Fahrzeugteile ohne Stahl und Aluminium : Ultraleichte ICE-Kotflügel aus Rehna

Superleichte Bauteile aus Kunststoff für Straßenbahnen und Züge werden in Mecklenburg produziert. DPA
Superleichte Bauteile aus Kunststoff für Straßenbahnen und Züge werden in Mecklenburg produziert. DPA

Was in der Luftfahrt gängige Praxis ist, wollen Ingenieure aus Rehna jetzt auf die Schiene bringen. Mit dem Einsatz von Faserverbundwerkstoffen könnten Zugteile bis zu 75 Prozent leichter werden.

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03. September 2012, 07:57 Uhr

Rehna | Locker hantiert der Mecklenburger Ingenieur Frank Jaeckel mit superleichten Kotflügeln, Bugklappen und Fensterrahmen einer neuen Generation sparsamer ICE-Züge. "So ein Teil wiegt sonst das Vierfache", sagte der Chef der PMC GmbH Rehna in Nordwestmecklenburg. Das 2008 gegründete Unternehmen entwickelt seit zwei Jahren zusammen mit der Fachhochschule Stralsund gewichtsreduzierte Fahrzeugteile aus faserverstärkten Kunststoffen.

1,4 Millionen Euro EU-Fördergeld flossen in die Innovation. Für die Herstellung der ultraleichten Bauteile wurde am Montag in Rehna eine neue Halle für 750 000 Euro eingeweiht. Die Serienproduktion starte 2013, so Jaeckel.

Was in der Luft- und Raumfahrt längst gängige Praxis sei, solle nun auch auf die Schiene gebracht werden, erklärte Werksleiter Jaeckel. Jahrelang habe er für die europäische Flugzeugindustrie mit superleichten Verbundmaterialien gearbeitet, bevor er zu dem innovativen Zulieferer PMC kam. Glas- oder carbonverstärkte Werkstoffe mit hohem Faservolumen und wenig Kunstharz sollen künftig herkömmliche Stahl-, Aluminium- und Kunststoffteile an Zügen, Straßen-, U- und S-Bahnen ersetzen. Damit könnten einzelne Komponenten um bis zu 75 Prozent im Gewicht reduziert und ICE oder andere Hochgeschwindigkeitszüge künftig erheblich energieeffizienter gemacht werden, erklärte Jaeckel.

An einem Beispiel demonstriert er die mögliche Energiereduzierung: Wenn eine U-Bahn, die alle 30 Sekunden stoppt und wieder losfährt, nur um 100 Kilogramm leichter gemacht würde, spare dies übers Jahr gerechnet rund 17 000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen ein, sagte Jaeckel. Verwendung finden könnten die leichten wie auch stabilen Faserwerkstoffe aber ebenso im Schiffbau. Mittels Zusatzstoffen oder Beschichtungen ließen sich höchste Brandschutzklassen erreichen.

Bereits jetzt fertigt das 15-Mann-Unternehmen für die Deutsche Bahn und andere europäische Verkehrsunternehmen Ersatzteile aus Kunststoffen. Straßenbahnen in Frankfurt am Main fahren bereits mit Komponenten aus Mecklenburg.

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