Fahrverbot für Senioren : Unfallrisiko steigt ab dem 75. Lebensjahr

Wie verkehrstüchtig sind ältere Autofahrer noch? Der ADAC fordert: Ihre individuelle Mobilität soll erhalten bleiben – ihre Eigenverantwortung gestärkt werden.
Wie verkehrstüchtig sind ältere Autofahrer noch? Der ADAC fordert: Ihre individuelle Mobilität soll erhalten bleiben – ihre Eigenverantwortung gestärkt werden.

Die Diskussion um ein Fahrverbot für Senioren reißt unterdessen nicht ab

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10. Juni 2015, 07:45 Uhr

Die Diskussionen um ein Fahrverbot für Senioren reißen nicht ab. Während Politik und die Automobilindustrie gegen Altersgrenzen sind, können sich SVZ-Leser wie der Nesower Manfred Thymoreit durchaus Fahrtests für Senioren vorstellen: Jeder Führerscheinbesitzer ab 75, der noch mit einem Kraftfahrzeug aktiv am Straßenverkehr teilnehme, sollte alle zwei Jahre seine praktische Fähigkeiten von einem Fahrschullehrer überprüfen bzw. sich von einem Arzt die Fahrtauglichkeit bestätigen lassen. „Nicht schlecht fand ich zu DDR-Zeiten die Regelung mit der Kraftfahrerschulung. Es musste jeder Führerscheinbesitzer jedes Jahr bzw. alle zwei Jahre an einer Verkehrsteilnehmerschulung teilnehmen“, sagt Thymoreit.

Die Debatte um ein Fahrverbot bzw. eine Fahrtest-Pflicht für Senioren hat auch den verkehrspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dietmar Eifler, auf den Plan gerufen. Er lehnt eine Tauglichkeitsprüfung für Senioren strikt ab: „Ältere Autofahrer regelmäßig einem Generalverdacht auszusetzen, geht an der Realität auf unseren Straßen vorbei.“ Die aktuelle Verkehrsunfallstatistik für 2014 zeige, dass vor allem junge Fahrer an Unfällen beteiligt seien.

Seit zwei Jahren werden in der Statistik des Schweriner Innenministeriums die Unfälle mit Senioren besonders berücksichtigt. Ergebnis einer Untersuchung: Als Verursacher von Unfällen mit Toten und Verletzten waren Senioren in der Statistik mit 14 Prozent eher unterrepräsentiert.

Auch die derzeit älteste Kreistagsabgeordnete Nordwestmecklenburgs, Luise Krüger (Die Linke) aus Gadebusch, weist Forderungen nach einem Fahrverbot für Senioren zurück. Zu viele Menschen auf dem Lande seien auf das Auto angewiesen, um in die Stadt zu gelangen. „Wenn ein Fahrverbot gefordert wird, sollte erst einmal ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr geschaffen werden, mit dem man vom Dorf in die Stadt kommt“, fordert Krüger. Sie fährt als 77-Jährige nach wie vor selbst mit ihrem 13 Jahren alten Auto zu Kreistagssitzungen nach Wismar und Grevesmühlen.

Für sinnvoll hält der Vorsitzende des Gadebuscher Seniorenbeirats, Horst Biskupek, ein Fahrverbot für kranke Menschen, die sich und andere gefährden. „Ich kenne leider einige, die nicht mehr Auto fahren sollten, es aber dennoch tun“, sagt Biskupek.

Das Unfallrisiko steigt ab dem 75. Lebensjahr deutlich an, belegen Studien des Statistischen Bundesamts. Bei einem Fahrer Ende 70 ist das allgemeine Risiko, einen Unfall zu verursachen, im Durchschnitt doppelt so hoch wie bei erfahrenen Fahrern zwischen 40 und 60 Jahren.

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