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Barrierefrei in Gadebusch : Unerwartete Hindernisse

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Erhard Broeck ist als Sehbehinderter in Gadebusch unterwegs. Vor allem die Jarmstorfer Kreuzung und Baustellen sind problematisch

Erhard Broeck steht an der Straße und horcht aufmerksam. Erst wenn er kein Auto mehr hört, wagt er den Schritt auf die Straße. „Ich kann nur auf Strecken gehen, die ich kenne“, betont der 66-jährige Gadebuscher. Er leidet seit vielen Jahren an einer Sehbehinderung und ist praktisch blind. Doch selbst auf bekannten Pfaden stößt er immer wieder auf Hindernisse.

Besonders problematisch sei der Verkehr an der Jarmstorfer Kreuzung, sagt Broeck. „Hier rührte sich jahrelang nichts. Daher bin ich angenehm überrascht, dass sich scheinbar etwas tut“, so der Rentner. Bei einer Begehung durch Vertreter der Stadt Gadebusch und des Landkreises wurde über Lösungsmöglichkeiten für die Kreuzung diskutiert (die SVZ berichtete). Dabei kam auch eine Ampel ins Gespräch. „Es ist mir klar, dass das Geld kostet, aber muss erst etwas größeres passieren, bevor gehandelt wird?“, fragt sich Broeck.

Dies sieht auch Andreas Lausen so. „Der Standort darf aber nicht direkt vorne an der Kreuzung sein“, erklärt der leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Gadebusch. Ansonsten müssten gleich acht Ampeln auf der gesamten Kreuzung aufgestellt werden. Davon wären immer sechs gleichzeitig rot und der Verkehr würde stark verlangsamt. Außerdem lägen die Kosten bei mehr als 100 000 Euro. Lausen schwebt eher eine Fußgängerampel vor, die etwas in die Jarmstorfer Straße versetzt liegt. Auch eine Verkehrsinsel sei noch in der Diskussion. „Wir wollen es jetzt in den Gremien besprechen und auch noch einen Fachmann hinzuziehen“, so Lausen. „Hoffentlich verläuft das ganze nicht im Sande“, betont Broeck.

Ein weiteres Problem für Erhard Broeck seien Baustellen, erzählt er. „Da werden dann provisorische Wege angelegt, die ich aber nicht kenne.“ Diese könne er, wenn überhaupt nur unter großen Schwierigkeiten nutzen. Häufig benötigt er in einem solchen Fall Hilfe. „Da reicht es dann auch nicht, wenn jemand sagt: Hier können sie gehen“, so Broeck. Vielmehr bräuchte er konkrete Hinweise.

Und auch in der Johann-Stelling-Straße gerät der 66-Jährige immer wieder in schwierige Situationen. „Die Auffahrt zum Parkplatz der Supermärkte ist gefährlich. Viele Autofahrer fahren vom Parkplatz direkt bis an die Straße und achten gar nicht auf Fußgänger“, erzählt Broeck. Als Lösung schlägt er eine weiße Linie vor, so dass der Parkplatz vom Fußweg deutlich getrennt wird.

„Weitestgehend wird von der Stadt aber Rücksicht auf Behinderte genommen“, sagt Broeck. Doch nicht immer seien die Belange der Behinderten im Blick der Stadt. „Viele Wege gehe ich gar nicht mehr allein, weil es dort zu viele Veränderungen gab“, erzählt der Rentner. Dennoch will der 66-Jährige auch weiterhin Hinweise geben, wenn er aus seiner Perspektive gefährliche Stellen entdeckt. „Ich versuche mich einzubringen und möchte am Leben in Gadebusch teilnehmen“, erklärt Broeck.

 

 

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erstellt am 16.Apr.2014 | 00:00 Uhr

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