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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 05:42 Uhr

Ein Meister aus Gadebusch : Tradition verpflichtet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In fünfter Generation ist der Familienbetrieb Klug in der Handwerksbranche tätig und setzt auf Qualität statt Quantität

Wenn die Letzten das Licht ausmachen, geht es anderswo wieder an. Zum Beispiel in Backstuben. Dort wird jede Nacht aufs Neue das hergestellt wird, was wohl für die meisten Menschen dieser Region eine Selbstverständlichkeit ist oder sein sollte: das täglich Brot.

In fünfter Generationen ist das Familienunternehmen Klug in eben dieser Handwerksbranche tätig und behauptete sich auch nach der Wende gegen scheinbar immer erdrückend werdende Konkurrenz. Heute ist Klugs Backstube die letzte erfolgreich familiengeführte Bäckerei im Altkreis Gadebusch und beschäftigt 25 Mitarbeiter.

Inhaber ist Andreas Klug. Er tüftelt aktuell an einem Ladenumbau in der Wismarschen Straße in Gadebusch. Mehrere zehntausend Euro will er am Stammsitz der Firma investieren, und die Kunden dürften über das Ergebnis staunen. Das wird beim Blick in die Planungsunterlagen schon jetzt deutlich. Modernes Design für Gadebusch.

Klar ist aber auch:„Wenn wir in all den Jahren nicht großen Wert darauf gelegt hätten, unsere Tradition seit 1883 zu wahren und gleichzeitig immer auf dem neuesten Stand in Sachen Handwerk und Ernährung zu sein, würde es wohl auch uns als Bäckerei schon längst nicht mehr geben“, sagt der 44-jährige Handwerksmeister. Er und sein Team verzichten bei der Arbeit auf fertige Backmischungen, künstliche Geschmacksverstärker oder Zusätze, die sie mit ihrem Verantwortungsgefühl nicht vereinbaren können. Stattdessen setzen sie auf hochwertige, am liebsten regionale Rohstoffe und verwenden nach eigenen Angaben ernährungsphysiologisch wertvolle ungehärtete Pflanzenfette. „Von Tricksereien, die per Gesetzeslage bzw. -lücken möglich sind, halten wir nichts. Das Vertrauen unserer Kunden ist ein hohes Gut, das wir nicht aufs Spiel setzen“, sagt Klug.

Schon als Kind und Jugendlicher half Andreas Klug in der Backstube seines Vaters Ulrich, schlug nach der Schule 1988 den selben beruflichen Weg ein und übernahm Anfang vergangenen Jahres das traditionsreiche Familienunternehmen mit Sitz in Gadebusch und Filialen in Lützow und Rehna. Er ist nicht nur Firmenchef und Meister, sondern Verkaufsmanager, Internet-Betreuer, Hüter alter Familienrezepte und Entwickler neuer Produkte. Mit Rat und Tat zur Seite stehen ihm Eltern und Geschwister. „Außerdem wäre das alles ohne Hilfe meiner Ehefrau im Büro und dank der Mitarbeiter, die meist schon lange im Betrieb sind, nicht machbar. Nur manchmal beschleicht einem dann doch das Gefühl, irgendwie das Mädchen für Alles zu sein“, sagt Andreas Klug und lacht.

Gar nicht zum Lachen zumute dürfte dem Familienvater vor drei Jahren in Lübeck zumute gewesen sein. Damals stand er erstmals von 8 bis 18 Uhr mit einem Verkaufswagen auf dem Markt vor dem historischen Rathaus und bot Gutes aus MV feil. Bis die Hansestädter darauf aufmerksam wurden und auf den Geschmack kamen, sollten Monate vergehen. „Aber davor hatten mich andere Markthändler in Lübeck ja gewarnt. Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: Es war richtig, einen langen Atem zu haben. Es rechnet sich“, so Klug.

16 Brot- und 14 Brötchensorten inklusive Biosorten hat die Familienbäckerei im ständigen Sortiment. Hinzu kommen Brote des Monats wie Gewürzbrot, Kümmelbrot oder Nussbrot. Sie alle werden in dem Gadebuscher Ofen gebacken, der Platz für 150 Brote bietet. Darin herrschen dann 230 bis 260 Grad.

Angesichts dieser Temperaturen bleibt es nicht aus, dass sich der eine oder andere Auszubildende schon mal die Finger verbrannt hat. Als Entschädigung gab und gibt es nach der Lehre aber einen Beruf mit Chancen und Perspektive. „Bäcker und Konditoren können nicht nur Meister und selbstständig werden, sondern quasi auch überall auf der Welt arbeiten, von A wie Australien bis Z wie Zypern. Ihr Handwerk können sie auch auf Kreuzfahrtschiffen ausüben und so die Welt kennen lernen“, sagt der Gadebuscher. Dabei verschweigt Andreas Klug eines nicht: Das Bäckerhandwerk war und ist ein hartes Brot.

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