorstellungen auseinander.
Foto:
Tischlereien suchen dringend Fachkräfte. Das geht nur über die Bezahlung. Dabei gehen die Vorstellungen auseinander.

Innung handelt Tarifvertrag für Mitgliedsunternehmen aus. Tischlereien auf Baustellen müssen Bautarif zahlen

svz.de von
02. März 2016, 05:45 Uhr

Ist der Fachkräftemangel im Handwerk hausgemacht? Diese Frage wirft ein Tischler aus der Region auf.

„Viele hier wohnhafte Fachkräfte nehmen auch weiterhin tagtäglich stundenlange Pendelfahrten zu ihrem Arbeitsplatz in den alten Bundesländern in Kauf. Ich selber gehöre auch zu diesem Personenkreis“, wendet er sich an die SVZ. Der ausgebildete Tischler wollte endlich wieder zu Hause arbeiten.

Das Problem: „Bei dem mir offerierten Stundenlohn, der weit unter dem Tariflohn für Tischler liegt, hätte ich meinen finanziellen Verpflichtungen als Familienvater nicht mehr nachkommen können. Trotz Vollzeitstelle wäre ich bei meinem monatlichen Einkommen nur geringfügig oberhalb der Bezüge eines Arbeitslosengeld-II-Empfängers angesiedelt gewesen.“

Die Bezahlung in der Tischlereibranche richtet sich danach, ob eine Firma in der Tischlerinnung organisiert ist. „Dann gilt unser Tarifvertrag“, sagt Maik Schmidt vom Landesinnungsverband MV. „Der liegt bei 11,25 Euro.“ Jeder dritte Betrieb im Land ist in der Innung organisiert.

Wenn ein Tischler nicht Mitglied ist und nur in seiner eigenen Werkstatt arbeitet, kann er die Bezahlung seiner Angestellten selbst gestalten. Lediglich der Mindestlohn von 8,50 Euro muss gezahlt werden. Ob es mehr und wenn ja wieviel ist, kann individuell ausgehandelt werden. Das hängt unter anderem davon ab, in welcher wirtschaftlichen Lage der Betrieb sich befindet.

Sobald eine Tischlerei auf einer Baustelle aktiv ist und nicht Mitglied der Innung ist, greift der Bautarifvertrag. Der liegt bei rund 13 Euro und damit über dem Tarif der Innung. „Unsere Mitglieder können tatsächlich weniger zahlen“, sagt Maik Schmidt. Doch wer gute Fachkräfte haben möchte, muss auch gut zahlen. „Unter zwölf Euro die Stunde läuft eigentlich nichts mehr.“ Das könnten sich die Firmen schlicht nicht leisten, denn der Fachkräftemarkt sei leergefegt.

Rund 750 Tischlereien gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Seit rund zehn Jahren ist diese Zahl relativ konstant, sagt Maik Schmidt. Rund 70 Prozent von ihnen sind kleine Firmen mit drei bis fünf Angestellten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen